Lost Railway in Venedig

Ich fahre leidenschaftlich gerne Bahn.
Ganz leicht nur neigt er sich in die Kurve. Ein Übersteuern? Vielleicht Einbildung. Mein linker Arm wird an die Lehne gepresst, wir machen Geschwindigkeit mit einzigartiger Leichtigkeit. Der Motor läuft kraftvoll und kultiviert, das Fahrwerk eine perfekte Harmonie von Vergnügen und Komfort. Seine Fahrt kennt kein Ende und kein Ziel. Adagio, andante, andantino, presto bitte! Jetzt braucht es Kraftwerk. Autobahn und Scheffenbichler. Vierter Gang, fünfter Gang, er hat leichtes Spiel. Im aufgeräumten Cockpit, mit keiner Spur von billigem Plastik, schweifen meine Augen. Wo ist das Audiogerät? Keine Tasten, Regler, Knöpfe auf der edelholzfurnierten Armatur. Gibt es in diesem Zug kein Autoradio?

Gebt mir ein Flötensolo. Dreißig augenblickliche Minuten. Querflöte. Hörst du mich, Gilles Peterson? Locomotive Breath. Ich brauche Luft, um zu fliegen. Schmerz
und Ratlosigkeit steigen bis zur Verwirrung. Schickt meine Koffer nach Como oder sonst wohin. Venedig liegt vor mir. Was schert es mich, diesen Palast durch den Hintereingang zu betreten. Ich zahle für Santa Lucia und nicht für Villach Hauptbahnhof!

Ich will Meer!

Verlassene Bahnstation in Tarvisio

Verlassene Bahnstation in Tarvisio

Dieser Tage wurden weitreichende Streichungen im Fahrplan der Österreichischen Bundesbahnen bekannt. Auch die direkte Verbindung Wien – Venedig, die kürzeste Verbindung zum Meer, fällt den Sparplänen der österreichischen Bundesbahn zum Opfer. Bei Bedarf wird die Strecke künftig mit einem Bus bedient.

Eiskaltes Wasser.