Roma-Geschichten erzählen

Respekt und gleiche Rechte für Roma und Sinti, Roma Pride 2013 in Wien

Respekt und gleiche Rechte für Roma und Sinti, Roma Pride 2013 in Wien

Wer erfolgreiches Marketing betreiben möchte, kann an Hand der gegenwärtigen Roma-Geschichten nur lernen.
Zu einer „soziale Randgruppe“, einer „ethnischen Minorität“ oder der Gruppe von Menschen mit „Migrationshintergrund“ werden Roma und Sinti gemeinhin zugerechnet. Diese Zuschreibungen erfolgen von Menschen, die eher nicht den gemeinen Menschen zuzuordnen sind. Dieser kleinen und medial wenig einflussreichen Gruppe von Roma und Sinti in Europa gelang es in den letzten Tagen auf spektakuläre Weise, in die weltweiten „Top-Themen“ des Tages zu kommen.

Über Roma-Mädchen und Roma-Mädchen.

Anne Roth auf twitter.com:

 

Schauspiel, nicht Routine

Eine 15-jährige junge Frau befindet sich mit ihrer Klasse auf Schulausflug. Plötzlich stehen Leute da, behaupten sie seien Behörden, Polizei, zeigen gefälschte Ausweise den verängstigten Menschen und entführen das Mädchen. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass die Entführung tatsächlich von Organen der Republik Frankreich durchgeführt wurde.

Dieser Vorfall fügt sich nahtlos in die antiromaistische, von Rassismus durchzogenen Politik, die vom französischen Innenminister Manuel Valls aggressiv verfolgt wird.

Routinekontrolle

Die Routine beschreibt verpflichtete und regelmäßig wiederkehrende Tätigkeiten, die wegen ihrer Verpflichtung und der Eintönigkeit einer immer wieder wiederholten Handlung im allgemeinen nicht sehr beliebt sind.

Neben spektakulären Einsätzen wie Verfolgungsjagd und Festnahmen in Flur und Wald, haben Polizeikräfte auch tagtägliche und beinharte Knochenarbeit zu leisten. Verkehrskontrollen in Vierteln mit unterdurchschnittlichen Einkommen, Ausweiskontrollen an U-Bahnen-Stationen, die vorwiegend von Menschen mit geringer Kaufkraft frequentiert werden oder wieder einmal das Entfernen von Plakaten mit rassistischen Inhalten in der City.

Bei einer Routinekontrolle in einem Roma-Slum im griechischen Larissa wurde von der griechischen Polizei ein Roma-Mädchen entdeckt. Weil das vierjährige Roma-Kind aus dem Roma-Camp im Gesicht bleich war und die Haarfarbe gelb, schöpften die Polizeibeamten sofort Verdacht: Identitätsbetrug. Auf Grund der Unbescholtenheit und der Jugendlichkeit der Beschuldigten schenkten die Polizisten dem Roma-Mädchen schließlich Glauben und befragten die Roma-Eltern.
Die Roma-Eltern, selbst unauffällig in ihrer Haut- und Haarfarbe, verstrickten sich alsbald in Widersprüche.

Bis jetzt alles Routine.

Doch die griechische Polizei glaubt seit der Morgendämmerung nicht mehr daran, dass der Storch die Roma-Kinder bringt. Die letzten Drachmen aus dem Staatsmuseum geplündert und schnell einen sündteuren DNA-Test eingekauft.

Bingo, Xenios Zeus!

Erbgutforscher_innen der griechischen Polizei, die sich seit der Morgendämmerung kein X für ein Y vormachen lassen, haben nach dem, was so ein DNA-Test an wissenschaftlicher Sicherheit hergibt, ein Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit: Das Roma-Mädchen wurde nicht von seinen Roma-Eltern gezeugt.
Das blonde Mädchen sucht nun weltweit und verzweifelt nach seinen leiblichen Roma-Eltern.

Es braucht kein PR-Budget, damit das globale Medien-Oligopol solche Roma-Geschichten erzählt. Roma-Geschichten, die in der langen und skrupellosen Tradition weißgewaschener Herrschaftsansprüche stehen.

Das ist nicht Geschichtsblindheit.

Geschichtsblind ist es, diese Roma- und andere Geschichten nicht zu lesen, ihre Wirkungen und Resonanzen nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen.
Wenn Regierungen sich an dich wenden und sinngemäß schreiben „Verpiss dich, du hast hier nichts zu suchen!“, kann genau was als Steigerung der Eskalationsspirale erwartet werden?