Links, neben Gott

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Der Feudalismus kehrt zurück. Dabei ist auch hilfreich, dass nur mehr
Milliardär_innen Chancen auf höchste politische Ämter haben.


Der Feudalismus kehrt zurück, wenn zum Beispiel die 3 Reichsten so viel besitzen wie die Hälfte der Steuerpflichtigen, oder die 10 Reichsten so viel wie zwei Drittel, oder das Vermögen der hundert Reichsten so hoch wie das von drei Vierteln der steuerpflichtigen Bevölkerung. Wer nun an Namibia oder vielleicht an Brasilien denkt, liegt so was von daneben. Diese Zahlen errechnete der Statistiker Hans Kissling für den Kanton Zürich in der Schweiz. Und die Schweiz selbst? Den reichsten zehn Prozent gehört 71 Prozent der Vermögen. (Quelle: WOZ, Nr. 47)

Die Schweiz lebt vor: Eine feudale Welt ist wieder möglich.

Wenn extrem asymmetrische  Vermögens- und Einkommensverteilung, räumliche und soziale Abschottung der Reichen von Kindesbeinen bis zur Senior_innen-Residenz, Verwandtenbegünstigung oder der Ausschluss ökonomisch Benachteiligter aus allen Lebensbereichen (Stichwort: Jugendarbeitslosigkeit, in Lettland oder Spanien derzeit über 40 Prozent) kurz: das Leben in einer Parallelgesellschaft durchgesetzt werden.

Es ist dieselbe Schweiz in der letztes Wochenende eine der absurdesten fremdenfeindlichen Abstimmungen seit der Entdeckung der Aufklärung statt gefunden hat.

Die Überwindung des Kapitalismus

«Die Ausschaffungsinitiative nährt Angst und Wut mit dem Ziel der Entsolidarisierung», stellte die sozialdemokratische Schweizer Nationalrätin Jaqueline Fehr im Gespräch mit der WOZ (Nr. 42) fest. Ihre Partei, die SP, diskutierte diesen Herbst ihr neues Programm: Soll die Überwindung des Kapitalismus, wie nicht wenige Genoss_innen vorschlugen, ins Programm der Partei aufgenommen werden oder sollte man sich diesem Thema vorsichtiger annähern, Stichwort „Wirtschaftsdemokratie“?

Dass die soziale Verwaltung des Kapitalismus gescheitert ist, können am besten die beurteilen, die wieder unter der Herrschaft der Neo-Feudalen gelandet sind.

Helfershelfer des Kapitals

«Mir wurde nach langem Nachdenken klar, dass die Integrationsdebatte ein Ablenkungsdrama ist, das mit gut verteilten Rollen aufgeführt wird. Ablenkung davon, dass es längst um die Frage der Verteilung geht. Auch die Hetzer in der Ausländerdebatte sind Helfershelfer des Kapitals. Im Kern der Debatte geht es um den Weg, die Leute möglichst klein zu kriegen, damit möglichst wenige möglichst viel haben, und möglichst viele möglichst wenig. Indem man die Gesellschaft noch einmal auseinanderdividiert, lenkt man sie ab. Man gibt ihr die Ausländer als Feinde, sie verbeißen sich daran – und merken gar nicht, dass ein Dritter dazu lacht.» «Sie werden wirklich immer linker.» Renate Graber im Gespräch mit Pfarrer Helmut Schüller, Der Standard 4./5. Dezember.

Der Pfarrer hat einen Platz gleich neben Gott verdient. Links neben Gott.

 

Links:

Die Wochenzeitung www.woz.ch

Tipp:

Aratnam, Ganga Jey /Mäder, Ueli /Schilliger, Sarah: Wie Reiche denken und lenken, Reichtum in der Schweiz. Rotpunkt Verlag.