Von Barcelona nach Suez

Wussten Sie, dass im Pazifik zwischen Japan und Hawaii ein Plastikteppich schwimmt, der die doppelte Fläche der USA einnimmt? Und wussten Sie, dass Mexiko hinter Italien der zweitgrößte Verbraucher von Plastikflaschen ist?

In den USA und Kanada läuft zur Zeit eine differenzierte Debatte über die Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung. Erhofft werden niedrigere Preise und der Einkauf von Know-How. Befürchtet wird, dass nur mehr Reichen sauberes Trinkwasser geliefert wird, dass der Grundwasserschutz keine Rolle mehr spielt und ein Transfer von lokalem Vermögen zu transnationalen Konzernen stattfinden könnte. Gerade aus den USA kommt nun die Forderung einer UN-Charta auf ein Menschenrecht auf Trinkwasser.

Den Ursprung dieser Diskussion vermutet man in Europa. Europa habe eine lange

Straße in Raval, Barcelona

Straße in Raval, Barcelona

Tradition in privater Wasserver- und entsorgung (siehe Frankreich und Großbritanien). Spannender Aspekt: Gerade europäische Konzerne drängen auf den nordamerikanischen Kontinent: Vivendi (Veolia Environnement), Suez (Tochter: Ondeo) (beide Frankreich), Thames Water (mit Beteiligung des deutschen RWE-Konzerns), United Utilities (beide GB), Aguas de Barcelona (Grupo Agbar, Spanien, seit Jänner 2008 mehrheitlich von Suez übernommen). Quelle: http://www.pbs.org).

Vivendi und Suez versorgen weltweit rund 200 Mio. Menschen mit Trinkwasser. Rund die Hälfte davon in Europa. Attac Deutschland berichtet über die Vernetzung der politischen und wirtschaftlichen Akteure mit Suez.

Das Polar Institute befürchtet durch den Vertrag von Lissabon (Dezember 2008) unter dem Deckmantel „Mehr Wettbewerb“ eine vorangetriebene Privatisierung der öffentlichen Dienstleister. Und damit auch der meist lokalen und öffentlichen Wasserversorger.

Jan-Erik Gustaffson vom Königlichen Institut für Technologie verweist auf die Folgen der Privatisierung des größten schwedischen Wasserversorgers im Vorjahr, der Stockholm Water Company: massiver Stellenabbau, Kosteneinsparungen von 20% und damit befürchteter Einsparungen von Qualität und Leistungen. Die Liste schiefgelaufener Wasserprivatisierungen wird permanent länger und erste Reprivatisierungen finden statt.

Zuvor wurden die Tarife und Gewinne erhöht. Investitionen keine getätigt, wie Emanuele Lobina von der University of Greenwich berichtet.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich berechnete einen Anstieg der Wasser- und Abwasserpreise um real 46% und eine Steigerung der Gewinne (vor Steuern) um 147%.

Auch der von der Europäischen Kommission geforderte Wettbewerb geht an der Realität des Marktes völlig vorbei gehen: In Frankreich werden mehr als vier Fünftel des Marktes von drei Unternehmen beherrscht.

Filmtipp

Vom 6. bis 9. März finden in Wien im Schikaneder-Kino, in Gleisdorf/Dieselkino und im Kino Kirchdorf/Krems Filmtage zum Recht auf Nahrung statt. Zu sehen ist auch der Film „Wasser unterm Hammer“. Eine Doku zur Privatisierung der Wasserversorgung in England und Deutschland.