Sozial-Doping

Die Sportdachverbände sollen sich nicht nur um verbotenes Doping kümmern, sondern auch um Sozial-Dumping, das sie mitverursachen.
40 Cent verdienen an einem Sportschuh, der um wohlfeile 100 € im Laden steht. 300 Überstunden im Monat für 27 Cent die Stunde, das sei die harte Realität auf die das Internationale Olympische Kommitee (IOC) einwirken soll, fordern NGOs wie clean clothes und Gewerkschaften unisono.

fair play 2008
Der Vorsitzende des IOC erlebt mit dem globalen Fackel-Lauf ein ernsthaftes Desaster und verspielt mit seiner Untätigkeit auch sonst viele Sympathien: "Was ist das denn für ein Leben? Zur Hölle mit den Olympia-Sachen“, wird eine Arbeiterin der chinesischen Fabrik Eagle Leather Products auf Webseite von clean clothes zitiert.

"Wir freuen uns, wenn die UEFA für die MitarbeiterInnen ein tolles Erlebnis wird. Der Dienst an der Gesellschaft wäre aber weit größer, wenn sich UEFA an Arbeit Suchende wenden und die Arbeit entsprechend entlohnen würde", sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft vida Rudolf Kaske.

Der Ärger ist berechtigt. Die UEFA könnte es sich leisten freiwillige HelferInnen ortsüblich zu entlohnen:
"Der Monopolveranstalter von Champions League, UEFA-Cup und Europameisterschaft weist etwa im aktuellen Finanzbericht 2006/07 einen Reingewinn von mehr als 38 Millionen Euro auf – da sind die Ausschüttungen an teilnehmende Verbände und Solidaritätszahlungen bereits abgezogen", schreibt derstandard.at.

Die über 17.000 Menschen, die sich für ein Paar Frankfurter bereit erklären, für die UEFA Volunteers zu spielen, wird das wahrscheinlich nicht kümmern. Und es wird ihnen auch egal sein, wie damit umgegangen werden kann, wenn der Schriftsteller Franzobel den Fußball als "besten Missionar des Kapitalismus" bezeichnet.

Für ArbeiterInnen in China, Indien oder Bangladesh geht es aber ans Eingemachte. ArbeiterInnen, die versuchen sich zu organisieren, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, droht die Entlassung.

„Play Fair 2008 setzt sich für existenzsichernde Löhne ein. Denn nur eine gerecht bezahlte Arbeit erlaubt es den Menschen langfristig aus dem Armutskreislauf auszubrechen“, erklärt der Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger auf www.cleanclothes.at. Und darauf achtet das IOC so wenig wie die UEFA. Die Zeitschrift des ÖGB mit dem schönen Namen "Solidarität" sieht den olympischen Gedanken in der Förderung einer friedlichen Gesellschaft, die sich der Bewahrung der menschlichen Würde widmet, verwirklicht. Und diese "menschliche Würde" wird in den Zulieferbetrieben für sportliche Großveranstaltungen wie Olympischen Spielen oder Fußballmeisterschaften systematisch verletzt und untergraben.

"Das IOC hat es in der Hand, bei den Verträgen mit den Unternehmen zu fordern, dass Arbeitsrechte, Mindestlöhne und Gewerkschaftsrechte eingehalten werden", sagt Monika Kemperle vom ÖGB in der "Solidarität".

Für die kommenden Turniere ist es wahrscheinlich zu spät, um in Verträge einzugreifen. Aber die nächsten Spiele stehen an und die Vertragsverhandlungen sind im Laufen. 2010 findet in Südafrika die nächste Fußball-Weltmeisterschaft statt – in einem Land, in dem die Teilhabe von Menschen am gesellschaftlichen Leben, am Wohlstand, Zugang zu Gesundheitsversorgung und ökonomischer Macht mehr als unausgewogen verteilt ist.

Für Bewusstseinsarbeit ist es nie zu spät.

Link:

www.playfair2008.org

Catch the Flame

Feuer fangen und SMS senden mit dem Text "Play Fair" und Ihrem Namen an 0699 115 33 137
Oder schicken Sie ein E-Mail, wünscht sich der newsletter von www.cleanclothes.at:

"Bei der Herstellung von Sportbekleidung und Fußbällen werden täglich Menschen- und Arbeitsrechte verletzt.

catch the flame

Setzen Sie sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen weltweit ein und werden Sie zur elektronischen FackelträgerIn für faire Arbeitsbedingungen.
Mit der Aktion "Catch the Flame – Fang das olympische Feuer" schicken KonsumentInnen ihre eigene olympische Flamme für faire Arbeitsbedingungen per E-Mail und SMS rund um die Welt.
Die Aktion läuft in Österreich noch bis 6. April, dann wird die elektronische Flamme an die nächsten Zeitzone weitergegeben.
Am 1. Mai hat die Flamme ihr Ziel Peking erreicht, den Austragungsort der Olympischen Spiele. Die Liste der elektronischen FackelträgerInnen wird dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, gemeinsam mit den Forderungen für faire Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben der Sportbekleidungsindustrie übergeben."

Links:

www.playfair2008.org

www.catchtheflame.org

Play Fair 2008

Nach den Spielen ist vor den Spielen. Die Aktion Play Fair 2008 fordert Fair Play für die ArbeiterInnen in den Zulieferbetrieben weltweit!

Play Fair 2008 fordert die Unternehmen der Sportbekleidungsindustrie und Sportinstitutionen wie das Internationale Olympische Komitee auf, deutliche Schritte für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben zu setzen.

Die internationale Kampagne Play Fair 2008 ist ein weltweiter Zusammenschluss von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. In Österreich wird Play Fair von Clean Clothes Kampagne, Volkshilfe und ÖGB getragen.

Unterstützen Sie die Play Fair-Petition, in dem Sie das Formular zum Download ausfüllen. Die so gesammelten Unterstützungserklärungen werden Sportbekleidungsunternehmen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) übergeben.

Online kann die Petition ebenfalls ausgefüllt werden. Hier geht’s zum Formular der Clean Clothes Kampagne:

Der Text der Petition im Wortlaut:

“Ich unterstütze Play Fair 2008 und fordere die Unternehmen der Sportbekleidungsindustrie und Sportinstitutionen wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, deutliche Schritte für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben zu setzen!

Ich fordere die Unternehmen der Sportbekleidungsindustrie auf:

- in ihrer Produktion die Einhaltung internationaler Arbeitsrechte bei allen Zulieferbetrieben sicherzustellen;

- sofortige Schritte zur Einhaltung der Organisationsfreiheit (Gründung von Gewerkschaften) und Bezahlung von existenzsichernden Löhnen zu setzen.

Ich fordere das Internationale Olympische Komitee und andere Sportverbände auf:

- die international anerkannten Arbeitsrechte in ihre Chartas und ethischen Codes aufzunehmen;

- eine vertragliche Verpflichtung zur Einhaltung der internationalen Arbeitsrechte in ihre Verträge mit Lizenznehmern aufzunehmen und diese unabhängig kontrollieren zu lassen.

Play Fair für die ArbeiterInnen weltweit!”

 

Links zu unterstützenden Gewerkschaften:

http://www.itglwf.org/

http://www.ituc-csi.org/spip.php?article1984&lang=de