Kooperative Kicker

Bei Manchester United wird verstärkt über die Flanken gespielt. Der Investor und Noch-Eigentümer Malcolm Glazer gerät zunehmend in die Defensive.

Der Schuldenberg des britischen Traditionsklubs erreicht mit rund 800 Millionen Euro Dimensionen einer griechischen Tragödie. Nachdem Malcolm Glazer Schritt für Schritt die Aktienmehrheit mit Unterstützung von Hedgefonds erwarb, wurde der Verein von der Börse genommen. Die aufgelaufenen Schulden für den Erwerb hängte der neue Eigentümer wenigstens teilweise  oder zur Gänze den Roten um. Im Jänner begab er Anleihen in der Höhe von £ 500 Millionen, um die Schulden bei mehreren internationalen Banken los zu werden.

Hernach wurde bekannt gegeben, dass sich der aktuelle Schuldenstand auf £ 716.5 Millionen erhöht hat. Um die Tilgung von jährlich 45 Millionen Pfund erfüllen zu können, werden die ManU-Fans herzhaft zur Kasse gebeten: Seit der Übernahme erhöhten sich die Eintrittspreise um satte 48 Prozent.

Die Geduld der Red Devils-Anhängerschaft scheint erschöpft zu sein. Wieder einmal wollen Investoren, die Red Knights, den Klub übernehmen, mit dem Versprechen weniger profitorientiert ausgerichtet zu sein. Aber es gibt noch viele andere InteressentInnen: Die britischen Fussballfans. Und weil die Kauflaune gerade passt, nehmen sie Liverpool gleich mit.

Die spinnen, die BritInnen?

"Für weniger als ein Premier League-Saison-Ticket erwerben die Fans das Miteigentum an den Klubs und unterstützen so langfristig die Interessen des Sports. So werden sie wirklich zum zwölften Spieler", sagt Ed Mayo, Generalsekretär von Co-operatives UK, dem zentralen Genossenschaftsverband im Vereinigten Königreich.

Die Einschätzung Ed Mayos entstammt keiner Realitätsferne. 83 Prozent der Manchester-Anhängerschaft, 72 Prozent der Liverpool-Fans und landesweit immerhin 56 Prozent sind der Meinung, dass eine genossenschaftlich organisierte Verwaltung die Vereine in bessere Hände geben würde. Für Dave Boyle, Geschäftsführer von Supporters Direct, einer Dachorganisation, zuständig für die demokratische Kontrolle in britischen Fussballklubs, ist die Sache klar: "Die Wahl ist einfach, entweder die Schulden für einen anderen begleichen oder gleich den Verein erwerben. Die Übernahme durch die Fans kann höchstens durch den Glauben verhindert werden, dass die Klubs zu groß sind, um zu britischen Barcelonas zu mutieren."

Ed Mayo hat eine noch unglaublichere Vision: "Das Ideal des Genossenschaftswesens kann die heftige Rivalität zwischen Manchester und Liverpool überbrücken. Ich freue mich auf die Gesänge: You are ours and you know you are."

Links:

http://www.cooperatives-uk.coop/live/dynamic/News2ShowArticle.asp?article_id=6A4D7332-2F77-49DA-B7E9-B6B0F898CE19
http://en.wikipedia.org/wiki/Supporters_Direct
http://en.wikipedia.org/wiki/Malcolm_Glazer
http://de.wikipedia.org/wiki/Malcolm_Glazer
http://en.wikipedia.org/wiki/Manchester_United_F.C.
http://de.wikipedia.org/wiki/Manchester_United
http://derstandard.at/1267743433404/Manchester-United-Rote-Ritter-reiten-zur-Rettung
http://derstandard.at/1268700940109/Manchester-United-Stetig-steigt-der-Ticketpreis