Die Kraft des Lachens

"Es wäre keine gute Revolution, wenn die Sache keinen Spass macht."

"Es wäre keine gute Revolution, wenn die Sache keinen Spass macht."

Cork – The Rebel City steht auf jeder Publikation der lokalen Tourismuswerbung und stellt damit stolz einen Bezug zur der Tradition des Widerstands in der zweitgrößten irischen Stadt her.

Corrie entschloss sich im Dezember, Teil der Occupy Cork-Bewegung zu sein. Nach der großen Wir-sind-die-99-Prozent-Demo in Cork. Es ist richtig hier zu sein, sie fühlte sich vom Occupy Movement seit Beginn magisch angezogen, sagt die Frau Anfang vierzig. Das Zusammenleben und Zusammenkämpfen ist nicht gerade unkompliziert, weil sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Ansichten hier sind. Manche brauchen auch einfach nur einen Platz zum Schlafen, andere sind hier, weil sie einsam sind und Leute zum Quatschen suchen. Aber alle sind hier, weil sie eine gemeinsame Überzeugung haben: Es muss eine grundlegende Änderung der Gesellschaft herbei geführt werden.

Occupy - Der Rettungsreifen für Cork

Occupy - Der Rettungsreifen für Cork

Jan, der sich selbst als Clown bezeichnet, pflichtet Corrie bei und ergänzt: „Wir wollen nichts zerstören, wir wollen nichts erschaffen. Wir wollen nur die Veränderung.“ Und Jan wäre ein miserabler Clown, wenn er nicht darauf hinweist, dass es keinen Sinn macht, nur über das große Unglück zu reden. Das wichtigste im Leben ist doch die Kraft des Lachens, sagt Jan und lacht laut aus sich heraus. Ein ehrliches Lachen.

Im Stehen wird es langsam kalt und wir wechseln in das große Zelt, trinken Tee, bekommen Essen angeboten. Es ist alles im Überfluss da, sagen die Occupy-Aktivist_innen. Die Bereitschaft der Corker_innen zu spenden ist riesengroß. Die Unterstützung kommt aus allen Teilen der Gesellschaft, sogar die Polizei hilft. Zum Beispiel, wenn es wieder einmal Probleme mit Sturzbetrunkenen gibt.

Noch gibt es in Cork City den Glauben an sich selbst, an die eigene Kraft und Möglichkeit. Wie auch der Kampf der auf die Straße gesetzten Vita Cortex-Arbeiter_innen beweist.

Trotzdem, und hier stimmen ausnahmsweise alle überein, ist die große Gefahr, dass sich die europäische Geschichte wiederholt. Der Glaube an den starken Mann, der alle Probleme lösen kann und tatsächlich nur Krieg über Europa bringt.

Dass sich hier etwas Bösartiges zusammenbraut, sehen nicht nur die Corker Occupy-Aktivist_innen. Kaum eine Buchhandelskette in Irland, die nicht auf Umsätze mit den geistig umnachteten Ausgüssen Hitlers spekuliert.

occupy cork

Occupy Cork Transparent

Kann Occupy Cork eine linke Alternative anbieten, versteht sich Occupy Cork als antikapitalistisch? Fragende Gesichter. Wir begründen unsere Frage und erzählen von unseren Gesprächen mit den Leuten aus der Dame Street. „Definitiv“, schießt es aus Jan heraus. „Wir sind in einer Krise des kapitalistischen Systems, das Geld aus dem Nichts erschafft, um es sich in die eigene Tasche zu stopfen. Der Kapitalismus ist der Systemfehler, und das erkennen immer mehr.“

Und der Weg in eine solidarische Welt, wie sieht der aus? Nicht auf die Führer_innen hören, sich eine eigene Meinung bilden. Man darf nie damit aufhören, sich eine eigene Meinung zu leisten.

Am Abend im Pub finde ich durch puren Zufall in meiner Tasche ein musikalisches 2 Euro-Stück.

You say you want a revolution
Well, you know
We all want to change the world

tönt es aus der Compact Disc-Juke Box.

Auf einmal auch von hinten, der linken und der rechten Seite – plötzlich bin ich in einem vielstimmigen Singing Pub.

Cork – The Real Rebel Capital.

Links:
https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork
https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex