Schmuggler an der Costa Brava

Manche Dinge verbergen sich dem Reisenden. Sie sind da und doch nicht.

Ein Cortado und ein Croissant, anderntags auch eine selbstgebastelte Magdalena mit Pinienkernen. Die Gäste ringsum lesen ihre Zeitung. Meistens El Punt, La Vanguardia (katalonisch, Mitte, christlich-sozial), seltener El Periódico (Mitte-links), niemand El Pais.

Im Zentrum von El Port de la Selva gibt es sowas wie einen Kiosk. Hinter der Schaufensterscheibe liegen martialisch aussehende Messer, mehr schon Macheten. Und Krimskrams. Der Eingang ist barrierefrei gestaltet, ah ja, für den Besitzer, oder ist es ein Angestellter? Drinnen ein Schlurf, Glückwunschkarten, so etwas wie Literatur und Landkarten. Wir kaufen eine Landkarte über das Cap de Creus/Portbou-Roses (€ 9,-). Wir werden mit ihr noch sehr zufrieden sein; sie bald zerfleddert.

Ein kurzer Spaziergang zur Cala Formellis (beschrieben in Roger Büdeler) wird zum Ende hin für Ungeübte ziemlich gefährlich. Streckenweise verschwindet der Weg, trotz der geringen Höhe fallweise ausgesetzt; Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und der sinnvolle Einsatz der Hände im Fels sind bei Nachahmung empfohlen.

 

Kormoran in der Bucht Cala Formellis

Kormoran in der Bucht Cala Formellis

Ich entscheide uns, nicht auf gleichem Weg zurück zu gehen, sondern weiter Richtung Llaures auf 168 m Seehöhe und anschließend wieder zurück auf den GR 11, den Sender mediterraneo, nach El Port de la Selva. Auf unserer Karte werden Felsabbrüche nicht dargestellt, wie wir bald bemerken werden. Die Höhenlinien selbst geben keinen Aufschluss und so stehen wir alsbald vor einer kleinen Kletterpartie. Per Handtelefon rufe ich noch schnell Mama an (danke EU für die neuen Roaming-Tarife), und sage ihr, wie lieb ich sie eigentlich habe. In solchen Situationen ist es wirklich eine gute Idee, Wildwechsel oder Pfade von Schafen und Ziegen zu suchen; in den Alpen auch den von Gämsen, falls sich diese nicht gerade oberhalb befinden — Steinschlag!!

Cafè Espanya in Catalunya

Cafè Espanya in Catalunya

Im Cafè Espanya (welch ein Name für ein Café in Katalonien!) liegen keine Zeitungen auf. Im Pseudo-Kiosk werden keine Zeitungen verkauft. In der Trafik nahe der La Ultima sowieso nicht. In El Port de la Selva werden keine Zeitungen verkauft.
Um mit dem Printmedien-Schwarzmarkt in Kontakt zu kommen, reicht die Zeit nicht.

Ist nicht eine der Grundvoraussetzungen einer modernen Demokratie eine freie und unabhängige Medienlandschaft und der Zugang dazu?