Über das Recht von Menschen, Antworten in Büchern zu finden

Refugee Protest gegen Deportationen vor der Zentrale der Volkspartei in Wien

Refugee Protest gegen Deportationen vor der Zentrale der Volkspartei in Wien

Solidarität muss Praxis werden – Spenden für Refugees

Die Wiener Refugees brauchen dringend Unterstützung – bei Diskussionen am Arbeitsplatz, bei Gesprächen in der Mensa, auf Demos, bei Online-Petitionen und vor allem Geldspenden, um die Kosten für den Kampf gegen die staatlichen Deportationsversuche tragen zu können.

Es gibt auch Beispiele von Kommunen mit widerständigen Zugängen. Zugänge, die nicht einengen, sondern soziale Handlungsspielräume öffnen. Am Anfang steht die Idee einer solidarischen Praxis.


Es sind Orte, gelegen an der europäischen Peripherie, die aber im Zentrum interkontinentaler Wanderungsbewegungen und humaner Katastrophen stehen. Das in Kalabrien gelegene Riace zum Beispiel, in dem die Antithese zur Festung Europa gelebt wird. Oder Lampedusa, wo die Bevölkerung, allen voran die Bürgermeisterin Giusi Nicolini, ihre Vorstellungen einer anderen, besseren Welt leben und umzusetzen versuchen – Solidarität muss Praxis werden.

In einem Brief an Der Freitag beklagte sich Giusi Nicolini bitter über die europäische Migrationspolitik, die de facto eine Politik der geheimpolizeilichen und militärischen Flüchtlingsabwehr darstellt. In Nicolinis Augen sind nicht die Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben das Problem, ihre Last besteht darin, tagtäglich vorwiegend junge Ertrunkene aufzufinden:

Wir hatten keine Gräber mehr zur Verfügung. Wir werden neue schaffen, aber jetzt frage ich: Wie groß muss der Friedhof auf meiner Insel noch werden? Ich bin über die Gleichgültigkeit entrüstet, die alle angesteckt zu haben scheint; mich regt das Schweigen von Europa auf, das gerade den Friedensnobelpreis erhalten hat, und nichts sagt, obwohl es hier ein Massaker gibt, bei dem Menschen sterben, als sei es ein Krieg.
(Giusi Nicolini, freitag.de)

Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass seit 1993 an die 40.000 Menschen in Folge des europäischen Grenzregimes ihr Leben verloren.

Der Aktivismus von Giusi Nicolini darf, nein muss bewundert werden. Ihr neues Projekt ist die Einrichtung einer öffentlichen Bibliothek:

Lampedusa verfügt über keine Bibliothek, nicht einmal einen Buchladen gibt es hier, könnten Sie in einer Stadt leben in der man* keine Bücher kaufen kann? Ich kann das nicht glauben. Also, wenn Sie Bücher, egal welcher Art haben, die Sie nie lesen werden, die Sie schon gelesen haben oder die Sie einfach los werden, geben sie Sie unserer Initiative.

Bürgermeisterin Nicolini und die Projektmanagerin Deborah Soria haben die Bibliothek der „Bücher ohne Worte“ gut überlegt. Gemeinsam mit IBBY Italien, dem gemeinnützigen Internationalen Kuratorium für das Jugendbuch, wurde das Projekt „Bücher ohne Worte“ gestartet. Damit soll jungen Menschen der Zugang zur spannenden Welt der Bücher geboten werden, aber nicht nur:

Eine Bibliothek ist nicht bloss ein Depot für Bücher, eine Bibliothek ist ein Ort, an dem Bücher zwischenmenschliche Beziehungen entstehen lassen, wo das gegenseitige Verständnis vertieft wird und wo gemeinsam eine Brücke gebaut werden kann, die uns alle trägt.
Es ist nicht in Ordnung, wenn junge Menschen aufwachsen, ohne Antworten in Büchern finden zu können.
Deborah Soria

Spendenmöglichkeiten:

Buchspenden an

Giusy Nicolini
Biblioteca Ibby Via Cameroni
92010 Lampedusa, Italia

Geldspenden für die Wiener Refugees:
Wir bitten Sie dringend um finanzielle Unterstützung! Geben Sie bitte an, welche der folgenden dringenden Ausgaben Sie übernehmen können:
Anwaltliche Kosten der Personen mit negativen Asylbescheiden
Verwaltungsgebühren für unverschuldete Fristversäumnisse und Repression wegen Demoteilnahme und menschenrechtspolitischer Arbeit
Finanziellen Unterstützung derjenigen, die nach wie vor keine Grundversorgung für Essen und den täglichen Bedarf erhalten
Notfälle und medizinische Versorgung, auch Krisenintervention und psychologische Betreuung bei Traumatisierung
Plakate, Flyer und Transparente, Presseaussendungen, Transportkosten, Internet und Telefonie für ständige Veranstaltungen des Refugee Protests Vienna

Spendenkonto:
Verein FACETTEN,
PSK-Konto: 10110146260
BLZ: 60000.
BIC:OPSKATWW.
IBAN:AT146000010110146260.

http://refugeecampvienna.noblogs.org/post/2013/08/03/spendenaufruf-die-refugee-protest-bewegung-vienna-braucht-ihre-eure-unterstutzung/

 

VIELEN LIEBEN DANK!
Links:
Bericht Livres sans Mot auf mediapart.fr (französisch): http://blogs.mediapart.fr/edition/immigration-un-autre-regard/article/110813/livres-sans-mots-direction-lampedusa
Gespräch mit Deborah Soria:
(italienisch): http://www.chronicalibri.it/2013/08/lampedusa-e-la-sua-prima-biblioteca-chronicalibri-intervista-deborah-soria/