Zur Goldenen Kugel

Wir schreiben Jänner 2008. In Ghana kämpfen beim Africa Cup of Nations 16 Teams um die Kugel. Die Goldene Kugel ist aber ein traditionsreiches Hartwarengeschäft in der Wiedner Hauptstraße. Die Zweigstelle in der Ottakringer Straße schloss schon vor Jahren.

Afrikas Reichtum ist sein Reichtum.
Die industrialisierte Welt zeigt aber kaum Interesse am Reichtum an Sprachen, Musik und Traditionen. Afrikas Reichtum sichert unseren Wohlstand — und macht die Menschen des Kontinents arm.

Südafrika steht an erster Stelle in der Liste der goldproduzierenden Länder. Afrika ist der Welt größter Baumwollproduzent. 80 % der Vorräte an Coltan, ein für die Herstellung von Handys notwendiges Metall, liegt in Afrika. Versucht man die Hintergründe bewaffneter Konflikte, wie z.B. jenem in der Republik Kongo, zu verstehen, zeigt sich immer das gleiche Bild: Der Kampf um Teilhabe an den Gewinnen der produzierenden transnationalen Konzerne. „Vom Export der Rohstoffe profitierten kongolesische Politiker, Unternehmer, Militärs und Rebellenführer ebenso wie die Eliten der am Krieg beteiligten Nachbarstaaten. Es entstand ein Netzwerk von Kriegsprofiteuren, die nur ein geringes Interesse an einem Ende der Kämpfe haben“, zitieren Klaus Werner und Hans Weiss auf der Webseite: Markenfirmen.

Rangold Ressources, mit Sitz auf einer Steuer-Insel mitten in Europa, ist einer der Hauptaktionäre von Morila. Morila schürft in Mali Gold und exploriert nach eigenen Angaben eine der profitabelsten Goldminen der Welt. Der zweite Hauptaktionär ist AngloGold Ashanti, der drittgrößte Goldproduzent der Welt mit Sitz in Johannesburg, Südafrika. An beiden Unternehmen sind wiederum namhaftere Unternehmen beteiligt: Morgan Stanley, American Express, Lockheed Martin. (Quellen: Rangold Ressources, transnationale.org)

Mali ist weltweit der 12.größte Goldproduzent der Welt – und davon kann ausgegangen werden, nicht für den Eigenbedarf. Rangold Ressources hat nicht unwesentlich daran Anteil.

Rangold Ressources ist ein modernes Unternehmen. Auf seiner Webseite lobt man seine soziale Verantwortung, die Corporate Social Responsibility, und die Übereinstimmung mit internationalen Standards (International Council on Mining and Metals): Einbindung der lokalen Bevölkerung, Respektierung der Menschen- und Arbeitnehmerrechte und Rücksichtnahme auf die Umwelt.

Entsprechend dieser Unternehmenspolitik darf die lokale Gewerkschaftsführung an den Meetings des Managements teilnehmen, unterstützt die Arbeitskräfte bei der Organisation und treibt die Vereinbarung an einem Minenkollektivvertrag voran. Stolz verkündet man, dass die Belegschaft zu den Spitzenverdienern im Lande zählt.

Aber wie sehen das die ArbeiterInnen von Morila?

Im Juli 2005 streikten die Arbeiter der Goldmine von Morila in Südmali drei Tage lang. „Ganz konkret ging es dabei um Ausbezahlung ihnen zustehender Prämien und das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, das den Kollegen verweigert wird, vor allem indem der Sekretär des betrieblichen Gewerkschaftskomitees sich ständiger Entlassungsversuche erwehren muss. Bei Streikende wurden zunächst 17 Arbeiter entlassen, dann 311, und weil sich die Belegschaft weiter wehrte, stieg diese Zahl sukzessiv auf inzwischen 530 entlassene Bergarbeiter an – und 9 von ihnen wurden von der Polizei am 14. September 2005 ohne weitere Begründung festgenommen. Die französische Firmengruppe Bouygues, die hinter dem verschachtelten Unternehmenskomplex steht, hat sich bisher geweigert, Verhandlungen aufzunehmen – obwohl seit dem Sozialforum auch die französischen Gewerkschaften darauf drängen und eine Solidaritätskampagne organisiert haben“ , berichtet die Webseite labournet.
Nach dem Jahresbericht der Gewerkschaft ITUC CSI IBG wurden die Polizisten, die die Verhaftungen unter dem Vorwurf der Brandstiftung durchführten, von Morila bezahlt.

Die Kugel rollt. Nigeria gegen Mali brachte ein torloses Unentschieden und sichert Mali die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale.

Höher noch ist aber die Chance des französischen Präsidenten Sarkozy, seiner Atomlobby zum Sieg zu verhelfen. Demnächst in diesem Theater.