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		<title>Chemin Walter Benjamin, der F-Weg</title>
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		<pubDate>Sat, 19 May 2012 21:14:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Olivenbäume sollten unsere Grenzen sein&#8221;, schrieb 1976 Dani Karavan, Planer des Passagen-Denkmals in Portbou. Und gerne wollte man hinzufügen: Unsere Möglichkeiten sollten unsere Grenzen sein. Die Grenze zwischen Spanien und Frankreich wird nicht mit Olivenbäumen in die Landschaft geschrieben. Dafür &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/chemin-walter-benjamin-der-f-weg/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_900" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/ruta-walter-benjamin.jpg"><img class="size-full wp-image-900" title="ruta-walter-benjamin" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/ruta-walter-benjamin.jpg" alt="ruta walter benjamin" width="500" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Der Klassenkampf, der einem Historiker, der an Marx geschult ist, immer vor Augen steht, ist ein Kampf um die rohen und materiellen Dinge, ohne die es keine feinen und spirituellen gibt.&quot;</p></div>
<p>&#8220;Olivenbäume sollten unsere Grenzen sein&#8221;, schrieb 1976 Dani Karavan, Planer des Passagen-Denkmals in Portbou. Und gerne wollte man hinzufügen: Unsere Möglichkeiten sollten unsere Grenzen sein.</p>
<p>Die Grenze zwischen Spanien und Frankreich wird nicht mit Olivenbäumen in die Landschaft geschrieben. Dafür ist das Klima zu unwirtlich. Oben am Coll de Rumpissa, auf etwa 500 Metern über Meer, fühlt man sich mehr in alpine Höhenlagen unterhalb der Baumgrenze versetzt. Der Wind wälzt sich in mitunter heftigen Böen von den schneeweißen Gipfeln der Pyrenäeen weit übers Meer, die Wege sind hier oben felsig und hinter jeder mehr als nur schmächtigen Korkeiche lauert ein wilder Stier.<br />
<span id="more-898"></span><br />
Statt Stieren, vor denen Lisa Fittko Benjamin warnte, treiben nun, den Spuren nach zu urteilen, wilde Wildschweine auf der Nahrungssuche ihr Unwesen. Die Wegbeschaffenheit war damals, als sich Walter Benjamin auf seinen beschwerlichen Gang in die vermeintliche Sicherheit begab, wahrscheinlich kaum eine andere als heute.</p>
<div id="attachment_901" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/banyuls-puig-del-mas.jpg"><img class="size-full wp-image-901" title="banyuls-puig-del-mas" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/banyuls-puig-del-mas.jpg" alt="Blick auf Banyuls-sur-mer" width="400" height="268" /></a><p class="wp-caption-text">Blick auf Puig del Mas und Banyuls-sur-mer</p></div>
<p>Vom Rathaus in Banyuls-sur-mer führt der Weg aus dem Ort entlang dem Flüsschen Baillaury. Kurz nach der Bahnunterführung nimmt man den Weg über die kleine Brücke und spaziert nach Puig del Mas, das Lisa Fittko als das ursprüngliche Banyuls-sur-mer bezeichnete. Hier windet sich die Straße nach rechts, wir nehmen die obere Straße. Links folgt ein Parkplatz, den wir überqueren. Danach geht es zwischen Träumen vom Eigenheim halbwegs gerade wieder abwärts Richtung Weinberge.</p>
<div id="attachment_902" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/banyuls-weingarten.jpg"><img class="size-full wp-image-902" title="banyuls-weingarten" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/banyuls-weingarten.jpg" alt="Rebstockveredelung" width="400" height="268" /></a><p class="wp-caption-text">Rebstockveredelung im Weingarten</p></div>
<p>Wenn am Ende des Dorfes die Straße stark nach rechts möchte, zum alten Dorfkern von Puig el Mas, vor uns liegen die Weinberge, links endet die Häuserzeile, nehmen wir beim letzten Zaun den Pfad steil nach unten (Wegweiser beachten). Das (meist trockene) Bachbett durchqueren und hangwärts den anfangs asphaltierten Weg nehmen.</p>
