Tansania wird strahlen

Tansanien macht Ernst mit dem Einstieg in den Uranabbau. Dafür muss aber das Unesco-Weltkulturerbe Selous verkleinert werden.

Elefanten am Rufiji, Tansania, Quelle: wikipedia.org

Elefanten am Rufiji, Tansania, Quelle: wikipedia.org

 Diese Absichten bestätigte der zuständige Minister für Bergbau Nakata Maige im Interview der BBC.
Das ist weniger tragisch als es sich anhört, vertraut man den Aussagen des Ministers Maige. Das Wildreservat Selous verringert sich um weniger als ein Prozent seiner Fläche von 50.000 Quadratkilometern. Die durch den Abbau des strahlenden Gesteins entstehende Strahlung sei nicht höher als jetzt schon. Gefahr für Menschen, Tiere und Gewässer bestehe keine. Überdies erfolge die Verarbeitung des uranhältigen Erzes nicht an Ort und Stelle.

Ein Geschenk

Das Wildreservat Selous ist eines der letzten vom Menschen weitgehend unberührten Gebiete. So ist der Zutritt nur mit Einschränkungen gestattet. Ständige Siedlungen sind so gut wie keine vorhanden. Der Touristenstrom hält sich mit 8.000 Besucher_innen im Jahr in bescheidenen Grenzen. Und das obwohl des Weltkulturerbe mit einigen Besonderheiten aufwarten kann. Im Wildreservat befindet sich hier das letzte Refugium des afrikanischen Wildhunds und geschätzte 40.000 Elefanten leben in der Savanne.

Doch das Schutzgebiet ist kein Geschenk der tansanischen Regierung an die Natur und die Unesco. Die Regierung verlangt von der Gebietsverwaltung Gewinne, die beinahe zur Gänze durch die Vergabe von Lizenzen für die Großwildjagd erwirtschaftet werden.

Und auch bei der Vergabe der Urangewinnung wird genau auf die Einnahmen geachtet. 5 Millionen Dollar jährlich will sich die tansanische Regierung von den Bergbaukonzernen zahlen lassen. 1.600 Arbeitsplätze sollen entstehen. Im Gegenzug könnten durch den Abbau 200 Millionen Dollar im Jahr von den Firmen eingestreift werden. Ein gutes Geschäft für das Land, das in den letzten Jahren zum drittgrößten Goldproduzenten Afrikas aufstieg.

Kein Geschenk

Und trotzdem leben mehr als die Hälfte der Tansanier_innen unter der Armutsgrenze. Eine 2008 präsentierte Studie belegte das Offensichtliche: Die Bevölkerung profitiert in keiner Weise von den natürlichen Ressourcen. Errechnete zehn Prozent des Gewinns verbleiben der Studie zu Folge im Land.

Und jetzt steigt die tansanische Regierung in die Uranerzgewinnung ein – mit bekannten Folgen für die Umwelt. In der Trockenzeit verbläst der Wind die strahlenden Abraumhalden. In der Regenzeit werden sie ausgelaugt und vergiften Flüsse und Seen mit den radioaktiven Zerfallsprodukten und Bergbauchemikalien. Zudem ist Uran chemisch hoch toxisch. Krankheit und Tod für einige Arbeitsplätze in der Bergbauindustrie? Die Nichtregierungsorganisation FEMAPO (Foundation for Environmental Management and Campaign against Poverty) mit Sitz in Dar es Salam befürchtet neben den langfristigen Umweltfolgen die Zerstörung der regionalen Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen der bäuerlichen Bevölkerung.

Dabei müsste die tansanische Regierung nur nach Niger blicken, um die Folgen dieses riskanten Vorhabens abschätzen zu können. Wie es zum Beispiel auch die Bürger_innen Tansanias tun. Im Forum www.jamiiforums.com schreibt User_in Fish: Niger fördert Uran seit Jahrzehnten und ist eines der ärmsten Länder Afrikas“, macht er seinem Unmut in dem Internetforum Luft. Und User_in Ab-Titchaz bemüht ein John F. Kennedy zugeschriebenes Zitat: „Belief in Myths allows the Comfort of opinion without the discomfort of thought.“

Francis A. Boyle, Professor für Internationales Recht an der University of Illinois, fasst gegenüber CNN den atomar-industriellen Komplex drastisch zusammen: „Die gesamte Atomkraftindustrie konstituiert ein kontinuierliches Verbrechen gegen die Menschheit und einen Komplott Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen.“

Links:
http://www.uranium-network.org/ Situation in Tansanien, deutsch
http://www.strahlentelex.de/Stx_09_530_S09-10.pdf lädt pdf, Situation in Tansanien, deutsch
https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Selous Weltkulturerbe Selous, Fotocredit für Elefanten am Rufiji

http://londonminingnetwork.org/2010/05/african-uranium-alliance-statement/ englisch

http://www.thecitizen.co.tz englischsprachige tansanische Zeitung