Bankish sprechen

Die Sprache der Banker ist nicht leicht zu erlernen. Die Welt der Banker ist eine fremde und seltsame.
Rechtzeitig zu Weihnachten lässt die britische Regierung Pläne an die Öffentlichkeit gelangen, dass sie für Darlehen an Arme marktübliche Zinsen verrechnen möchte. 27 Prozent seien das, berichten britische Online-Portale. Man sieht: Der Staat ist nicht nur ein guter Unternehmer, sondern auch ein smarter Banker.

Der deutsche Gault-Millau-Herausgeber Armin Diehl erzählt in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Wir haben zu lange auf billig gesetzt“, dass ihm beim Verscherbeln von Opas Aktienpaket ein Banker erklärte: „Sie müssen wissen, zehn Jahre sozial-liberale Koalition, da ging es mit der Wirtschaft nicht immer nur nach oben!“ Damals aber sprachen Banker noch normalisch. Damals verstanden sozialliberale Regierungen beim Wort Wirtschaft auch nur Bankish, muss man wissen.

Was ist nun Bankish? Der britische Guardian klärt uns auf: Goldman Sachs hat für das Bankenmanagement einen Topf für Bonuszahlungen in der Höhe von 2,6 Milliarden $, Morgan Stanley dotiert diesen mit 3 Milliarden, von Merryill Lynch werden 3,5 Milliarden Dollar berichtet. Vergleichsweise bescheiden gibt sich die Dresdner Kleinwort, die zum Versicherer Allianz gehört, mit € 400 Millionen. Auf den erwarteten zwei Milliarden Euro Verlust der Dresdner Kleinwort wird man mit Stellenabbau reagieren.

 

Geht es der Wirtschaft gut, geht es den Menschen noch immer schlecht. (Klaus Bachler im Standard)

 

Da hat es der Papst eindeutig besser. Kein Kündigungsschreiben, sondern fünf Weihnachtsbäume, Lebkuchen, Weihnachtsstollen, bayrische Würstel, Fruchtnektare aus der Heimat. Thaddeus Kühnel packt seinen Wagen voll, wenn er den Papst besucht. „Er hat einen sehr süßen Zahn“, erzählt er dem Guardian auf Bankish. Thaddeus Kühnel ist nämlich Bankdirektor bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Hauck & Aufhäuser waren immer auch innovativ, ist auf der deutschen wikipedia zu lesen: „Es wurden seit jeher auch neue, innovative Wege beschritten. Das Geschäft mit Grundstücken und Grundstücksrechten wurde vom Bankhaus H. Aufhäuser bereits in den 1950er Jahren begonnen und danach um ausländische, insbesondere US-amerikanische Immobilienaktivitäten erweitert. Das US-Immobiliengeschäft wie das Immobiliengeschäft im Allgemeinen werden heute noch von Hauck & Aufhäuser betrieben.“

Bankdirektor Kühnel sieht in seinem Brotberuf und der kritischen Haltung des Papstes zur Welt des Geldes keinen Widerspruch: Es liegt viel Sprengstoff im Kapitalismus und der Globalisierung“, pflichtet er ihnen sogar bei. Am wichtigsten sei, menschlich zu bleiben und nicht jeden Trend mitzumachen, sagte er 2005 der Welt am Sonntag. Da konnte er freilich noch nicht wissen, dass seine amerikanischen Kollegen einen Immobilien-Masterplan für die Zukunft der Finanzdienstleister in der Lade liegen hatten. Reuters Deutschland berichtet davon, dass bei Haucke & Aufhäuser ganze Abteilungen zu Disposition stehen könnten.

Geldmaschine Fortis Bank

Geldmaschine Fortis Bank

Die belgische Regierung glaubte auch, Bankish zu verstehen. Der Versuch, die Fortis-Bbank an die französische BNP Baribas zu vergeben, scheiterte trotz sehr persönlichem Einsatz beim Ehemann der zuständigen Richterin am Widerstand der Fortis-Kleinaktionäre.

Der isländische Weihnachtsmann bringt diese Weihnachten etwas Besonderes. Weil die Wörter zwar die gleichen sind, die Bedeutungen aber andere, hat Dr. Thorkell Sigurdur Hardarson ein Bankish-Isländisches Krisen-Wörterbuch verfasst. Der Forderung der Öffentlichkeit nach Transparenz und besserer Information der Regierung als Bestandteil einer aktiven Demokratie soll damit nachgekommen werden.
Von warmen Grüßen über den Antlantik kann Island nur träumen. ‚Julehilsen til Grønland‘ wird seit 1933 von Dänemark nach Grönland übertragen und ist damit eine der ältesten Sendungen nicht nur in der Geschichte Dänemarks.

Aber auch in Grönland steckt der Julemanden tief in der Krise und bittet um Ihre Unterstützung!