<p>Der Chemin Walter Benjamin ist grundsätzlich ausgeschildert, allerdings fehlen an einigen Weggabelungen doch die entscheidenden Hinweise. Dies gilt insbesondere für den Abschnitt durch die Weingärten. Im Zweifel wählt man den Weg, der sich an den Höhenrücken orientiert und mit stetiger und streckenweise kräftiger Steigung nach oben führt.</p>
<div id="attachment_903" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/chemin-walter-benjamin.jpg"><img class="size-full wp-image-903" title="chemin-walter-benjamin" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/chemin-walter-benjamin.jpg" alt="chemin walter benjamin" width="180" height="269" /></a><p class="wp-caption-text">Am Chemin Walter Benjamin</p></div>
<p>Wer pausieren möchte, darf sich in diesem Streckenabschnitt wundern, wie Weinstöcke in diesem grusigen Schutt ohne Erde wachsen wollen.</p>
<p>Mit der Höhe werden die Hänge steiler und die Weingärten spärlicher. Trockenrasen, die Garrigue und Buschwälder erobern die nicht mehr bewirtschafteten Steillagen. Wir gelangen zu einer Wegtafel und der Weg weist in den Wald nach oben. Auf dem Bergrücken wandert man durch lichten Wald, vor uns wird die Felswand des Tour de Querroig, höchster Punkt des Serrat del Fitó, sichtbar. Auf Höhe der Starkstromleitung gelangt man zu einem Wirtschaftsweg, der bei den höchstgelegenen Weingärten endet, und umrundet den Tour de Querroig leicht ansteigend, entlang der Höhenschichtenlinien.</p>
<p>Nach dem Wald beginnt der kurze, alpinere Wegabschnitt. Kurze, steilere Abstiege bzw. Anstiege sind zu bewältigen, die unter Umständen den Einsatz der Hände erfordern.</p>
<p>Wir sehen bereits den Pass und nehmen den ziemlich direkt geführten Weg zum Coll de Rumpissa.</p>
<p>&#8220;Das Bild erschien so unverhofft vor mir, dass ich einen Augenblick an eine Fata Morgana glaubte. Weit unten von wo wir gekommen waren, sah man wieder das tiefblaue Mittelmeer. Auf der anderen Seite vor uns, fielen schroffe Klippen ab auf eine Glasplatte aus durchsichtigem Türkis &#8211; ein zweites Meer? Ja natürlich, das war die spanische Küste. [] Ich schnappte nach Luft. Solche Schönheit hatte ich noch nie gesehn&#8221;, schreibt Fittko in ihrem Buch Mein Weg über die Pyrenäeen.</p>
<div id="attachment_904" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/coll-de-rumpissa-llanca.jpg"><img class="size-full wp-image-904" title="coll-de-rumpissa-llanca" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/coll-de-rumpissa-llanca.jpg" alt="coll de rumpissa" width="400" height="268" /></a><p class="wp-caption-text">Blick vom Collv de Rumpissa Richtung Llanca</p></div>
<p>Wer hier ankommt, wird verstehen, was die Fluchthelferin Lisa Fittko bewegte, wie diese romantische Naturbeschreibung in dieser tragische Geschichte des 20. Jahrhunderts Platz haben kann.</p>
<p>Wer möchte, kann von hier aus noch den steilen Anstieg auf den Tour de Querroig nehmen. Nach rechts führt die Route Lister weiter Richtung Llançà.</p>
<p>Wir wollen nach Portbou zum Passagen-Memorial von Dani Karavan und nehmen den schmalen Pfad in den lichten Buschwald hinein, die Falllinie  hinunter &#8211; nicht den weiter oben führenden Karrenweg. Die Ausschilderung auf der spanischen Seite ist etwas besser. Abzweiger sind im ersten Drittel des Abstiegs aber ohnehin keine. Ab und an finden sich Gedenktafeln mit Zitaten von Benjamin, die der Memorial Democràtic der Generalitat von Katalonien  errichtete.</p>
<p>Später verfolgt man die verwachsenen Wirtschaftswege Richtung Tal, bis ein schrulliges Anwesen am Talboden erreicht wird. Ab hier entlang der schmalen Asphaltstraße an schrebergartenähnlichen Anwesen Richtung Portbou und Meer.</p>
<p>Und nicht vergessen: Kein Mensch ist illegal.</p>
<p><object width="420" height="315" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="https://www.youtube-nocookie.com/v/wvl6UboZ9xI?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed width="420" height="315" type="application/x-shockwave-flash" src="https://www.youtube-nocookie.com/v/wvl6UboZ9xI?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowFullScreen="true" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /></object></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Tipp:</strong><br />
