Wildnisgebiet Schweiz

Die Schweiz hat wieder einmal abgestimmt. Über den langsamen Weg in die Wildnisgebiete unserer Zivilisation.
Der Langsamkeit der Schweizer_innen wird Beine gemacht, wenn Hassprediger_innen zur Abstimmungsinitiative rufen. Beinahe 53 Prozent der Berechtigten liefen zu den Urnen, um ihre tadeligen Nachbar_innen mit dem falschen Pass unter schlechten Umständen auch in die Urne zu bringen.
Wer mit dem Schweizer Gesetz in Konflikt gerät, wird nun vollständig automatisiert aus dem Land geworfen, wo in den Bächen heiße Schokolade fließt und auf den Bäumen Käse wächst. Der Appenzeller stinkt aber langsam zum Himmel.

Die Immunität des Denkens ist nämlich zwischen Boden- und Genfersee stark angegriffen.

So schreibt auf der Online-Plattform der Basler-Zeitung www.baz.ch eine Posterin: „ich glaube, eine mehrheit der ausländischen mitbürger befürwortet diesen ausgang, wir alle wollen sicherheit für unsere kinder und für uns. wer nur kommt um verbrechen zu begehen, soll nicht bleiben können.“ Eine andere postet: „Es geht lediglich um die Ausschaffung krimineller Ausländer.“

Ein Land mit weißer Weste

Im Jahre 1906 erließ die Schweiz ein Einreiseverbot für „ausländische“ Sinti und Roma. Schweizstämmige Roma, Sinti und Mitglieder der Jenischen Gruppe wurden zwangssesshaft gemacht. Ab 1913 wurden sie in Internierungslager gesperrt. Die Schweiz initiierte auch auf internationaler Ebene eine Zusammenarbeit, die eine polizeiliche Datenbank zum Ziel und sinnigerweise in Wien ihren Sitz hatte. Selbst als die Nationalsozialist_innen die Kontrolle über die Datensammlung übernahmen, stellte die Schweiz die Zusammenarbeit nicht ein. Erst siebzig Jahre später wurde das allgemeine Einreiseverbot aufgehoben. (Quelle: World Socialist Web Site)
Die geschlossenen Grenzen der Festung Schweiz lieferten Roma, Sinti, aber auch abgewiesene Jüdinnen und Juden der nationalsozialistischen Todesmaschinerie aus.

Damit haben Teile der Schweiz bis heute kein Problem. Immerhin wurde bereits damals mit pseudo-wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen, dass Roma und Sinti genetisch kriminell disponiert seien.

Blutgeld

Geringere Probleme beim Grenzübertritt hatte geraubtes jüdisches Vermögen.

Der Umgang mit rechtlich ungeklärten Vermögenswerten hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. So erklärte zur Steueraffäre Anfang des Jahres ein Schweizer Bankenvertreter: „Wir bauen unser Geschäftsmodell nicht auf steuerlichen Aspekten auf. Wenn ein Neukunde oder ein bestehender Kunde dem Bankberater sagt, er habe Schwarzgeld, dann rät der Bankberater dem Kunden, eine unabhängige Steuerberatung einzuholen.“

Ein kleines Land wie die Schweiz will keine andere Wahl.

„Unser einziger Rohstoff ist das fremde Geld. Es kommt als Mafiakapital aus dem Osten, als Blutgeld aus der südlichen Welt – und es sind die Steuerfluchtmilliarden aus den umliegenden Demokratien. Allein aus Deutschland gibt es viele hundert Milliarden Euro Schwarzgeld. Ein Drittel aller Offshore-Vermögen der Welt werden in der Schweiz verwaltet“, konstatiert Jean Ziegler im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Mobutu (Kongo-Zaire), Sani Abacha (Nigeria), Ferdinand Marcos (Philippinen), Jean-Claude Duvalier (Haiti) namedropped der Schweizer Boulevard blutrünstige Diktatoren, deren kriminellen Vermögen gerne Schutz und Hilfe und sogar etwas Zinsen gewährt wurden. (Quelle: http://www.blick.ch/news/schweiz/politik/bundesrat-will-geld-an-volk-zurueckgeben-156452)

„an ansehen werden wir nicht verlieren, im gegenteil“, glaubt die Posterin auf www.baz.ch.

Ob auf dem langsamenen Weg in die Wildnisgebiete unserer Zivilisation sich das Gegenteil erweist, werden kommende Generationen beurteilen.

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Unabhängige
Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg
. Der sogenannte Bergier-Bericht umfasst die historische und rechtliche Aufarbeitung der während des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz gelangten Vermögenswerte durch eine internationale Historikerkommission.