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	<title>übers meer</title>
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	<description>und nicht weniger</description>
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		<title>Die Kraft des Lachens</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 05:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Cork &#8211; The Rebel City steht auf jeder Publikation der lokalen Tourismuswerbung und stellt damit stolz einen Bezug zur der Tradition des Widerstands in der zweitgrößten irischen Stadt her. Corrie entschloss sich im Dezember, Teil der Occupy Cork-Bewegung zu sein. &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/die-kraft-des-lachens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_799" class="wp-caption alignleft" style="width: 370px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_3.jpg"><img class="size-full wp-image-799" title="Occupy Cork" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_3.jpg" alt="&quot;Es wäre keine gute Revolution, wenn die Sache keinen Spass macht.&quot;" width="360" height="524" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Es wäre keine gute Revolution, wenn die Sache keinen Spass macht.&quot;</p></div>
<p>Cork &#8211; The Rebel City steht auf jeder Publikation der lokalen Tourismuswerbung und stellt damit stolz einen Bezug zur der Tradition des Widerstands in der zweitgrößten irischen Stadt her.</p>
<p>Corrie entschloss sich im Dezember, Teil der <a title="http://www.wsm.ie/c/corks-three-occupations" href="http://www.wsm.ie/c/corks-three-occupations">Occupy</a> Cork-Bewegung zu sein. Nach der großen Wir-sind-die-99-Prozent-Demo in Cork. Es ist richtig hier zu sein, sie fühlte sich vom Occupy Movement seit Beginn magisch angezogen, sagt die Frau Anfang vierzig. Das Zusammenleben und Zusammenkämpfen ist nicht gerade unkompliziert, weil sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Ansichten hier sind. Manche brauchen auch einfach nur einen Platz zum Schlafen, andere sind hier, weil sie einsam sind und Leute zum Quatschen suchen. Aber alle sind hier, weil sie eine gemeinsame Überzeugung haben: Es muss eine grundlegende Änderung der Gesellschaft herbei geführt werden.<br />
<span id="more-798"></span></p>
<div id="attachment_800" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_1.jpg"><img class="size-full wp-image-800" title="occupy cork" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_1.jpg" alt="Occupy - Der Rettungsreifen für Cork" width="350" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">Occupy - Der Rettungsreifen für Cork</p></div>
<p>Jan, der sich selbst als Clown bezeichnet, pflichtet Corrie bei und ergänzt: &#8220;Wir wollen nichts zerstören, wir wollen nichts erschaffen. Wir wollen nur die Veränderung.&#8221; Und Jan wäre ein miserabler Clown, wenn er nicht darauf hinweist, dass es keinen Sinn macht, nur über das große Unglück zu reden. Das wichtigste im Leben ist doch die Kraft des Lachens, sagt Jan und lacht laut aus sich heraus. Ein ehrliches Lachen.</p>
<p>Im Stehen wird es langsam kalt und wir wechseln in das große Zelt, trinken Tee, bekommen Essen angeboten. Es ist alles im Überfluss da, sagen die Occupy-Aktivist_innen. Die Bereitschaft der Corker_innen zu spenden ist riesengroß. Die Unterstützung kommt aus allen Teilen der Gesellschaft, sogar die Polizei hilft. Zum Beispiel, wenn es wieder einmal Probleme mit Sturzbetrunkenen gibt.</p>
<p>Noch gibt es in Cork City den Glauben an sich selbst, an die eigene Kraft und Möglichkeit. Wie auch der Kampf der auf die Straße gesetzten <a title="http://www.siptu.ie/media/pressreleases2012/mainnews/fullstory,15469,en.html" href="http://www.siptu.ie/media/pressreleases2012/mainnews/fullstory,15469,en.html">Vita Cortex-Arbeiter_innen</a> beweist.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/rbjVH6dJenY?rel=0" frameborder="0" width="360" height="213"></iframe></p>
<p>Trotzdem, und hier stimmen ausnahmsweise alle überein, ist die große Gefahr, dass sich die europäische Geschichte wiederholt. Der Glaube an den starken Mann, der alle Probleme lösen kann und tatsächlich nur Krieg über Europa bringt.</p>
<p>Dass sich hier etwas Bösartiges zusammenbraut, sehen nicht nur die Corker Occupy-Aktivist_innen. Kaum eine Buchhandelskette in Irland, die nicht auf Umsätze mit den geistig umnachteten Ausgüssen Hitlers spekuliert.</p>
<div id="attachment_801" class="wp-caption alignleft" style="width: 370px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork.jpg"><img class="size-full wp-image-801" title="occupy cork" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork.jpg" alt="occupy cork" width="360" height="241" /></a><p class="wp-caption-text">Occupy Cork  Transparent</p></div>
<p>Kann Occupy Cork eine linke Alternative anbieten, versteht sich Occupy Cork als antikapitalistisch? Fragende Gesichter. Wir begründen unsere Frage und erzählen von unseren Gesprächen mit den Leuten aus der Dame Street. &#8220;Definitiv&#8221;, schießt es aus Jan heraus. &#8220;Wir sind in einer Krise des kapitalistischen Systems, das Geld aus dem Nichts erschafft, um es sich in die eigene Tasche zu stopfen. Der Kapitalismus ist der Systemfehler, und das erkennen immer mehr.&#8221;</p>
<p>Und der Weg in eine solidarische Welt, wie sieht der aus? Nicht auf die Führer_innen hören, sich eine eigene Meinung bilden. Man darf nie damit aufhören, sich eine eigene Meinung zu leisten.</p>
<p>Am Abend im Pub finde ich durch puren Zufall in meiner Tasche ein musikalisches 2 Euro-Stück.</p>
<p>You say you want a revolution<br />
Well, you know<br />
We all want to change the world</p>
<p>tönt es aus der Compact Disc-Juke Box.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/CzCjGgrewYY?rel=0" frameborder="0" width="360" height="274"></iframe></p>
<p>Auf einmal auch von hinten, der linken und der rechten Seite &#8211; plötzlich bin ich in einem vielstimmigen Singing Pub.</p>
<p>Cork &#8211; The Real Rebel Capital.</p>
<p><strong>Links:</strong><br />
<a title="https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork">https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork</a><br />
<a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex">https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex</a></p>
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		<title>Der Bahnhof mit Herz</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 23:39:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Kältewelle überrollt Europa. Eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit von tausenden Menschen ohne Unterkunft. Doch die österreichische Staatsbahn beweist Herz. Die Bahnhofoffensive Neu Die Krise fordert Opfer. Das Sparprogramm ist auf Schiene, verkündet heute die Bundesregierung, und &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/der-bahnhof-mit-herz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_792" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/wien_hauptbahnhof.jpg"><img class="size-full wp-image-792" title="wien_hauptbahnhof" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/wien_hauptbahnhof.jpg" alt="wien hauptbahnhof" width="350" height="263" /></a><p class="wp-caption-text">wien darf nicht stuttgart werden</p></div>
<p>Eine Kältewelle überrollt Europa. Eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit von tausenden Menschen ohne Unterkunft. Doch die österreichische Staatsbahn beweist Herz.</p>
<p><strong>Die Bahnhofoffensive Neu</strong></p>
<p>Die Krise fordert Opfer. Das Sparprogramm ist auf Schiene, verkündet heute die Bundesregierung, und die Verhandlungen sind im Endspurt. Eine Drohung für alle, die soeben ihre Guthaben bei Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleister_innen aufgelöst und in reale Werte wie Eigentumswohnungen, Grundstücke, Häuser oder Offshore gebunkert haben? Das &#8211; zeigt die Erfahrung &#8211; leider nicht.</p>
<p><span id="more-791"></span></p>