Im Zeitungskiosk in Banyuls-sur-mer gibt es eine gute Auswahl an Karten, zum Beispiel die Carte de Randonnée des IGN, 2549 OT, die ab der spanischen Grenze verblasst&#8230; Und hier eine kleine Karte mit dem ungefähren Wegverlauf, (Karte: <a title="http://www.openstreetmap.org/?lat=42.4793994426727&amp;lon=3.12758445739746&amp;zoom=15" href="http://www.openstreetmap.org/?lat=42.4793994426727&amp;lon=3.12758445739746&amp;zoom=15">OpenStreetMap-Projekt</a>)</p>
<div id="attachment_914" class="wp-caption aligncenter" style="width: 529px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/chemin_walter_benjamin.png"><img class="size-full wp-image-914" title="chemin_walter_benjamin" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/chemin_walter_benjamin.png" alt="Karte Chemin Walter Benjamin" width="519" height="487" /></a><p class="wp-caption-text">Karte Chemin Walter Benjamin</p></div>
<p>.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Demontage der Gewerkschaften</title>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2012 19:15:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viel zu feieren gab es für die Arbeiter_innenbewegung nicht diesen 1. Mai. Das heißt: Gefeiert wurde an manchen Orten schon noch, für politische Forderungen reicht nicht mehr die Kraft und die Zuversicht. Dabei wird die sogenannte Krise gerade dazu benützt, &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/die-demontage-der-gewerkschaften/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_888" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-888" title="los_derechos" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/los_derechos.jpg" alt="Rechte werden nicht zuerkannt, sie müssen erobert werden" width="500" height="183" /><p class="wp-caption-text">Rechte werden nicht zuerkannt, sie müssen erobert werden - CNT</p></div>
<p>Viel zu feieren gab es für die Arbeiter_innenbewegung nicht diesen 1. Mai. Das heißt: Gefeiert wurde an <a title="http://steiermark.orf.at/news/stories/2531142/" href="http://steiermark.orf.at/news/stories/2531142/" target="_blank">manchen Orten</a> schon noch, für politische Forderungen reicht nicht mehr die Kraft und die Zuversicht.<span id="more-886"></span></p>
<p>Dabei wird die sogenannte Krise gerade dazu benützt, die Gewerkschaftsbewegung eiskalt zu demontieren. Dadurch wird nicht nur ein europäischer Grundkonsens kurzer Hand in den Papierkorb verschoben; mehr Aufmerksamkeit verdient, dass durch manche Massnahmen konservativ-reaktionärer Eliten Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt sein könnten:</p>
<ul>
<li>Abschaffung der Kollektivverträge und von Betriebsvereinbarungen in Griechenland</li>
<li>Abschaffung der Kollektivverträge in Spanien (wenn ein Unternehmen sechs Monate lang Verluste schreibt)</li>
<li>Kürzung der Mindestlöhne in Irland</li>
<li>Kürzung der Mindestlöhne in Griechenland und Spanien auf rund € 600,-</li>
<li>Verschlechterungen in der Absicherung erwerbsloser Personen überall</li>
<li>Abschaffung des Kündigungsschutzes in Griechenland</li>
<li>Abschaffung des Versetzungsschutzes für Beamt_innen in Spanien</li>
</ul>
<div id="attachment_887" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-full wp-image-887" title="georgios_chondros" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/05/georgios_chondros.jpg" alt="Bürgermeister Georgios Chondros" width="150" height="224" /><p class="wp-caption-text">Georgios Chondros</p></div>
<p><em>Die Konzepte für diesen Kahlschlag demokratischer Grundrechte stammen nicht primär aus der neoliberalen Denkschule der EU-Troika. Dafür waren sie viel zu schnell am Tisch</em>, sagte heute ein Kandidat der linken griechischen <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/SYRIZA " href="https://de.wikipedia.org/wiki/SYRIZA " target="_blank">Syriza </a>Georgios Chondros bei einer 1. Mai-Veranstaltung im 7stern, <em>sie kommen direkt von der griechischen Industriellenvereinigung</em>.</p>
