Die Wienwoche und ihre Plastikkathedrale

morgen mach ich blau

morgen mach ich blau…

Also machte ich mich auf die Suche. Doch wo beginnen? Gefühlt begegnet mir dieses Graffiti an jeder Ecke, an jedem Tag. Gefühlt war ich mir auch sicher, jede Wette, dass ich dieses Graffiti schon mal fotografiert hätte. Ein Irrtum. Ich entscheide mich, meine Spurensuche im Umkreis von U-Bahnstationen zu starten. Keine schlechte Wahl, wäre da nicht die auch in Wien überhandnehmende Vandalisierung des öffentlichen Raums durch Immobilienbesitzer_innen. Wienwoche, du machst mir mein Leben nicht einfach.

„’Heute mach ich blau‘ – [ist] keine Aufforderung, am nächsten Tag einfach nicht zu arbeiten, sondern eine politische Forderung nach einer anderen Gesellschaft“, sagte Ivana Marjanovic, Mitglied der künstlerischen Leitung der Wienwoche, letzten Mittwoch in einer Pressekonferenz. Die Wienwoche, diesjähriges Motto Dolce far niente sei von diesem Graffiti inspiert worden berichtet der staatliche Rundfunk ORF.
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Safe City – Krieg in der Stadt

Stephen Graham - Cities Under Siege

Stephen Graham – Cities Under Siege

Spätestens seit der Ermordung von Mike Brown durch einen weißen Polizisten* in Ferguson und den nachfolgenden Protesten bekamen uninteressierte Europäer_innen Bilder einer hochmilitarisierten Polizei zu sehen. Die Unterschiede zwischen SWAT-Polizeitruppen und privaten und staatlichen Soldat_innen im Nahen Osten sind für militaristisch Bildungsferne nicht auszumachen.

Futuristische Robocops gingen mit ungezügelter Gewalt gegen spanische Indignados und gegen Protestler* bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien vor. Europäische Battle Groups üben nicht den Stellungskrieg, sondern den Häuserkampf. Der strategische Umbau des Militärs zu einer Riot Control-Einheit, ausgerüstet mit schnellen Radpanzern, fand nicht nur in den USA, sondern auch in der EU statt. Passend dazu wird auch die Gesetzeslage verändert. Die deutsche Armee darf inzwischen in besonderen Fällen auch im Inneren eingesetzt werden. Die Zukunft der Schweizer Armee wird als „Polizist mit Sturmgewehr“ gesehen. Gemeint ist doch eher „Polizei mit Schallkanone“; dieser Begriff erscheint heute dem Mainstream doch noch ein wenig zu abstrakt.

Diese Uniformität im Äußeren ist kein Zufall, da das Pentagon „ausrangierte“ Kriegsmaterialien im Wert von 34 Milliarden Dollar der US-Polizei überließ. Wir und sie wissen um das Schicksal von Rodney King.

Die Kriegserfahrungen und die erlebte Kriegsästhetik wirken stark in das zivile Leben  der Vereinigten Staaten. Der ausgerufene Krieg gegen Terror machte die Prärie zum Kampfplatz. Plötzlich gab es nicht nur den äußeren, sondern auch den inneren Feind.

Der Geograph Stephen Graham greift in seinem Buch Cities Under Siege, The New Military Urbanism, auch diesen Topic auf. Weiterlesen