<p>Der existenzielle Unterschied, der inzwischen auch für europäische Verhältnisse konstatiert werden muss, geht ans Eingemachte: Die Modernisierungsverlierer_innen, um eine 90-er-Jahre-Wort zu reaktivieren, verlieren nicht nur Lebenschancen und -perspektiven, sie verlieren auf Grund exogener Einflüsse, wie zur Zeit dem Wetter, gleich ihr nacktes Leben.</p>
<p>Zu unser aller Glück haben wir Facebook und können die österreichischen Staatsbahn ultimativ auffordern, Herz zu beweisen: Lasst tausend Obdachlose nicht (er-)frieren. Diesem Ruf können sich die ÖBB nicht verschließen. Solange es kalt ist (wie kalt?) werden beheizte Räumlichkeiten in Bahnhöfen als Not-Unterkunft zur Verfügung gestellt. Und es wäre nicht Österreich, wenn nicht in diversen Internetforen Stimmen laut werden, die durch diese Notmaßnahme die Ertragsfähigkeit der ÖBB gefährdet sehen.</p>
<p>Was zählt ein Menschenleben? Wie viel wollen wir es uns kosten lassen? Und wie viel kostet es die privaten Betreiber_innen der &#8220;Westbahn&#8221;?</p>
<p><strong>Von Occupy zur Gnade</strong></p>
<p>1998 startete die ÖBB die Bahnhofoffensive. Die Marke Bahnhof wurde in den Köpfen dingfest gemacht. Ein freundlicher Ort, an dem sich alle gern aufhalten, lautete die Vorgabe. Ein Shopping-Center mit Gleisanschluß, bringt es <em>Robert Sommer</em> in seinem Buch <strong><em>Wie bleibt der Rand am Rand</em></strong> auf den Punkt.</p>
<p><em>Robert Sommer</em> umkreist die Bahnhofoffensive nur kurz, um zum buchstäblichen, aber letalen rhetorischen Schlag auszuholen. <em>Robert Sommer</em> hält sich in dem Buch nämlich nie lange mit Nebensächlichem auf. Eine Überschrift genügt ihm, um behende  zum springenden Punkt zu kommen. Orte, die vor dieser Offensive temporär von Adressenlosen, vorwiegend des Nachts, okkupiert wurden, wurden im Zuge dieser Offensive auch unter Einsatz physischer Gewalt gesäubert. Private Unsicherheitsdienste übernahmen diesen Drecksjob für die staatliche Bahn, recherchiert Sommer.</p>
<p><strong>Almosen für die Armen</strong></p>
<p>2012 ist der Stand der Dinge dieser: Wir sind gütig.</p>
<p>Der Öffentlichen Hand sind die Hände gebunden. Wenn&#8217;s wirklich schlimm wird, teilen wir auch gerne. Aber niemand soll sich erlauben, bei mir einzubrechen.</p>
<p>Den jungen Herrn, der in diesen kalten Nächten vor meiner Tür sitzt, möchte ich gerne mal zu einer Tasse Kaffee einladen.</p>
<p>Aber jeden Morgen, an dem ich die Tür öffne, um meine Zeitung aufzuheben, springt er auf und läuft davon.</p>
<p><strong>Lese-Tipp:</strong><br />
Robert Sommer, Wie bleibt der Rand am Rand, Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion, Mandelbaum-Verlag. Erhältlich bei Ihren Augustin-Kolporteur_innen.</p>
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		<title>Occupy Dublin</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 21:40:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Um das kleine Irland ist es still geworden. Größere Euro-Länder sind in den Vordergrund der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Grund genug in Irland Nachschau zu halten. Wie wehrt sich die irische Bevölkerung gegen den neoliberalen Raubzug? Der Fußmarsch führt zur &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/occupy-dublin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_782" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/occupy_dame_street.jpg"><img class="size-full wp-image-782" title="occupy_dame_street" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/occupy_dame_street.jpg" alt="occupy dame street" width="350" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">occupy dame street</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um das kleine Irland ist es still geworden. Größere Euro-Länder sind in den Vordergrund der medialen Aufmerksamkeit gerückt.</p>
<p>Grund genug in Irland Nachschau zu halten. Wie wehrt sich die irische Bevölkerung gegen den neoliberalen Raubzug?<span id="more-783"></span></p>
<p>Der Fußmarsch führt zur weltberühmten Guiness-Brauerei. &#8220;Und wos moch ma jetzt,&#8221; fragt der Herr in die Runde, die den breiten Gehsteig für sich okkupiert. Allesamt mit schwarzen Papiersackerln mit dem Schriftzug der Brauerei ausgestattet. Und es werden immer mehr Papiertaschen, die mir entgegen strömen. Der geborene Ottakringer fühlt sich gleich zu Hause. In der Luft schwebt nun eine Duftwolke, eine Mischung aus Hefe und Malz. Mich zieht es nicht zu dem Getränkemulti, der die Pubs mit standardmäßig abgestandenem Lizenz-Lager überschwemmt, sondern zum Museum Moderner Kunst in Dublin.</p>
<p>Irland hat eine lange Geschichte und so darf es nicht verwundern, wenn das Museum Moderner Kunst in einer wehrhaften Burganlage untergebracht ist. Den Menschenmassen hinterher zu trotten ist keine gute Idee. Hinter der Burg hat ein Rummel seine Zelte und leicht transportierbare Mini-Riesenräder aufgeschlagen. Im Ranking der Besucher_innen liegt dieses Zerrbild eines Vergnügungsviertels eindeutig vor dem Museum. Die Ängste im Kopf totschlagen oder sie mit Unterhaltung zumüllen? Ich beginne mich in die irische Psyche einzufühlen.</p>
<p>Das Museum hat geschlossen. Nicht heute. Auch nicht heute und morgen. Sondern bis Jahresende 2012. Die Webredakteur_innen wissen davon nichts. Die Krise hat bad news eingespart.</p>
<p>Als Trostpflaster gibt&#8217;s in einem Türmchen eine Ausstellung von Rivane Neuenschwander. Im Gästebuch sind Verrisse nachzulesen, die der Wiener Theaterkritik in keinster Weise nachstehen. Das Projekt I wish your wish gewährt aber tiefe Einblicke in ein Leben in der Krise. Die Installation bezieht sich auf eine Tradition in Salvador do Bahia, wo Wünsche auf Seidenbänder geschrieben werden. Wer möchte, dass ein Wunsch von einem Band in Erfüllung geht, nimmt sich das Band und bindet es um seine Hand. Wenn das Band abgetragen ist und von selbst vom Handgelenk abfällt, wird der Wunsch in Erfüllung gehen, so der Glaube. Im Austausch dafür darf sich die oder der Unterstützer_in des Wunsches selbst etwas wünschen, und hofft ihrerseits und seinerseits darauf, dass jemand anders sich des eigenen Wunsches annimmt.</p>
<p>Die Wünsche sprechen Bänder. Ich wünsche mir keine Rezession. Ich wünsche mir finanzielle Sicherheit. Ich wünsche mir keine Angst zu haben. Oder: Ich wünsche mir, dass ich Drogen nicht so liebe.</p>
<p>Fotografieren darf ich die Seidenbänder im Museum nicht, aber &#8220;danke, dass Sie fragen&#8221;. Irischen Umgangsformen kann die Krise nichts anhaben. Bislang.</p>
<p>In die Stadt zurück geht&#8217;s über die Hewston Zug-Station. Gesichtslose Immobilienentwicklungen und abgefuckte Häuser sind anarchisch durcheinander gewürfelt. Wer Dublin von vor einigen Jahren kennt als solide gewachsene Stadt, sieht nun, dass der Kapitalismus keine Planung duldet. Auch, oder sollte es exakter heißen im Besonderen(?), keine Stadtplanung. Die riesige Spekulationsblase, die die Grundstückspreise über die Londons getrieben hat, erfasste Dublin und zerstörte zuerst die sensibelsten und machtlosesten Bereiche einer Stadt: die öffentlichen Plätze, billigen (Substandard-)Wohnraum, Kulturzentren und Veranstaltungsräume oder Programmkinos.</p>
<p>In der Moore Street befand sich noch vor einigen Jahren ein kleiner, aber lebhafter Markt, der Wienkenner_innen entfernt an den Brunnenmarkt erinnerte. War die Befürchtung damals, dass das Shopping Center im Hintergrund den Straßenmarkt verdrängen würde, bietet heute die Mall einen noch tristeren Anblick als der Markt. Die rebellische <a title="http://rabble.ie/" href="http://rabble.ie/">Rabble</a> von Smithfield hat sich zum antinationalen Widerstand entschlossen, publizieren eine unregelmäßig erscheinende Zeitschrift und versuchen mit ihren Aktivitäten die lokale Community zu stärken und ihr Gehör zu verschaffen.</p>
<p>Im Finanzzentrum Dublins, der Dame Street, harren AktivistInnen trotz Sturm und Regen seit Monaten aus. Die Unterstützung der Bevölkerung gibt Kraft, sagen sie, und betonen mehrfach, dass ihre Ziele nicht antikapitalistisch sind. Vielmehr geht es darum, Demokratie wieder zu dem zu machen, was sie sein sollte: Politik vom Volk für das Volk.</p>