<p>Da denken wir doch sofort an die <a title="http://www.uebersmeer.at/2011/zeit-fur-entstaatlichung/" href="http://www.uebersmeer.at/2011/zeit-fur-entstaatlichung/">Schockstrategie</a>, nicht?</p>
<p>Während die europäischen Gewerkschaften geschlafen haben, wurde auf der anderen Seite eifrig die Lektionen über den Klassenkampf gelehrt und gelernt.</p>
<blockquote><p>Rechte werden nicht zugestanden, sie müssen erkämpft werden.</p></blockquote>
<p>So logisch, einfach und lapidar ist offenbar nur mehr die &#8220;ultralinke&#8221; <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/Confederaci%C3%B3n_Nacional_del_Trabajo" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Confederaci%C3%B3n_Nacional_del_Trabajo" target="_blank">CNT</a> (Eric Hobsbawn) imstande zu formulieren.</p>
<p><strong>Links zum Abbau demokratischer Grundrechte in Griechenland:</strong></p>
<p><a title="http://www.labournet.de/news/2012/freitag1603.html" href="http://www.labournet.de/news/2012/freitag1603.html" target="_blank">http://www.labournet.de/news/2012/freitag1603.html</a><br />
<a title="http://www.attac.de/startseite/detailansicht/datum////solidaritaet-mit-griechenland/?no_cache=1&amp;L=2" href="http://www.attac.de/startseite/detailansicht/datum////solidaritaet-mit-griechenland/?no_cache=1&amp;L=2" target="_blank">http://www.attac.de/startseite/detailansicht/datum////solidaritaet-mit-griechenland/?no_cache=1&amp;L=2</a></p>
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		<title>Eine kleine Geschichte über Banyuls-sur-mer</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2012/eine-kleine-geschichte-uber-banyuls-sur-mer/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 20:19:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war einmal ein Flüchtling. Er behauptete, in seinem Land verfolgt zu werden, und sogar um sein Leben müsste er fürchten. In der Dorfgemeinschaft lebte er mit, ohne von ihr aufgesogen zu werden oder seine Identität zu verlieren. Mit seiner &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/eine-kleine-geschichte-uber-banyuls-sur-mer/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_872" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/banyuls_sur_mer.jpg"><img class="size-full wp-image-872" title="banyuls_sur_mer" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/banyuls_sur_mer.jpg" alt="Banyuls-sur-mer" width="500" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Blick auf Banyuls-sur-mer</p></div>
<p>Es war einmal ein Flüchtling. Er behauptete, in seinem Land verfolgt zu werden, und sogar um sein Leben müsste er fürchten. In der Dorfgemeinschaft lebte er mit, ohne von ihr aufgesogen zu werden oder seine Identität zu verlieren. Mit seiner Lebensgefährtin engagierte er sich für Menschen mit ähnlichen Schicksalen. Für Leute, die aus verschiedenen niederträchtigen Motiven von der Obrigkeit verfolgt, ins Gefängnis geworfen oder von Ermordung bedroht waren.<span id="more-870"></span></p>
<p>Es kann angenommen werden, dass nicht wenige im Ort den Flüchtling und seine noch umtriebigere Freundin bewunderten. Und von einigen werden sie dafür auch gehasst worden sein.</p>
<p>Als irgendwann ein Haus in Brand geriet, war der Flüchtling sofort zur Stelle, reihte sich in die Löschkette ein und nahm stundenlang schwere Wassereimer und reichte sie an die neben im stehenden Personen weiter, bis das Brand-Aus-Zeichen erfolgte.</p>
<p>Das Zusammenleben im Dorf ging einige Zeit gut. Der sozialistische Bürgermeister Vincent Azéma gab ihnen sogar schriftlich, richtige Einheimische zu sein. Bis die herrschende politische Klasse beschloss, alle Ausländer_innen aus dem Land zu entfernen. Und so wurde dieses Unrecht von der örtlichen Behörde auch in diesem Ort exekutiert.</p>
