Chemin Walter Benjamin, der F-Weg

ruta walter benjamin

"Der Klassenkampf, der einem Historiker, der an Marx geschult ist, immer vor Augen steht, ist ein Kampf um die rohen und materiellen Dinge, ohne die es keine feinen und spirituellen gibt."

“Olivenbäume sollten unsere Grenzen sein”, schrieb 1976 Dani Karavan, Planer des Passagen-Denkmals in Portbou. Und gerne wollte man hinzufügen: Unsere Möglichkeiten sollten unsere Grenzen sein.

Die Grenze zwischen Spanien und Frankreich wird nicht mit Olivenbäumen in die Landschaft geschrieben. Dafür ist das Klima zu unwirtlich. Oben am Coll de Rumpissa, auf etwa 500 Metern über Meer, fühlt man sich mehr in alpine Höhenlagen unterhalb der Baumgrenze versetzt. Der Wind wälzt sich in mitunter heftigen Böen von den schneeweißen Gipfeln der Pyrenäeen weit übers Meer, die Wege sind hier oben felsig und hinter jeder mehr als nur schmächtigen Korkeiche lauert ein wilder Stier.
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Portbou – Passatges

"Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten: Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht."
Walter Benjamin

Ansicht Memorial Passatges

"Seit 1994 steht nun hoch oben über der Bucht von Portbou ein vom israelischen Künstler Dani Karavan geschaffenes, begehbares Kunstwerk, das an Walter Benjamins Werk "Passagen" erinnert und mit dem Begriff Denkmal nur unzureichend beschrieben ist. Eine dunkle Türe führt über eine Treppe scheinbar

Memorial Passatges

direkt ins Meer, eine dünne Glasscheibe am Ende des Tunnels verhindert den Sturz und gibt den Blick auf das Meer frei, die scheinbare Endlosigkeit gebremst durch einen Felsen, um den sich ein wenig vertrauenserweckender Strudel dreht. Wer den Blick daher lieber zurücknimmt, trifft auf ein Zitat aus Benjamins Werk "Passagen", das die Geschichtsschreibung auf das "Gedächtnis der Namenlosen" verpflichtet und dabei den Konstruktcharakter der Geschichte betont. Selten hat die Historizität der Grenzüberschreitung eine dermaßen schöne, eine so überzeugende Umsetzung erfahren [...]", schreibt die Historikerin Madeleine Herren-Oesch.

2008 liegen hinter der dünnen Glasscheibe Steine. Die Scheibe weist zahlreiche Einschläge und Sprünge auf.

Vandalismusschäden

Wir überschreiten die Grenze an der Bar Caliu. Gleiche Bedienung. Was folgt, ist eine Wiederaufführung der Geschichte des Vorabends.

Gegen Mitternacht zurück ins Hostal Juventus. So muss es sich in einem Aschenbecher leben, neben dem unzählige geleerte Schnapsgläser stehen. Die Hanfmütze feiert bis in den Morgen.

Die Reise geht weiter. Während wir packen, entscheidet sich die Hanfmütze, Opernarien abzuspielen.

Am Weg aus Portbou liegt vor der Markthalle ein Mütze mit einem aufgenähten Hanfblatt in den Farben der jamaikanischen Flagge.

Eine Beschreibung der letzten Stunden Walter Benjamins finden Sie hier.

Eine (unfertige) Webseite des Walter Benjamin-Denkmals finden Sie hier.

Portbou und die Hanfmütze

Ein Jugendproblem, ein Seniorenproblem und ein Problem mit Fremden.

Im Wesentlichen besteht Portbou aus einem Bahnhof, einem Walter Benjamin-Denkmal und ein paar netten kleinen Buchten, den saubersten der nördlichen Costa Brava.

Bucht in Portbou

Bahnhof von Portbou

Der Low-Budget-Traveller steuert das Hostal Juventus zum Übernachten an. Hier übernachtet auch das Seniorenproblem. Im Mund trägt es keine Zähne, an seinen Lippen hängen das Schnapsglas und eine Selbstgedrehte, sein Kopf trägt eine Mütze mit einem aufgenähten Hanfblatt in den Farben der jamaikanischen Flagge. Das Seniorenproblem verspricht uns, dass es hier ruhig zu schlafen sein wird.

Das Jugendproblem Portbous zieht in die handvoll Bars unentwegt schreiend und singend ein, steuert den allgegenwärtigen Spielautomaten an und zock,t bis es nichts mehr zu verlieren hat. Was gibt es auch sonst zu tun hier?

Bucht von Portbou

Hinterhof in Portbou

Den Fremden in Portbou zieht es in die steile Landschaft, nachdem die Ortschaft rasch erkundet ist. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind angeraten. Viel Gegend und erste Anzeiger des Frühlings.

Krummstab - ein Aronstab

Die Bar Caliu, offenbar erste gastronomische Adresse der Bewohner Portbous, hat mit uns ihre liebe Not. Die Kellnerin will uns nicht verstehen und auch nicht bedienen. Wir werden gebeten, den Tisch zu wechseln, den gewechselten Tisch gefälligst doch wo anders hin zu rücken. Am nächsten Abend kehren wir wieder. Versprochen!