<p>Vorbeiziehende Party People ignorieren den Euro(!)-Palettenzaun, der zickzackartig die kleine Zelt- und Planenstadt umrandet.</p>
<p>Ein Kampf zur Wiedererlangung der Selbstbestimmung. Ein Ruf nach Emanzipation und einem Ende der EU-Troika, der jede demokratische Legitimation fehlt, sagen sie.</p>
<p><iframe style="position: relative; display: block; width: 400px; height: 100px;" src="http://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/v=2/track=4264043190/size=venti/bgcol=FFFFFF/linkcol=4285BB/" frameborder="0" width="400" height="100"></iframe></p>
<p>PS: Der Markt in der Moore Street hat Preise wie in der Vor-Euro-Zeit. Wer keine Zwiebel zum Frühstück mag, denen sei die köstliche Paris Bakery empfohlen. Nette Leute dort und die Sounds kommen von alten französischen Chansons und deren heute bereits erwachsenen Enkelkindern.</p>
<p>Links:<br />
<a title="http://www.occupydamestreet.org/" href="http://www.occupydamestreet.org/">http://www.occupydamestreet.org/</a><br />
<a title="http://rabble.ie/" href="http://rabble.ie/">http://rabble.ie/</a></p>
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		</item>
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		<title>Coops für die Zukunft</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2012/coops-fur-die-zukunft/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 13:50:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wegmarken]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieses Jahr haben die Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt. Damit soll auf die weltweite Bedeutung dieser nicht profitorientierten Unternehmensform hingewiesen werden. UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon begründet diese Entscheidung mit der Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung, die die &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/coops-fur-die-zukunft/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_765" class="wp-caption alignnone" style="width: 340px"><img class="size-full wp-image-765" title="Ein Bus von Irizar in Irland" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/irizar.jpg" alt="Ein Bus von Irizar in Irland" width="330" height="246" /><p class="wp-caption-text">Bus Eireann von Irizar in Irland</p></div>
<p>Dieses Jahr haben die Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt. Damit soll auf die weltweite Bedeutung dieser nicht profitorientierten Unternehmensform hingewiesen werden.</p>
<p>UN-Generalsekretär <a title="http://social.un.org/coopsyear/" href="http://social.un.org/coopsyear/" target="_blank">Ban-Ki Moon</a> begründet diese Entscheidung mit der Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung, die die Genossenschaften der internationalen Gemeinschaft vorleben.</p>
<h2>Das Genossenschaftswesen in der Welt</h2>
<p>Europaweit sind über 150.000 Genossenschaften mit mehr als 120 Millionen Genossenschafter_innen registriert. Während weltweit rund 300 Millionen Personen Aktien besitzen, ist die Zahl der Genossenschafter_innen dreimal so hoch: 1 Milliarde Menschen sind genossenschaftlich organisiert. Besonders stark sind Genossenschaften in Asien verankert. Und so verwundert es nicht, dass das Internationale Jahr 2012 einer Initiative der Mongolei zu verdanken ist.<span id="more-766"></span><br />
Und es mag auch kein Zufall sein, dass die Genossenschaftsidee und das Internationale Jahr der Genossenschaften im deutschen und österreichischem Raum bislang nur ein sehr verhaltenes mediales Echo erfuhren.</p>
<p>In Deutschland befinden sich Genossenschaften seit Jahren auf dem Rückzug. Sowohl was die Zahl der Genossenschaften anbelangt (zwischen 1970 und 2000 hat sich ihre Anzahl auf 9.000 Genossenschaften halbiert) als auch ihr Anteil am Gesamtumsatz aller privatrechtlichen Unternehmen, der 1998 nur mehr unbedeutende 1,4 Prozent betrug. In Österreich haben Genossenschaften seit dem Konsumdebakel Mitte der 1990er-Jahre in der veröffentlichten Meinung einen schlechten Ruf. Die extreme Rechte führt bis in die Gegenwart einen ideologisch motivierten Kampf gegen Genossenschaften, Stichwort Giebelkreuzler.</p>
<p>Wie immer, wenn die extreme Rechte versucht, hegemoniale Positionen zu erringen, geht es dabei nicht um die nur allzu berechtigte Kritik an den österreichischen Raiffeisengenossenschaften, sondern darum, ein ideologisch bestimmtes Gesellschaftsbild zu transportieren. Selbstorganisation steht in offenem Gegensatz zu einem autokratischen Prinzip. Der genossenschaftliche Solidaritätsgedanke steht diametral zum biologistischen Prinzip des Stärkeren der extremen Rechten, zu denen auch die Marktradikalen zu zählen sind.</p>
<p>Die österreichische (und auch die deutsche) <a title="http://genos.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/genossenschaftswesen/Genos/bd32.pdf" href="http://genos.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/genossenschaftswesen/Genos/bd32.pdf" target="_blank">Gesetzgebung</a> erleichtert der extremen Rechten diese gesellschaftspolitische Auseinandersetzung, indem es die Gründung von Genossenschaften unnötig bürokratisiert. Steuerrechtlich werden Genossenschaften undifferenziert in einen Topf mit anderen Kapitalgesellschaften geworfen und müssen &#8211; egal ob Kindergartengenossenschaften oder Kleinkraftwerksgenossenschaften &#8211; Körperschaftssteuer zahlen. Bei zahlreich angebotenen Förderungs- und Beratungsangeboten bei Unternehmensgründungen bleiben <a title="http://www.gruenderservice.at/suche.wk?DstID=0&amp;DgID=1&amp;ChID=26&amp;reiter=InternetAktiveInhalte&amp;init=1&amp;itemoffset=0&amp;pagesize=20&amp;details=1&amp;sortierung=TopInhalte&amp;suchbegrifftext=genossenschaft&amp;quicksearch_submit=Suchen" href="http://www.gruenderservice.at/suche.wk?DstID=0&amp;DgID=1&amp;ChID=26&amp;reiter=InternetAktiveInhalte&amp;init=1&amp;itemoffset=0&amp;pagesize=20&amp;details=1&amp;sortierung=TopInhalte&amp;suchbegrifftext=genossenschaft&amp;quicksearch_submit=Suchen" target="_blank">Genossenschaften</a> außen vor.</p>
<p>Eine positive Diskriminierung (Bevorzugung) von Genossenschaften beispielsweise bei der Vergabe von Aufträgen der Öffentlichen Hand sucht man in den hiesigen Gesetzgebungen vergeblich.</p>
<p>Spanien, Italien und Frankreich hingegen unterstützten die Neugründung von Genossenschaften. Marode Betriebe, die von der Belegschaft genossenschaftlich organisiert weiter geführt werden, dürfen mit proaktiver Unterstützung des Staates rechnen. Ein Dorn im <a title="http://www.uebersmeer.at/2008/hande-weg/" href="http://www.uebersmeer.at/2008/hande-weg/" target="_blank">Wettbewerbsauge</a> der damaligen EU-Kommission.</p>
<h2>Das Internationale Jahr der Genossenschaften</h2>
<p>Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat die Bedeutung des genossenschaftlichen Gedankens erkannt. Ein Anteil, eine Stimme rückt das demokratische Prinzip wieder in den Mittelpunkt des Lebens und stigmatisiert damit implizit das aktienrechtliche Je-mehr-Kohle-desto-mehr-Stimmen. Der Fördergedanke der Genossenschaften für die Genossenschafter_innen bietet eine überzeugende Alternative zum egoistischen Shareholder-Value-Prinzip.</p>
<p><em>&#8220;Wir sind an einem Wendepunkt unserer Geschichte angelangt&#8221;</em>, sagt <a title="http://uncoopsnews.org/?p=199" href="http://uncoopsnews.org/?p=199" target="_blank">Felice Scalvini</a>, Vizepräsident von Cooperatives Europe, <em>&#8220;unser Wirtschaftmodell kann nicht nur durch Profite angetrieben werden. Die Robustheit der Genossenschaften während der Krise beweist, dass Geschäfte von Menschen für Menschen einen bedeutenden Beitrag zu Nachhaltigkeit leisten.&#8221;</em></p>