<p>Unser Flüchtling wurde als &#8220;Ausländer&#8221; von den Behörden identifiziert. Seine Außerlandesschaffung sollte seinen richtigen Gang nehmen. Als die Dorfgemeinschaft davon erfuhr, war die Empörung groß. Es war doch der Flüchtling, der stundenlang mit allen anderen in der Reihe stand und mithalf, den Brand zu löschen.</p>
<p><em>Wer denn hier Ausländer_in sei? Zwei weitere Frauen mit Einkaufsnetzen blieben stehen, und der alte Mann mit der blauen Mütze, der immer an unserer Ecke steht, humpelte herbei. Ausländer? Das sind doch unsere Nachbar_innen.</em></p>
<p>Schliesslich lenkte der Polizist ein: <em>Seien Sie doch bitte vernünftig, der Herr und die Dame werden gleich wieder zurück sein, wir wollen nur mit ihnen sprechen</em>.</p>
<p>Der Flüchtling hieß Hans Fittko, auf der Flucht vor den Nazis und dem kollaborierenden französischen Vichy-Regime. Mit seiner späteren Frau, der in Wien aufgewachsenen Lisa Fittko, rettete er zahlreichen Menschen das Leben, indem sie sie auf alten Schmugglerpfaden durch die Pyrenäen ins (scheinbar) sichere Spanien lotsten. Lisa Fittko knüpfte vor dem Eintreffen von Hans Kontakte, erkundete das Gelände und führte neben den vielen bekannten und der Nachwelt unbekannten Personen auch den marxistischen Theoretiker Walter Benjamin über die Grenze. Die Route Lister, benannt nach <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/Enrique_L%C3%ADster" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Enrique_L%C3%ADster" target="_blank">Enrique Lister</a>, General der spanischen Republikanischen Armee, die ein Jahr davor vielen Flüchtlingen vor der Franco-Diktatur das Überleben in Frankreich sicherte, wurde nach dem bedingungslosen humanitären Einsatz von Lisa Fittko in F-Weg umbenannt.</p>
<p>Wer bergerfahrene Beine hat, kann den gut ausgeschilderten Weg nachlaufen. Man öffne in Banyuls-sur-mer die Augen nach dem &#8220;Chemin Walter Benjamin&#8221;.</p>
<p>Flucht ist nie ein Verbrechen.</p>
<p>Eine Beschreibung des &#8220;Chemin Walter Benjamin&#8221; erscheint demnächst in diesem Theater.</p>
<p><strong>Tipp &amp; Hinweise:</strong></p>
<p>Zitate nach: Lisa Fittko, Mein Weg über die Pyrenäen, Erinnerungen 1940/41, dtv München 2010.</p>
<p><a title="Wikipedia-Eintrag Lisa Fittko" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_Fittko">https://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_Fittko</a></p>
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		<title>Wiener Straßenkämpfe</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 17:55:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es geht schlicht um das Prinzip. Wem der öffentliche Raum gehört, wer kann ihn, darf ihn, und wie nützen. Das ist Aushandlungssache der Nutzer_innen, Gestaltungsangelegenheit von Politik und Verwaltung, vor allem aber ist es eine Verteilungsfrage. Ein Kampf &#8211; ja, &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/wiener-strasenkampfe/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_852" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/parkpickerl-gegen-fremde.jpg"><img class="size-full wp-image-852 " title="parkpickerl-gegen-fremde" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/parkpickerl-gegen-fremde.jpg" alt="parkpickerl gegen fremde kennzeichen" width="400" height="228" /></a><p class="wp-caption-text">Parkpickerl gegen fremde Kennzeichen?</p></div>
<p>Es geht schlicht um das Prinzip. Wem der öffentliche Raum gehört, wer kann ihn, darf ihn, und wie nützen. Das ist Aushandlungssache der Nutzer_innen, Gestaltungsangelegenheit von Politik und Verwaltung, vor allem aber ist es eine Verteilungsfrage. Ein Kampf &#8211; ja, auch &#8211; um&#8217;s gute Leben.<span id="more-851"></span></p>
<p>Ungefähr zehn Prozent der gesamten Wiener Landesfläche wird dem Verkehr gewidmet. Im 15. liegt der Anteil der Verkehrsflächen an der Gesamtfläche des Bezirks bei fast 40 Prozent, während mit 300 PKW pro 1.000 Einwohner_innen die relative Zahl der Autos weit unter dem Wiener Durchschnitt liegt.</p>
