Über die Tiere

Meine Begegnung mit Tieren ist eine zutiefst menschliche. Wahrscheinlich deshalb bin ich strikt gegen Tierdiebstahl.

Letzte Nacht ereignete sich Dramatisches.Meine Hausspinne tötete dieses Moskitovieh. Es muss an der globalen Erwärmung liegen, ein Moskitovieh am 1. Mai in der überheizten Behausung zu haben. Jedenfalls hängt dieses arme Tier wie ein abgestürzter Paraglider in den Zirbenwipfeln an ein paar Spinnfäden unterhalb des Fensterbretts.

Da ich weder Spinnenflüsterer_in noch ein_e Moskitoversteher_in bin, bleibt die trostlose Unklarheit, ob die Spinne mehr der Cop und der Moskito mehr der wütende Demonstrant an diesem proletarischen Feiertag der sozialen Unruhe ist oder umgekehrt. Weil diese nächtlich herumsurrende Lästwanze am Ende des Tages sein Leben aushauchte, tendiere ich, je länger meine Gedanken – einer Motte um die Glühbirne gleich – um diesen gewalttätigen Vorfall kreisen, dazu, dass dieser Blutsauger in seinem früheren Leben ein Wolf gewesen sein muss, der unzählige griechische Schafe gerissen, und sich mit diesem stilvollen Heldentod im Nirwana-Ranking ein Stück weit vorgearbeitet hat. Oder ein blutrauschiger Bienenwolf, der ein ganzes Bienenvolk in die CCD getrieben hat. Vielleicht eine dieser Varroa-Milben, die diesen emsigen Sammler_innen tief im Chitinpelz sitzen? Aber es könnte auch wer anders gewesen sein.

 

Tiersystemfremde zum Beispiel.

Als Täter_innen kommen auch genmanipulierte Kulturflanzen, deren Blütenpollen diesen

Biene

Biene

braven Insekten den Darm zugestopft haben, in Frage, oder sind es etwa diese bösen Gifte, mit denen diese Pflanzen eingewickelt werden, damit diese nicht völlig unnützen Tieren gratis zum Fraß vorgeworfen werden?

Diese CCD-Bienen stecken wie der Strauß den Kopf in den Sand und tun so, als ob nichts wäre. Außer ihrer Bienenanführerin und ein paar jungen Unerfahrenen sind alle schon abgehauen, haben zur Tarnung ihre Honig- und Pollenersparnisse liegen und stehen gelassen – und tschüss!

So muss es sein. Denn dass kontinentweit all diese Arbeiter_innenbienen gestohlen wurden, wie der alte Emu von Alt Krützow, würde eine organisierte Tierdiebtruppe erfordern. Aber bitteschön, noch ist nicht überall Pritzwalk! Die Wiedereinführung der Hundefänger_innenzeiten sollen sie erst einmal am Peloponnes abfeiern.

 

Gemüsemarkt auf Kreta

Gemüsemarkt auf Kreta

Über das künftige Wohlergehen der Drohnen schweigen sich wieder einmal alle aus. Nur Poster_in paedant spekuliert über deren mögliche Perspektive: „Vielleicht werden alle Aktionär_innen der Unternehmen, die diese Pestizide produzieren, nach dem Dahinscheiden der Bienen einer manuellen Bestäubung der Pflanzen zustimmen? They can only be drones for so long, can’t they?““