<p>Monique Leroux, CEO der Desjardins Group, einer Genossenschaft, die zu den wichtigsten Finanzinstitutionen Kanadas zählt, sagte anlässlich der <a title="http://www.un.org/News/briefings/docs/2011/111031_Banks.doc.htm" href="http://www.un.org/News/briefings/docs/2011/111031_Banks.doc.htm" target="_blank">Vorstellung des Internationalen Jahres</a> der Genossenschaften: <em>&#8220;Die Occupy Wall Street Bewegung war eine Erinnerung, dass Humankapital wichtiger als Finanzkapital ist. Das kooperative Modell war ein Modell, das den Menschen langfristige Prosperität sicherte. Es gab sie, um Menschen zu unterstützen und die Realwirtschaft zu unterstützen.&#8221;</em></p>
<p>Diese Einschätzung teilt sie mit der Soziologin Gabriele Herbert, die in ihrem Beitrag <strong><em>Die unsichtbare Hand in der Selbstverwaltung</em></strong> schreibt: <em>&#8220;Das Kapital in genossenschaftlicher Hand verliert eine seiner wichtigsten Eigenschaften im Kapitalismus &#8211; seine Mobilität.&#8221;</em>  Das durch Arbeit erwirtschaftete Kapital wird in einer Genossenschaft an die Arbeitsplätze gebunden und bleibt so in der Region.</p>
<p>Die Praktiker_innen der <a title="http://www.irizar.com/index.php?s=7&amp;idi=DE" href="http://www.irizar.com/index.php?s=7&amp;idi=DE" target="_blank">Coop Irizar</a> bestätigen auf ihrer Website dieses gänzlich andere Verständnis unternehmerischen Handelns:<em> &#8220;Die Gesellschaft nimmt bei Irizar eine vorrangige Stellung ein. Schaffen von Wohlstand und Arbeitsplätzen in den Regionen in denen wir aktiv sind, ist ein grundlegender Aspekt im Leitbild des Unternehmens.&#8221;</em></p>
<h2>Also, was tun?</h2>
<p>&#8220;Hier wäre ein Feld, wo im Alltagsleben politisch gehandelt werden kann: indem man erstens versucht, möglichst viele Alltagsbedürfnisse wie Wohnen, Einkaufen, Reisen, Bankgeschäfte und vieles mehr auf genossenschaftliche Weise zu befriedigen, indem man sich zweitens als Mitglied in der Genossenschaft möglichst stark engagiert, zumindest aber die demokratische Kontrolle durch die Mitgliederversammlung wahrnimmt, und indem man drittens bereits bestehende &#8216;traditionelle&#8217; Genossenschaften wieder zu beleben versucht,&#8221; benennt Gabriele Herbert mögliche Handlungsoptionen.</p>
<p><strong>Links &amp; Quellen</strong><br />
<a title="http://social.un.org/coopsyear/" href="http://social.un.org/coopsyear/" target="_blank">http://social.un.org/coopsyear/</a> &#8211; Webseite der UNO zum Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012<br />
<a title="http://www.genossenschaften.de/" href="http://www.genossenschaften.de/" target="_blank">http://www.genossenschaften.de/</a> &#8211; Offizielle deutsche Website zum Internationalen Jahr der Genossenschaften</p>
<p><strong>Gabriele Herbert</strong> in Solidarische Ökonomie, Hg. Elmar Altvater/ Nicola Sekler, VSA-Verlag, 2006.</p>
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		<title>Grüezi Deutsche</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2011/gruezi-deutsche/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 14:27:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[& gute laune]]></category>
		<category><![CDATA[Einkaufen]]></category>
		<category><![CDATA[integration]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausländer_innen sollen sich anpassen. Vor allem im Ausland. Im Schweizer Kanton Zürich werden nun Ausländer_innen nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. Zum Beispiel das Ghörtsi in der Beiz für deutsche Staatsangehörige. Ein Modell für Wien? In Wien bekommt dann niemand &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2011/gruezi-deutsche/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ausländer_innen sollen sich anpassen. Vor allem im Ausland.</p>
<p><a href="http://www.uebersmeer.at/2011/gruezi-deutsche/gruezi_deutsche-2/" rel="attachment wp-att-735"><img class="alignnone size-medium wp-image-735" title="gruezi_deutsche" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/gruezi_deutsche1-225x300.jpg" alt="gruezi deutsche" width="225" height="300" /></a></p>
<p>Im Schweizer <a title="http://www.integration.zh.ch" href="http://www.integration.zh.ch">Kanton Zürich</a> werden nun Ausländer_innen nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. Zum Beispiel das Ghörtsi in der Beiz für deutsche Staatsangehörige.<span id="more-733"></span></p>
<p>Ein Modell für Wien?</p>
<p>In Wien bekommt dann niemand mehr ein Bier, der eine Halbe, ein Glas oder andere seltsame Angaben zur Bestellung im Beisl macht.</p>
<p>So könnte Integration auch in Wien gelingen!</p>
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		<title>Über den Bücherkampf</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2011/uber-den-bucherkampf/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 20:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[übers meer]]></category>
		<category><![CDATA[bücherversenkung]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Occupy]]></category>

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		<description><![CDATA[Bücher erzählen Geschichten, vermitteln Wissen, sind ein Kulturgut der Menschheit. Der Kampf gegen Bücher ist auch ein Kampf gegen Menschen. Zuerst brennen die Bücher, dann die Menschen. Wenigstens in Europa mögen sich daran noch einige erinnern. Die City of New &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2011/uber-den-bucherkampf/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bücher erzählen Geschichten, vermitteln Wissen, sind ein Kulturgut der<br />
Menschheit. Der Kampf gegen Bücher ist auch ein Kampf gegen Menschen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="pivot-image" style="border: 0px solid;" title="People's Library  im Fort Patti" src="/blog/pivot/images/peoples_library_occupy_wall_street_2011_shankbone.jpg" alt="People's Library  im Fort Patti" /></p>
<p>Zuerst brennen die Bücher, dann die Menschen. Wenigstens in Europa mögen sich daran noch einige erinnern.</p>
<p><span id="more-478"></span></p>
<p>Die City of New York und ihre mit staatlicher Autorität ausgestatteten Vertreter_innen negieren diese historische Lehre. &#8220;Wer vernichtet Bücher? Ist das ein <a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Fahrenheit_451" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Fahrenheit_451" rel="external">Ray Bradbury</a> Roman? Ist ihre neue Taktik die Semiotik des Faschismus bis zu einem solchen Niveau von Klischee zu treiben, dass eine Kommentierung unmöglich wird?&#8221; fragt <a title="http://www.newstatesman.com/blogs/laurie-penny/2011/11/occupy-wall-books-library" href="http://www.newstatesman.com/blogs/laurie-penny/2011/11/occupy-wall-books-library" rel="external">Laurie Penny</a> in ihrem Blog auf New Statesman.</p>
<p>Vor vier Tagen veröffentlichte das New York City Mayors Office ein Foto mit den Resten der People&#8217;s Library, der Bibliothek der Occupy Wall Street Aktivist_innen. Der armselige Rest, der mehr als 5.000 Bücher umfassenden Bibliothek, konnte in einem abgelegenen Mülllager von NYC abgeholt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><img class="pivot-image" style="border: 0px solid;" title="NYC Mayors Office" src="/blog/pivot/images/occupy_wall_street_library.png" alt="NYC Mayors Office" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was war passiert? Die gewaltsame Räumung des Liberty Park, früher Zucotti Park, entfernte nicht nur Menschen aus einem öffentlichen Raum, sondern auch deren Bücher. Das Fort Patti, benannt nach der OWS-Unterstützerin Patti Smith, in dem die People&#8217;s Library untergebracht war, wurde vollständig gekübelt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Presse wurden von willfährigen Kompliz_innen alle Bücher in Müllcontainer verklappt. Die meisten Bücher wurden dabei zerstört (neben <a title="http://motherboard.tv/2011/11/18/who-smashed-the-laptops-from-occupy-wall-street-inside-the-nypd-s-lost-and-found" href="http://motherboard.tv/2011/11/18/who-smashed-the-laptops-from-occupy-wall-street-inside-the-nypd-s-lost-and-found" rel="external">Laptops</a>) wie Aktivist_innen berichten. Der Rest kann als bewusstes Eingeständnis dieser kulturellen Schande im Mülllager abgeholt werden. Zuvor wurden alle aber zur Ausweisleistung genötigt.</p>