<p>In Rudolfsheim-Fünfhaus dürfte es, wenn man die nackten Zahlen betrachtet, klar sein, welche Nutzungen den Verkehrsflächen zugeordnet werden: Breite Gehwege, bezirksweit ausgebaute Radwege und großzügige Wohnstraßen, die diesen Namen auch verdienen. Die Realität sieht freilich anders aus: Hauptverkehrsadern liegen rasterartig in Ost-West-Richtung (Linke Wienzeile bis Gablenzgasse) bzw. in Nord-Süd-Richtung (Johnstraße bis Gürtel). Dazwischen liegen attraktive Schleichwege und tagsüber ein reiches Angebot an gebührenfreien Autostellplätzen mit exzellenter Anbindung an das Wiener U-Bahnsystem.</p>
<p>Diese Situation ist inzwischen weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt und zieht Automobilist_innen aus der gesamten Föderation an wie der Kuhfladen die Schmeißfliegen.</p>
<p>Damit soll nun Schluß sein, sagen die Heroes von den Grünen.</p>
<p>Nicht wegen der sinnvollen Einführung einer City-Maut, sondern auf Grund eines bezirksweit erforderlichen Parkpickerls, geht es nach dem Wunsch der Grünen. Es geht also nicht primär darum, den Anwohner_innen ihre Straßen zurückzugeben, sondern den 27.000 Autobesitzer_innen im Bezirk ein komfortables Angebot zur Luft- und Lärmbelästigung zu machen.</p>
<p><strong>Grüne Kennzeichenxenophobie</strong></p>
<p>Darüber wollen die Grünen mit der Bevölkerung sprechen. Und darüber kann und soll man auch diskutieren.</p>
<p>Schluss mit Verständigung ist allerdings dann, wenn die grüne Argumentationslinie so läuft: &#8220;Unser Bezirk ist zugeparkt. Rund ein Drittel der geparkten Autos hat kein Wiener Kennzeichen, in manchen Grätzln ist die Zahl sogar noch höher.&#8221;</p>
<p>Äh, worum geht es? Wer macht da statt dem Versagen der Politik die Herkunft der Kennzeichen verantwortlich? Warum brechen die Grünen einen &#8220;national&#8221; fundierten, populistischen Chauvinismus auf ein stammesähnliches Schrebergartenniveau herab? Glauben die Wiener Grünen tatsächlich, dass mit rechten Methoden eine bessere Politik gelingt?</p>
<p>Dabei handelt es sich bei diesem Fauxpas um keinen grünen Ausrutscher, sondern eher um ein weltanschauliches Dilemma. Mit dem grünen Vorschlag eines Parkpickerls in Mariahilf nur für die Anrainer einer bestimmten Gasse wird xenophobe Mikrokosmospolitik nach Gutsherrenart (nur mit meiner Kutsche bis vor meine Haustüre) praktiziert.</p>
<p>Was kommt noch: Passierscheine für grätzlfremde Radfahrerer_innen im Cottage?</p>
<p>Reden wir nicht über ein Parkpickerl, fragen wir am 17. April Rüdiger Maresch einfach: Wem gehört der öffentliche Raum? Wie machen wir unsere Straßen und unsere Plätze wieder zu lebenswerten, zu unseren Orten?</p>
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		<title>Droht die Neue Barbarei?</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 21:15:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[kapitalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Europa verabschiedet sich langsam, sicher und ohne langwierige Diskussionen von seinen großen Werten. Die Zeiten sind umbrüchlerisch geworden und alle möglichen Machtzentren versuchen ihre Ausgangspositionen, für die sich ankündigende digitale Epoche zu verbessern. &#160; Der lange Weg aus der Barbarei &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/droht-die-neue-barbarei/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_838" class="wp-caption alignleft" style="width: 358px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/barbarei.jpg"><img class="size-full wp-image-838" title="barbarei" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/barbarei.jpg" alt="barbarei" width="348" height="232" /></a><p class="wp-caption-text">barbarei</p></div>
<p>Europa verabschiedet sich langsam, sicher und ohne langwierige Diskussionen von seinen großen Werten. Die Zeiten sind umbrüchlerisch geworden und alle möglichen Machtzentren versuchen ihre Ausgangspositionen, für die sich ankündigende digitale Epoche zu verbessern.<span id="more-837"></span><strong></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der lange Weg aus der Barbarei</strong></p>
