Kopf ab, Rübe ab, alles ab

Kaum hat das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud im deutschen Hauptquartier seine Pforten geöffnet, wird behende ein Ausstellungsobjekt beschädigt. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, wie die Thüringer Allgemeine berichtet.

Unkundig der deutschen Rechtssprechung drängen sich bei der Schändung des wächsernen Führers noch gängige Tatbestände wie Störung der Totenruhe, Leichenschändung und Rufschädigung auf. Nun, wo nur mehr der Rumpf zu sehen ist, könnte wohl auch das Fotografierverbot aufgehoben werden.

 

Der Vorwurf der Sachbeschädigung ist nachvollziehbar. Schwieriger wird es, wenn das Quälen von Tieren unter diesen Paragrafen fällt.

Igel - Opfer des Straßenverkehrs und von Anglern

Igel – Opfer des Straßenverkehrs und von Anglern

Vor einigen Jahren griff eine Polizeistreife in der Wiener Prater Hauptallee frühmorgens einen Mann auf. Mitten auf der für den Verkehr gesperrten Straße lag ein Mann. Er war über einen Igel gebeugt, in der Hand eine Zange. Dem Igel fehlten ein paar Extremitäten. Die amtliche Frage nach seinem seltsamen Treiben in dunkler Nacht beantwortete der gute Mann so: „Ich mache mir gerade Köder zum Angeln.“

Wer schon jemals mit Schnur und Haken versucht hat, einen Aal zu landen, weiß, wie schwierig dieses Unterfangen ohne Köder zu bewerkstelligen ist. Das Bildungsbürgertum weiß, dass mit abgetrennten Rossköpfen, die über Nacht in einem Gewässer verstaut werden, die besten Resultate zu erzielen sind.

Der Aal ist ein besonderer Fall. Schlangenähnlich kriecht er nächtens übers Land, um irgendwo nahe karibischer Steuerparadiese das Aussterben der Art zu verhindern. Sein Blut ist giftig und führt bei Berührung zum Erbrechen. Als die Zeiten noch technischer waren, wurden führende Politiker noch als „Teflonkanzler“ abgekanzelt. Heute muss emotionalisiert werden. Empathie, Relevanzmanagement und empfängerzentrierte Kommunikation sind die Schlagworte des gerade angesagtesten Coaching-Geschäftsmodells.

„Aalglatt ist der falsche Ausdruck. Gegen diesen Typus von Politiker greift sich ein Aal rauer an“, formuliert es ein Manager, der tausende junge und jüngste Österreicher und Österreicherinnen in den Besitz eines lukrativen Bausparvertrages bringt, und meint damit offensichtlich die neue SPÖ-Parteispitze.

Der Aal mag zwar glatt sein, aber peinlich ist er nie. Generell wird Tieren Peinlichkeit selten zugeschrieben. Loudon Wainwright III., das ist der Papa vom Rufus, für dessen Konzert in der „subkulturellen“ Wiener Arena Adelige eigene VIP-Bereiche eingerichtet bekamen, besang einst das dahinstinkende Dead Skunk in the Middle of the Road und Rolf Dieter Brinkmann belächelte das Tote Stinktier auf der Straße, bevor er selbst von einem PKW überfahren wurde.

Die Peinlichkeit ist eine prioritäre Eigenschaft des Menschen, und hier des Öffentlichen Menschen. Der Politiker ist neben dem Arien-Sänger der einzige Öffentliche Mensch, dem der Wechsel ins peinliche Fach verboten ist (die USA, Frankreich, Italien und Nordkorea einmal ausgenommen). Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Gegensatz zu ihrem österreichischen Amtskollegen Alfred „Die Sandgrube“ Gusenbauer ein Gespür dafür, Peinlichkeiten zu vermeiden.Und die deutsche Bundeskanzlerin ist lernfähig. Ortete sie vor einigen Wochen noch den Grund für die steigende Lebensmittelpreise darin, dass der geschäftstüchtige Chinese in naher Zukunft auch noch das Weight Watchers-Modell raubkopieren möchte, so bringt sie beim G8-Gipfel in Japan die Problematik der Bio-Kraftstoffe aufs Tapet, „damit hier keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen kann“.

Weitblick unterscheidet das menschliche Genom vom Tier. Das schließe ich aus der Tatsache, dass Tiere nie Bausparverträge abschliessen und keinesfalls Parteivorsitzende werden.

Wie der britische Guardian berichtet, erhob die Weltbank, dass die Nahrungsmittelpreise weltweit wegen der Produktion von Agrartreibstoffen um 3/4 stiegen. Die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion ist voll im Gange.

Nach der Verständigung Angela Merkels mit Peinlichkeits-Meister Frankreich über den CO2-Ausstoß der gesamten „Autoflotte“ fehlt nur noch die Einrechnung des Tata Nano in die deutsche Autoflotte.