<p>Da passt es gut ins Bild eines sich verflüchtigenden Staates, dass die <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/JP_Morgan_Chase" href="https://de.wikipedia.org/wiki/JP_Morgan_Chase" rel="external">JPMorgan Chase</a> seit kurzem die New Yorker Polizei mit <a title="http://www.bloomberg.com/news/2011-06-03/scene-last-night-perelman-bon-jovi-at-new-city-police-foundation-s-gala.html" href="http://www.bloomberg.com/news/2011-06-03/scene-last-night-perelman-bon-jovi-at-new-city-police-foundation-s-gala.html" rel="external" target="_blank">4,6 Millionen Dollar</a> mitfinanziert. In der Wirtschaftssprache nennt man solche Mergers &#8220;<a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Feindliche_%C3%9Cbernahme" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Feindliche_%C3%9Cbernahme" rel="external">feindliche Übernahme</a>&#8220;.</p>
<p>Bibliotheken als Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft (Zitat: American Library Association) waren immer schon Attacken autoritärer prä- und vollzogener faschistischer Machtverhältnisse.</p>
<p>Wir wechseln in einen touristischen Hotspot Österreichs, ins liebliche Salzkammergut. In Ebensee befindet sich das engagierte Zeitgeschichte Museum. Dort findet sich ein spannendes Dokument der jüngeren Geschichte Österreichs.</p>
<p><strong>K i n d e r   g e f o l t e r t   !   Bücher versenkt</strong>,</p>
<p>ist dort zu lesen. Und weiter: &#8220;Arbeiter_innen, Ihr sollt es alle wissen, die Werke weltbekannter Philosoph_innen und Dichter_innen, die Lebenswerke [...] und Bücher aller grossen Denker_innen, die für das Proletariat gearbeitet haben, wurden in der Nacht vom 22. auf den 23.9. mit pfäffischer Hinterlist dem reissenden Wasser der Traun übergeben.&#8221;</p>
<p>Was war passiert? Das austrofaschistische Regime hatte es sich zur Aufgabe gemacht, systematisch Bücher in den Bibliotheken der Arbeiter_innschaft zu erfassen und zu verbrennen, darunter zum Beispiel subversive Autor_innen wie Peter Rosegger oder <a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/John_Habberton" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/John_Habberton" rel="external">John Habbertons</a> Helenes Kinderchen. In Ebensee ging der klerikal ausgerichtete Pöbel zur nahen Traun und warf sie wie blöd hinein. Es war wohl so, dass sich die Strudel des Flusses im Traunsee verliefen und die Bücher am seichten Ufer angeschwemmt wurden. Ein paar Arbeiterbuben, die die Aktion beobachteten, holten einige der versenkten Bücher aus dem Wasser &#8211; und wurden dabei &#8220;ertappt&#8221;.</p>
<p>Anschließend schaffte man sie in die Wachstube und wurden von den Polizist_innen geschlagen. Über die Misshandlung heißt es in dem Dokument: &#8220;Und zwar in derart bestialischer Weise wurden sie gedroschen, dass ihr Schmerzgeheul bis auf die Straße drang. Und warum wurden sie geschlagen? Und von wem wurden ihnen das Bajonett angesetzt? Vom würdigen Führer der räudigen Schafe und der pfeiffende Jung ließ es gelten. Und warum? Weil die tapferen Jungen Bücher retten wollten, in ihrer Erkenntnis der Gerechtigkeit und Wahrheit im Kampf gegen viehische Rohheit und Dummheit, für die Arbeiter_innenklasse.&#8221;</p>
<p>Nach der Amtsmisshandlung wurden die Bücher von der Polizei neuerlich und &#8220;in richtiger Weise&#8221; versenkt, wie in einem amtlichen Protokoll vermerkt wurde.</p>
<p>Das Dokument, gezeichnet K.P.E,  stellt die immer noch gültige Frage: &#8220;Wie tief liegt der Hass in diesen Menschen gegen allen Fortschritt, wie stark wurzelt die Dummheit in jenen Gehirnen, Schamröte überflutet unser Gesicht, wenn wir daran denken, mit solchem Geschmeiß zusammenleben zu müssen.&#8221;</p>
<p style="text-align: center;"><img class="pivot-image" style="border: 0px solid;" title="Büchervernichtung in Ebensee" src="/blog/pivot/images/buechervernichtung_ebensee.jpg" alt="Büchervernichtung in Ebensee" /></p>
<p>Die Formulierung mit dem &#8220;Geschmeiß&#8221; disqualifiert den sonst brillianten Text, kann aber auch nur im Kontext der Zeit und der eskalierenden Verhältnisse gelesen und verstanden werden.</p>
<p><a title=" http://www.2600.com/news/view/article/12159" href="http://www.2600.com/news/view/article/12159" rel="external">&#8220;2600: The Hacker Quarterly&#8221;</a> schreiben zu den Ereignissen der New Yorker Büchervernichtung:</p>
<p>Wir bedanken uns auch bei denen, die nicht notwendigerweise den Zielen der Bewegung zustimmen aber guten Willens sind, sich mit wachem Kopf und offenem Geist mit diesen auseinanderzusetzen und alles hinterfragen, was ihnen medial vorgesetzt wird. Diesen Text inklusive.&#8221;</p>
<p>Including this!</p>
<p>Fotonachweis:</p>
<p><a title="http://yfrog.com/nzdr7ndj" href="http://yfrog.com/nzdr7ndj" rel="external">http://yfrog.com/nzdr7ndj</a><br />
<a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/The_People%27s_Library" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/The_People%27s_Library" rel="external">https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/The_People%27s_Librar</a><a title="Zeitgeschichtemuseum Ebensee" href="http://www.memorial-ebensee.at" target="_blank">y</a></p>
<p>Link:</p>
<p><a title="Zeitgeschichte Museum Ebensee" href="http://www.memorial-ebensee.at" target="_blank">www.memorial-<strong>ebensee</strong>.at</a></p>
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		<title>Austria is hungary</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2011/austria-is-hungary/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 22:50:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[übers meer]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>

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		<description><![CDATA[Der ungarische Donautaliban teilenteignet Banken. Österreichische Banken reagieren mit Wertberichtigungen. Was sagen dazu Zeitzeugen? Alexander Spitzmüller, Anfang der 1920-er Jahre Gouverneur der Notenbank, forderte, &#8220;dass die Wiener Großbanken dem Wahne entsagten, sie könnten noch weiterhin ihre mitteleuropäische Position aufrecht erhalten.&#8221; &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2011/austria-is-hungary/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der ungarische Donautaliban teilenteignet Banken. Österreichische Banken<br />
reagieren mit Wertberichtigungen. Was sagen dazu Zeitzeugen?</p>
<p style="text-align: center;"><img class="pivot-image" style="border: 0px solid;" title="austria is hungry" src="/blog/pivot/images/houngary.jpg" alt="austria is hungry" /></p>
<p>Alexander Spitzmüller, Anfang der 1920-er Jahre Gouverneur der Notenbank, forderte, &#8220;dass die Wiener Großbanken dem Wahne entsagten, sie könnten noch weiterhin ihre mitteleuropäische Position aufrecht erhalten.&#8221;</p>
<p>In &#8220;&#8230; und hat auch Ursach&#8217;, es zu lieben&#8221; schrieb Spitzmüller 1955:</p>
<p><span id="more-149"></span></p>
<p>&#8220;Nach meiner Ansicht waren diese Positionen in der Tschechoslowakei, in Polen, in Jugoslawien und auch in Ungarn abzustoßen, wodurch vor allem ein reichlicher Devisenbestand ins Land gekommen wäre und die Herstellung einer bescheidenen, aber doch soliden Grundlage für die österreichische Wirtschaft hätte erzielt werden können. Allerdings hätte zu diesem Behufe der übergroße Bankapparat wesentlich reduziert werden müssen, wodurch aber eben die späteren schweren Bankzusammenbrüche vermieden worden wären. Statt diese Methode einzuschlagen, strebten manche Bankinstitute danach, ihren Wirkungskreis noch auszudehnen&#8230; Meine Vorstellungen im Finanzministerium stießen in dieser Beziehung auf taube Ohren. Man erklärte es für unbegreiflich, dass ich für die Mission der altangesehenen Wiener Bankinstitute in Mitteleuropa kein Verständnis hätte.&#8221;</p>