<p>Verkürzt könnte die Französische Revolution als der Startschuss für das moderne Europa bezeichnet werden.</p>
<p>Die Idee der Gleichheit aller Menschen, und damit zwingend die Idee der Solidarität, die in Freiheit und Würde geboren werden, fand 1789 ihre Manifestation als mit Gewalt die Fesseln eines absolutistischen, gottgegebenen Feudalstaates abgeworfen wurden.</p>
<p>Es brauchte noch einmal hundert Jahre bis diese grundlegenden Rechte jedes Menschen in die Gesetzgebungen und Verfassungen als Briefgeheimnis, allgemeines, geheimes Wahlrecht, Gleichstellungs- und existenzsichernde Arbeitsrechte formal konstituiert wurden. Die Revolutionsjahre Mitte des 19. Jahrhunderts und der 1. Weltkrieg mussten die herrschenden Eliten fundamental destabilisieren, um diesen radikalen Paradigmenwechsel zum allgemeinen gesellschaftlichen Durchbruch zu verhelfen.</p>
<p>Danach folgten Jahre heftiger Spekulationen mit den damit erzwungenen Krisen, großer Not und Hunger für die 99 Prozent und mörderischem Reichtum für die 1 Prozent. Mit dem Börsencrash 1929, dem beinahe unzählige Bankencrashs in Österreich vorausgingen &#8211; mit der Creditanstalt vertschüsste sich die bedeutendste Bank Mitteleuropas ins Finanznirwana &#8211; erfasste die Krise nicht mehr nur die Kinderarbeiter_innen, die Arbeitslosen und die Tagelöhner_innen oder das Industrieproletariat, sondern weite Teile der Gesellschaft, die 99 Prozent. Die Krisen hatten nun den Drive für eine Superkrise, den 2. Weltkrieg.</p>
<p>Nachdem die Diktaturen, pseudodemokratischen Regimes und gewählten Regierungen, die halbe Welt gründlich in Schutt und Asche legten, wurde wieder aufgebaut, was es davor bereits gab: Wohnungen, Schulen, Spitäler, Fabriken und selbstverständlich <a title="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151662" href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151662">Gotteshäuser</a>. Die <a title="http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/aktivitaten/zentrales-seminar/dokumente/7-zentrales-seminar-dokumente/Eva%20Blimlinger,%20Wer%20ist%20Tater,%20wenn%20alle%20Opfer%20sind.pdf" href="http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/aktivitaten/zentrales-seminar/dokumente/7-zentrales-seminar-dokumente/Eva%20Blimlinger,%20Wer%20ist%20Tater,%20wenn%20alle%20Opfer%20sind.pdf">Trümmerfrauen, </a>die davor ihre Kinder in den Krieg schickten, feierten sich und ihre verbliebene Sippe und nachdem sie verstarben, ehren sie die nachfolgenden Generationen. Über die Trümmermänner sprach man lieber nicht. Sie verarbeiteten ihren Beitrag zum Massenmord, indem sie das Land stillheimlich mit an Geschichtsfälschung erinnernden Kriegerdenkmälern überzogen, auf denen alle Toten und alle Verbrechen gleich gemacht werden, als ob es nicht eindeutige Aggressoren gegeben hätte.</p>
<p>Um den Widerstand der <a title="http://deserteursberatung.at/themen/rubrik/963 " href="http://deserteursberatung.at/themen/rubrik/963 ">Deserteur_innen</a> im 2. Weltkrieg heute mit einem <a title="http://www.pk-deserteure.at/" href="http://www.pk-deserteure.at/">Denkmal</a> zu würdigen, scheint die Fläche Wiens zu klein zu sein &#8211; es findet sich kein Plätzchen.</p>
<p>2012 sind Argumentationsmuster wie Deserteur_innen der verbrecherischen deutschen Wehrmacht sind selbst Kriminelle, weil sie sich einem Rechtsstaat widersetzten, wie sie der österreichische <a title="http://www.mei-flachgau.at/denkmal-ns-deserteure-bieringer-als-politiker-nicht-langer-tragbar/" href="http://www.mei-flachgau.at/denkmal-ns-deserteure-bieringer-als-politiker-nicht-langer-tragbar/">Kameradschaftsbund</a> jüngst kundtat, noch immer möglich. Oder sollte es besser heißen: schon wieder möglich?</p>
<p><strong>Befinden wir uns auf dem kürzesten Weg in eine Neue Barbarei?</strong></p>
