Erfragt unser Schicksal

Memorial Kreuzstadl, errichtet auf Initiative des Vereins RE.F.U.G.I.U.S

Memorial Kreuzstadl, errichtet auf Initiative des Vereins RE.F.U.G.I.U.S

„In der Nacht vom 11. zum 12. September 1946 fuhr ein Auto von Rechnitz nach Lockenhaus. Auf der Höhe des Geschriebensteins wurde der Wagen, dessen Inhaber* Juden* waren, von unbekannten Tätern* beschossen, wobei Nikolaus Weiß getötet und Abraham Grünwald schwer verletzt wurde. Wieder hatte die Nazifeme zugeschlagen.“

Auf diesen Text an einer Tafel stößt du sehr schnell, wenn du von der Straße beim Rechnitzer Billa in einen Feldweg auf der anderen Seite einbiegst. Mit antisemitischen Morden nach der Befreiung des ersten Hitler-“Opfers“ rechnest du nämlich nicht, geschweige, dass du den Begriff Nazifeme kanntest.

Es war nicht „nur“ dieser eine Fememord von Nazis*, der im südburgendländischen Rechnitz kurz nach der Befreiung durch die Rote Armee verübt wurde. Weiterlesen

Freier Mensch, erinnere dich – Die Retirada und die Shoa in Frankreich

Retirada-Monument in Argelès-sur-Mer: “Ihr Unglück: Sie kämpften, um die Demokratie und die Republik gegen den spanischen Faschismus zu verteidigen. Freier Mensch, erinnere dich.”

Retirada-Monument in Argelès-sur-Mer: “Ihr Unglück: Sie kämpften, um die Demokratie und die Republik gegen den spanischen Faschismus zu verteidigen. Freier Mensch, erinnere dich.”

Die französischen Internierungslager im Südwesten von 1939 bis 1944

„Unsere Leute sind sehr unglücklich, weil ich wieder einmal am Ende meiner Hilfsmöglichkeiten bin.“ Friedel Bohny-Reiter, die als Krankenschwester für die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder (SAK) im französischen Internierungslager Rivesaltes im Einsatz ist, wird kurz vor der Schließung des Lagers Ende 1942 diesen deprimierenden Tagebucheintrag machen. In Ihrem „Journal de Rivesaltes“ schreibt sie viel über das tägliche Elend und die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit und Entmutigung. Als die SS im Camp eingetroffen war, um die Zahl der Jüd_innen zu ermitteln, die deportiert werden könnten, vermerkt sie unaufgeregt: „Heute kamen schwarze Wägen ins Lager – Deutsche Kommission.“
Vielleicht war sie bloß vorsichtig in ihrer Wortwahl. Vielleicht war ihr auch schon zu Ohren gekommen, dass der neue Chef der SAK, die in der Schweizer Rotes Kreuz Kinderhilfe aufging, ein „Mann mit antisemitschen Gefühlen“ war, so beschreibt Eveline Hasler Oberst Hugo Remund in ihrem halbdokumentarischen Roman Mit dem letzten Schiff.

Aber hin und wieder wird Friedel Bohny-Reiter wütend, wenn sie zum Beispiel schreibt: „Manchmal überkommt mich eine ohnmächtige Wut auf die, die dieses Elend herbeigeführt hatten.“  Explizit politisch wird sie selten: „Wer gibt Menschen das Recht, über andere zu verfügen? Über die, die anders, vertrieben, ohne Papiere sind?“
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Portbou – Passatges

Blick auf den Friedhof von Portbou und das Memorial Walter Benjamin

Blick auf den Friedhof von Portbou und das Memorial Walter Benjamin

„Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten: Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.“
Walter Benjamin

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