<p>&#8220;Spitzmüller hat also schon zu Beginn der zwanziger Jahre die Gefahren erkannt, die in dem Expansionsstreben und der Großmannsucht des österreichischen Kreditapparates lagen. Man kann seinen Vorschlag als eine der vielen versäumten Gelegenheiten bezeichnen, die den ins Verderben führenden Weg der Finanz- und Währungspolitik der Ersten Republik säumten, es ist bedauerlich, dass er offenbar schon im engsten Kreis abgewürgt und daher in der Öffentlichkeit nicht einmal diskutiert wurde.&#8221; (Karl Ausch, 1968)</p>
<p>Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber es gibt Wiederholungen in der Geschichte.</p>
<p>&#8220;Eine systemische Krise entsteht immer auch aus systemischem Fehlverhalten.&#8221; (<a title="http://derstandard.at/1317019954563/Die-Krise-erreicht-eine-systemische-Dimension" href="http://derstandard.at/1317019954563/Die-Krise-erreicht-eine-systemische-Dimension" rel="external">Hans Rauscher</a>, 2011)</p>
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		<item>
		<title>Das Waldsterben-Syndrom</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2011/das-waldsterben-syndrom/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 21:07:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[woz]]></category>
		<category><![CDATA[Sahra Wagenknecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Als weltweit die Stahlindustrie kollabierte und die Politik der OPEC den Ölhahn zudrehte, begann wenig später der Wald zu kränkeln. Und danach das Parteiensystem. Und später &#8230; Überall tote Bäume, das Erzgebirge nahezu waldfrei. Eine herzerfrischende Debatte, ob das Waldsterben &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2011/das-waldsterben-syndrom/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als weltweit die Stahlindustrie kollabierte und die Politik der OPEC den<br />
Ölhahn zudrehte, begann wenig später der Wald zu kränkeln. Und danach<br />
das Parteiensystem. Und später &#8230;</p>
<p><img class="pivot-image" style="float: left; margin-right: 10px; margin-bottom: 5px; border: 0px solid;" title="Recht den Ansässigen" src="/blog/pivot/images/direito_ao_local.jpg" alt="Recht den Ansässigen" />Überall tote Bäume, das Erzgebirge nahezu waldfrei. Eine herzerfrischende Debatte, ob das Waldsterben nun eine ins psychopathische weisende Fiktion oder der Anfang vom Ende der Welt sei, beherrschte nicht nur das Feuilleton, sondern damals auch noch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Waldsterbengrenze verlief nicht nur zwischen Sprachbarrieren, sie verschob auch die gesellschaftlichen Koordinaten einer absterbenden Industriegesellschaft. Nicht die Klassengrenzen bestimmten den Standpunkt in der Diskussion, vielmehr verlief sie zwischen den Systemerhalter_innen, dem produzierenden Kapital und ihren Lohnabhängigen, und den Systemfeinden. Wirtschaftsfeindlich, leistungsfeindlich, nützliche Idiot_innen, im Solde aller möglichen Feinde des freien Westens, jawoll, so waren sie.</p>
<p><span id="more-147"></span></p>
<p><strong>Es geht uns gut</strong></p>
<p>Vorbei die Zeiten, als die deutsche Eiche verstarb. Genuss und Verbrauch sind möglich, wenn wir regionale Produkte von lokalen, schlechten Arbeitgeber_innen kaufen, wenn <a title="https://www.regenwald.org/mailalert/747/rama-der-blutige-aufstrich-von-unilever" href="https://www.regenwald.org/mailalert/747/rama-der-blutige-aufstrich-von-unilever" target="_blank">indonesischer</a> Agrartreibstoff unsere Hybridkarre mit 1.000 toten Mücken an der Scheibe antreibt und 7-lagige Tissues aus nachhaltig bewirtschafteten brasilianischen <a title="http://www.uebersmeer.at/2010/furstliches-land-grabbing/" href="http://www.uebersmeer.at/2010/furstliches-land-grabbing/">Eukalyptuswäldern</a> nach dem Genuss die sichere Hygiene erleichtern. Es geht uns gut. Was fehlt ist ein Smartphone mit Gütesiegel für sanft abgebaute seltene Erden und ein social web mit ökostrombetriebenen Servern.</p>
<p>Gloria, Gloria</p>
<p>Der, die, das Transsexuelle Gloria wurde als Alternative-Liste-Spitzenkandidat_in dieser aufstrebenden hegemonialen  Formation auf Plakaten affichiert &#8211; heutzutage ein politischer Suizid. Aus dieser diffusen und seltsamen urbanen Parallelgesellschaft kristallisierte sich schließlich eine gewinnlerische Gruppe heraus, die wieder einmal den Gang durch die Institutionen wagte: Die Grünen.</p>
<p>Auf ihrer Agenda fanden sich verschiedenste Themen: Die grundsätzliche Infragestellung der <a title="http://www.decroissance-bern.ch/index.php" href="http://www.decroissance-bern.ch/index.php" target="_blank">Wachstumslogik</a> fand genauso ihren Niederschlag wie die konkrete Utopie einer Welt ohne militärischer Bedrohung. Der Zusammenhang zwischen dem militärisch-industriellem Komplex und der &#8220;friedlichen&#8221; Nutzung der Atomkraft wurde der Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerufen. Und schwefeliger saurer Regen bedrohte unseren ach so geliebten Wald dessen Betreten uns Schilder mit den wechselnden Aufschriften «Forstliches Sperrgebiet» und «Jagdliches Sperrgebiet» so nachhaltig wie nachdrücklich untersagten.</p>
<p>Während es zur gleichen Zeit in den Peripherien, vor dem erholungsspendenden Wald, noch zum sozidalen Codex der Großmüttergeneration gehörte, beim Betreten des öffentlichen Raums ein Kopftuch aufzusetzen.</p>
<p>Heute stehen in allen Parteiprogrammen Ökothemen. Grünthemen sind politisch klimaneutral. Die Grünen sind neutralisiert und ihre «Fuehrer_innen» politische Neutrums im Zentrum einer agilen Dienstleistungsgesellschaft, die behauptet keine Arbeiter_innen mehr zu kennen.<br />
<strong>Marxismus reloaded</strong></p>
<p>&#8220;Hat am Ende die Linke recht?&#8221; fragt neuerdings besorgt der erzkonservative Publizist Charles Moore nach <a title="http://www.newyorker.com/archive/1997/10/20/1997_10_20_248_TNY_CARDS_000379653" href="http://www.newyorker.com/archive/1997/10/20/1997_10_20_248_TNY_CARDS_000379653">längerer Nachdenkpause</a>. Frank Schirrmacher von der von manchen angesehenen Frankfurter Allgemeinen befielen jüngst ähnlich geschichtete Sorgen. Die liberal-konservative Hamburger &#8220;Zeit&#8221; hält gar die Beherrschung der Welt in den Händen weniger Plutokraten für nicht mehr denkunmöglich.</p>
<p>Welche Suchmaschine befragen wir schnell? In welchem Netzwerk verplempern Oma und Opa neuerdings ihre Zeit? Welches Betriebssystem bietet auch bösartiger Software ein nettes Zuhause? Von wem stammt der Prozessor? Wer betreibt die <a title="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35467/1.html" href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35467/1.html" target="_blank">Satelliten</a>, die uns auf der Autobahn zuverlässig von A nach B lotsen? Wie heißt der Supermarkt ums Eck und wie der konkurrenzierende Billigladen ums nächste Eck aus dem gleichen Haus? Was war das nochmal für eine Telekomfirma, bei der ich auch in Asien im Heimnetz telefonieren kann? Dürfen wir <a title="http://www.zeit.de/2011/36/Finanzkrise-Demokratie" href="http://www.zeit.de/2011/36/Finanzkrise-Demokratie" target="_blank">Jens Jessen</a> wirklich glauben? Welche Kreditkarte, Stromversorger_innen, Selbstbaumöbel? Kann tatsächlich eine allmächtige Plutokratie unser demokratisches System ohne entschiedenen Widerstand kapern?</p>
<p>Wir schöpfen Hoffnung. Denn Rettung ist unterwegs und hat einen Namen: Sahra Wagenknecht. In einem Interview in der aktuellen woz wird sie zu ihrem Buch &#8220;Freiheit statt Kapitalismus. Wie wir zu mehr Arbeit, Innovation und Gerechtigkeit kommen&#8221; befragt. Nein, viel mehr werden ihre Thesen abgeklopft, kritisch hinterfragt, Inkosistenzen aufgedeckt.</p>
<p>Sie rekapitulieren äußerst wohlwollend die Ideen liberaler Ökonomen. Was findet eine Kommunistin an diesen Leuten?, lautet eine der Fragen. Antwort Sahra Wagenknecht: Sie hatten klare Auffassungen zur Wirtschaft. Frage: Ihre Hauptkritik richtet sich gegen die weltweit zunehmende Konzentration von Eigentum: in Konzernen, Banken, Familien. Diese habe die Wirtschaft innovations- und leistungsfeindlich gemacht. Hat der Kapitalismus nicht eher zu einem Boom geführt? Antwort: Früher ja, heute nicht mehr. Frage: Warum eine Vermögensabgabe? Bei einem Teilstaatsbankrott würden Schulden einfach gestrichen? Antwort: Ja, man kann es auch so machen. Die Staaten müssten dann aber die Banken rekapitalisieren, und dafür müssten sie wieder Geld bei den Reichen holen. Denn: Gehen die Banken bankrott, verlieren nicht nur die Millionär_innen ihr Geld, sondern auch Otto Normalverbraucher, der vielleicht 20.000 Euro auf dem Konto hat. Frage: In ihrem Entwurf einer neuen Eigentumsordnung ist Privateigentum aber durchaus vorgesehen. Antwort Wagenknecht: Ja. Es muss möglich sein, ein Unternehmen zu gründen und damit entsprechend zu verdienen. Frage: Verkaufen Sie da nicht eine Reform als Paradigmenwechsel. Antwort: Das wird mir ja von einigen Linken vorgeworfen. Nochmals: Kapitalismus ist ein System, in dem eine Minderheit, die Eigentum besitzt, von der Arbeit der Mehrheit lebt. Geht das Gros des Eigentums an die Belegschaft oder die öffentliche Hand, ist diese Möglichkeit nicht mehr gegeben.</p>
<p>Da hat&#8217;s ein Eck</p>
<p>Als es noch keine Nikolaus-Agenturen gab, die unterernährten Student_innen prekäre Jobs ermöglichten, sondern kampfbereite Fabriksarbeiter_innen in patriidiotischer Verkleidung (hey, das ist Österreich oder Estland!) aus purem Jux und Tollerei unfolgsame Kinder maßregelten, als ob die klirrende Kälte nicht Strafe genug wäre, sagte mir Karl Marx, ich wusste nämlich sofort, da steht der gute alte Marx vor mir, in bemühtem Hochdeutsch: Mein lieber du, da hat&#8217;s ein Eck!</p>
<p>Ein Eck hat&#8217;s auch bei Wagenknecht. Vielleicht ist der deutsche oder griechische &#8220;Otto Normalverbraucher&#8221; wohlhabender und hat 20.000 Euro (plus?) am Konto. Alle haben ein Unternehmen mit dem sie entsprechend verdienen? Wen verdienen diese Unternehmer_innen, den Mehrwert vielleicht? Was verdienen diese Unternehmer_innen, möglicherweise Geld? Schnödes Geld, das nach Marx die Brücke darstellt, die die Machtübertragung von der Gesellschaft hin zu Privaten ermöglicht? Wozu Energien darauf verwenden, Einfluss bei Autokonzernen zu erlangen, die ihren ökonomischen Zenit längst überschritten haben?</p>
<p>Beginnt in der Kapitalismuskritik das Waldsterben-Syndrom bei der Linken zu wirken? Wer das Interview in der woz liest, denkt unwillkürlich an die Geschichte der Grünen, die sich ihrer Radikalkritik an unbegrenztem Wachstum in größter Opportunität und elendigstem Pragmatismus alsbald entledigten und an ihre Stelle blankpolierte Wirtschaftsphrasen setzten: Fortschritt durch Technik! Oder an die Geschichte der Sozialdemokratie, gerade an <a title="http://www.uebersmeer.at/2011/zeit-fur-entstaatlichung/" href="http://www.uebersmeer.at/2011/zeit-fur-entstaatlichung/">Otto Bauer</a> und seine Idee der gemeinwirtschaftlichen Anstalten. Und will tatsächlich irgendwer <a title="http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lafargue" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lafargue" target="_blank">mehr Arbeit</a>? Sind nicht Entschleunigung und Müßiggang die passenden Werkzeuge für ein gutes Leben?</p>
<p>Verschobene Koordinaten</p>
<p>Man kann Sahra Wagenknecht auch so lesen, dass die gesellschaftlichen Brüche und politischen Verwerfungen stärker sind als zu befürchten war: Die Linke wurde dorthin versetzt, wo noch vor dreißig, vierzig Jahren die Sozialdemokratie stand: Fortschritt durch Arbeit und realem Wirtschaftswachstum, Gleichheit und Beteiligung durch soziale und ökonomische Reformen.</p>
<p>Ob die Linke mit Rezepturen aus der Mottenkiste bei Wahlen punkten kann? Klarheit verschafft einzig die Forderung der Verstaatlichung des Bankensektors. Eher wahrscheinlich, dass ihre Vorschläge schneller im gesachzwängelten Mainstream landen, als die weichgewaschene Partei selbst dies schaffen kann.</p>
<p><a title="http://www.kaernoel.at/cgi-bin/kaernoel/comax.pl?page=page.std;job=CENTER:articles.single_article;ID=3066" href="http://www.kaernoel.at/cgi-bin/kaernoel/comax.pl?page=page.std;job=CENTER:articles.single_article;ID=3066">Elektrisieren</a> tut das Ganze jedenfalls nicht wirklich. Das muss aber auch nicht sein.</p>
<p>Vorerst.</p>
<p><strong>Quelle:</strong></p>
<p><a title="ttps://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Die_Wochenzeitung" href="ttps://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Die_Wochenzeitung">woz</a> &#8211; <a title="http://www.woz.ch/artikel/2011/nr36/wirtschaft/21119.html" href="http://www.woz.ch/artikel/2011/nr36/wirtschaft/21119.html">Die Wochenzeitung</a>, 8. September 2011, Frage-Antwort-Zitate sind stark gekürzt.</p>
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		<title>Occupy Vienna</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 09:15:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[übers meer]]></category>
		<category><![CDATA[Occupy]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Betrachten wir diese wunderschöne Bewegung als wichtigste Sache der Welt. (Naomi Klein) Ich bin Langschläfer_in. Der betriebsame Tag kann mir von je her gestohlen bleiben. Aber der heutige Tag ist ein ganz besonderer. Globaler Frühling statt global warming. Gestern kramte &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2011/occupy-vienna/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Betrachten wir diese wunderschöne Bewegung als wichtigste Sache der Welt. (Naomi Klein)</p>
<p>Ich bin Langschläfer_in. Der betriebsame Tag kann mir von je her gestohlen bleiben. Aber der heutige Tag ist ein ganz besonderer.</p>
<p>Globaler Frühling statt global warming.<br />
<span id="more-150"></span></p>
<p>Gestern kramte ich zwischen alten Filmdosen, mehreren Walkmans mit Recordingfunktion und einem Oma-Handy für das D-Netz meinen Wecker hervor. Ein alter AA-Akku lag auch irgendwo dazwischen. Tick, tick, tick. An das Geräusch einer analogen Uhr muss man sich beim Einschlafen erst gewöhnen.</p>
<p>Der Wecker läutet nicht. Er brummt. Unfreundlich und in kurzen Intervallen. Der Mond wirft sein metallisches Licht auf meine Matratze. Hell, klar und kalt blitzt die Nacht noch ins Zimmer. Verrückt, aber heute  ist ein besonderer Tag, den ich besonders begehen will.</p>
<p>Ich wanke aufs Klo und dann ins Bad. Mein 7-Tages-Bart wird heute abgenommen, nehme ich mir nach einem verschlafenen Blick in den dreiteiligen Noname-Allibert vor. An die Faltencrème sollte ich auch öfters denken. Ein Vorsatz, mehr wahrscheinlich nicht, sinniere ich, während an der Wohnungstür ein kurzes Aufklatschen am Boden die Ankunft der Zeitung signalisiert. Metallerstreiks ausgeweitet.</p>
<p>Rot, was sonst, heute kann es nur der rote Nagellack sein, nicht unbedingt mein Lieblingsnagellack und nur meine linken werden herausgeputzt. Meine Prinzess_innenkleider habe ich neben der Dusche bereit gelegt. Ich nenne sie immer Meine Prinzess_innenkleider, denn sie passen mir wunderschön und am wunderschönsten finde ich die Satin-Röschen am Oberteil. Meistens laufe ich nur in öden Blue Jeans, die mit dem Schlitz im Gesäß, herum und freue mich über neugierige Blicke auf der Straße.</p>
<p><img class="pivot-image" style="float: left; margin-right: 10px; margin-bottom: 5px; border: 0px solid;" title="yes we camp" src="/blog/pivot/images/yes_we_camp.jpg" alt="yes we camp" />Heute werden die Angesammelten noch zu schwach sein. Doch bald werden sie so stark sein, dass sie wie eine Lawine herniederschmettern auf alle, von denen sie jetzt ausgebeutet und ausgesaugt werden. Danach werden sie die Herren [sic!] von dem werden, was ihnen jetzt nicht gehört. Dann werden ihnen auch die Geldpaläste gehören.<br />
Rief der Rotgardist in die Menschenmenge.</p>
<p>Am 9. November 1918 zog der Schriftsteller <a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Franz_Werfel" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Franz_Werfel" rel="external" target="_blank">Franz Werfel</a> mit vielen anderen vom Parlament zum Schottentor und weiter zum Wiener Bankverein, wo er nach Aussagen des Polizei-Bezirksinspektors Rudolf Schupp diese Rede gehalten haben soll.</p>
<p>In einer polizeilichen Vernehmung am 21. November bestätigte der Ur-Christ Franz Werfel die ihm zugeschriebenen Außerungen, bestritt aber den Aufruf zur gewaltsamen Erstürmung des Wiener Bankverein. Im Gegenteil: Der Endsieg [sic!] ist gesichert und deshalb sollte alles unterbleiben, was der Würde der Kundgebung abträglich ist. Als Versuch der Kalmierung sei Werfels Wortmeldung zu verstehen. Der vernehmende Polizist Dr. Johann Presser schenkte Werfels Aussage Glauben, wies ihn aber auf mögliche Folgen hin, da er in Österreich kein Heimatrecht besitzt und &#8220;nach Prag zuständig sei&#8221;.</p>
<p>Wir lernen: Sozialkampfrhetorische Christ_innen und Schüblinge [sic!] haben in Österreich traurige Tradition.</p>
<p><strong>Quelle:</strong> Hans Hautmann, Die verlorene Räterepublik, Europa-Verlag.<br />
<strong>Links:</strong><br />
<a title="http://takethesquare.net/" href="http://takethesquare.net/" rel="external">http://takethesquare.net/</a><br />
<a title="http://october2011.org/" href="http://october2011.org/" rel="external">http://october2011.org/</a><br />
<a title="http://nycga.cc/" href="http://nycga.cc/" rel="external">http://nycga.cc/</a><br />
<a title="http://www.occupytogether.org/" href="http://www.occupytogether.org/" rel="external">http://www.occupytogether.org/</a><br />
<a title="http://www.walktobrussels.eu/" href="http://www.walktobrussels.eu/" rel="external">http://www.walktobrussels.eu/</a><br />
<a title="http://www.wege-aus-der-krise.at/aktionen/15-oktober-europaweiter-aktionstag/aktionen-in-oe.html" href="http://www.wege-aus-der-krise.at/aktionen/15-oktober-europaweiter-aktionstag/aktionen-in-oe.html" rel="external">http://www.wege-aus-der-krise.at/</a><br />
<a title="http://akin.mediaweb.at/2011/22/22o15.html" href="http://akin.mediaweb.at/2011/22/22o15.html" rel="external">http://akin.mediaweb.at/</a></p>
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		<title>Am Vorabend einer Revolution</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 20:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[woz]]></category>
		<category><![CDATA[Jean Ziegler]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wir stehen am Vorabend einer Revolution&#8221;, diese Überzeugung vertritt Jean Ziegler gegenüber der Schweizer Wochenzeitschrift woz. Der 77-jährige Jean Ziegler hört das Gras wachsen, eine Fähigkeit, die nach Karl Marx allen Revolutionär_innen eigen sein muss. Ziegler beobachtet das Entstehen von &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2011/am-vorabend-einer-revolution/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wir stehen am Vorabend einer Revolution&#8221;, diese Überzeugung vertritt Jean Ziegler gegenüber der Schweizer Wochenzeitschrift woz.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="pivot-image" style="border: 0px solid;" title="Joseph Beuys" src="/blog/pivot/images/revolutionaere_kraft.jpg" alt="Joseph Beuys" /></p>
<p>Der 77-jährige Jean Ziegler hört das Gras wachsen, eine Fähigkeit, die nach Karl Marx allen Revolutionär_innen eigen sein muss.<br />
<span id="more-144"></span></p>
<p>Ziegler beobachtet das Entstehen von &#8220;etwas radikal Neuem&#8221; nach dem in den letzten Dekaden sich die Arbeiter_innen des <a title="http://de.wikipedia.org/wiki/Klassenbewusstsein" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klassenbewusstsein" target="_blank">Klassenbewusstseins</a> entledigt haben und revolutionäre Organisationen zu Sekten mutierten. &#8220;Wir befinden uns an der Schwelle zu einem Aufstand des Gewissens. Was heute wirkt, ist der kategorische Imperativ. Immanuel Kant sagte, die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.&#8221; Ziegler argumentiert mit seinen Erfahrungen bei den Heiligendamm-Protesten: &#8220;Die Staatschefs hatten sich hinter Stacheldraht versteckt. Draußen protestierten Lehrer_innen, Pfarrer, Lehrlinge und so weiter. Ihr Motor war kein Zentralkomitee, keine kohärente Ideologie, kein Parteiprogramm. Der einzige Motor war der kategorische Imperativ: Wir wollen die kannibalistische Weltordnung nicht mehr.&#8221;</p>
<p>Auch die Revolutionär_innen von 1789 planten nicht die Revolution, als sie sagten: &#8220;Gopferteckel, jetzt befreien wir unsere Copains aus dem Kerker, sie haben Familie und Kinder, die sie ernähren müssen&#8221;, bevor sie die Bastille stürmten. &#8220;Der revolutionäre Prozess ist die Befreiuung der Freiheit im Menschen, wie Sartre schreibt. Was der Mensch mit dieser Freiheit individuell und kollektiv anstellt, ist unvorhersehbar. Freiheit hat eine eigene Dynamik. Dass der französische König hingerichte wurde, dass die Republik erfunden wurde und so weiter, das konnten die Revolutionär_innen nicht wissen. Klar ist, dass der Wille zur Freiheit konstitutiv ist wie das Essen, die Liebe, der Sexualtrieb. Die Menschen lassen sich nicht ewig unterdrücken. Sie sprengen die Ketten. Heute bilden eine vitale Zivilgesellschaft, die Frauenbewegung, die Landlosenbewegung, Attac, Via Campesina das revolutionäre Potenzial &#8211; das ist radikal neu, schreibt das auf! Ich bin überzeugt, wir stehen am Vorabend einer Revolution, der Aufstand des Gewissens kommt.&#8221;</p>
<p>Den Dialog mit den Mächtigen lehnt der unbeugsame Ziegler rundweg ab. Wozu sich selbst entwaffnen? Stattdessen Radikalkritik üben und die kannibalistische Weltordnung mit demokratischen Mitteln stürzen. Die Waffenarsenale stehen nach Ziegler in den ungelebten Verfassungen der demokratischen Staaten. Abgeordnete wählen, die nicht Parteieninteressen vertreten, sondern die <a title="http://www.pcs.org.uk/en/campaigns/campaign-resources/there-is-an-alternative-the-case-against-cuts-in-public-spending.cfm" href="http://www.pcs.org.uk/en/campaigns/campaign-resources/there-is-an-alternative-the-case-against-cuts-in-public-spending.cfm" target="_blank">Interessen</a> der Wähler_innen. Auch könnte man &#8220;die Spekulation auf Agrarrohstoffe und Agrardumping der EU in Afrika sofort verbieten. Dann müsste die afrikanischen Bäuer_innen nicht gegen Billigimporte konkurrieren und könnten ihre Familien ernähren. Dann würde der Strom der Hunger- und Wirtschaftsflüchtlinge abreissen. Diese Menschen, die Tausende Kilometer auf offenem Meer zu den kanarischen Inseln zurücklegen, würden nicht mehr in den Fluten des Atlantiks ertrinken.&#8221;</p>
<p>Die woz fragt nach: Sie sprechen von Waffen, die bereitliegen. Weshalb holt die Schweizer Linke sie nicht hervor?</p>
<p>Ziegler: &#8220;Die Schweizer Linke liegt im Koma. Sie sollte in die Opposition gehen, raus aus dem Bundesrat <em>(Anm.: Regierung)</em>, weg von dieser Dialog- und Konsenspolitik. In diesem Land halten die <a title="http://www.peoplesworld.org/unemployment-insurance-under-attack/" href="http://www.peoplesworld.org/unemployment-insurance-under-attack/" target="_blank">Steuerzahler_innen</a> die Banken aus, in Genf geht die Hälfte des Lohns für die Miete drauf, wenn du überhaupt eine <a title="http://www.ukuncut.org.uk/blog/guest-post-but-im-not-a-squatter" href="http://www.ukuncut.org.uk/blog/guest-post-but-im-not-a-squatter" target="_blank">Wohnung</a> findest. Die Linke sollte den Generalstreik anvisieren.&#8221;<br />
Am besten ein europäischer <a title="http://www.kaernoel.at/cgi-bin/kaernoel/comax.pl?page=page.std;job=CENTER:articles.single_article;ID=3077" href="http://www.kaernoel.at/cgi-bin/kaernoel/comax.pl?page=page.std;job=CENTER:articles.single_article;ID=3077" target="_blank">Generalstreik</a> am 15. Oktober, statt ineffizienten Standkundgebungen&#8230;</p>
<p>Dieses spannende Interview kann in der aktuellen Ausgabe der <a title="http://www.woz.ch" href="http://www.woz.ch" target="_blank">woz</a> &#8211; Die Wochenzeitung nachgelesen werden.</p>
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