<p>Kurz nur, am zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts, schien sich, global betrachtet, die Erdkugel von ihrer historischen Schieflage aufzurichten. In Lateinamerika fielen reihenweise die Militärregimes, in Südafrika entledigten sich die 99 Prozent ihrer Unterdrücker_innen, im Mittleren Osten schienen ernsthafte Friedensgespräche möglich, die UdSSR beendeten ihr imperialistisches Abenteuer in Afghanistan und sahen ihre Macht in einem zeitgeistigen Oligarchiekonstrukt besser abgesichert, als in einem ideologisch abgewirtschafteten Staatskapitalismusmodell.</p>
<p>Dazwischen kam der argentinisch-britische <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/Falklandkrieg" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Falklandkrieg">Krieg</a> um einige Quadratmeter Felsen im Südatlantik. Für beide Kriegsführer_innen (Militärs auf der einen, den Neoliberalen auf der anderen Seite) ein willkommener Anlass alte Diktatorenweisheiten auszugraben: Wer den inneren Feind besiegen will, braucht einen äußeren Feind. Und schon taumeln begeistert die mit nationalistischen Parolen aufgeladenen Massen, Schwarmdebilität sozusagen. Der britische <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/Britischer_Bergarbeiterstreik_1984/1985" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Britischer_Bergarbeiterstreik_1984/1985">Bergarbeiter_innenstreik</a>, ging verloren. Die europäischen Sozialdemokrat_innen, die sich mit den Streikenden nie zu solidarisieren vermochten, überliessen die ideologische Deutungshohheit den anderen. Der neoliberale Umbau in Europa konnte starten und der Grundstein dazu wurde konsequent im Stil eines kolonialistischen Kriegsabenteuers nahe dem südlichen Polarkreis gelegt.</p>
<p>Es folgte eine lange Reihe punktueller militärischer Attacken und Interventionen angeführt von den zwischenzeitlich christlichfundamental transformierten und technologisch hochgerüsteten USA, vorwiegend in den instabilen und medial unterbelichteten geopolitischen Randregionen. Die digitale Revolution in der Kriegsführung hatte weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt begonnen. Und selbst nach den tagtäglichen Tötungen durch ferngesteuerte Drohnen im Mittleren Osten, bleiben zivilgesellschaftliche Initiativen, die den militärisch-polizeilichen bzw. in zunehmendem Maß privaten <a title="https://epic.org/privacy/drones/" href="https://epic.org/privacy/drones/">Drohneneinsatz</a> in US-amerikanischen Städten wegen der Gefährdung der Privatsphäre begrenzen möchten, ein Randthema.</p>
<p><strong>Politik der Angst</strong></p>
<p>Wenn es den &#8220;Islamisten&#8221; nicht gäbe, man müsste ihn glatt erfinden.</p>
<p>Ein Einzeltäter, dessen Taten weder bewiesen noch seine Motive bekannt sind, reichen aus, um die Grande Nation, in ihrem Selbstverständnis die Hüterin der Werte der Französischen Revolution, die Einschränkung der Medienfreiheit zu fordern. Ein Einzeltäter, dessen antimuslimische, christlichfundamentale und antiaufklärerische Gesinnung evident ist, dessen vermutete Täterschaft nicht nur auf Indizien beruht, hat genau keine Konsequenzen. Und das verwundert auch nicht: Wer den Wahnsinn von Breivik wegkratzt, landet schnell bei der Geisteshaltung deutscher Banker_innen&#8230;</p>
<p><strong>Mitten in der Gesellschaft</strong></p>
<p>Bis Ende des 20. Jahrhunderts funktionierte die Verortung politischer Radikalismen. Der Ursprung des Koordinatensystems lag in der Mitte der Gesellschaft. Links der Mitte die Sozialdemokratie, Rechts der Mitte die Volks- bzw. Christparteien, noch weiter links linkere Gruppierungen und rechts der Konservativen, die Liberalen und reaktionäre Gruppen. Die Bedeutung von Würde und Anstand einte die damaligen Zentrumsparteien und bildete den sozialen Nenner der damaligen Gesellschaften.</p>
<p>Das Koordinatensystem hat sich verschoben und die Akteur_innen in ihm. Thilo Sarrazin ist in der Mitte. Aber er ist nicht in der Mitte angekommen, die Mitte ist auch nicht zu ihm gewandert. Sarrazin und seines/ihresgleichen haben die Mitte neu gemacht. &#8220;Nicht ich bin radikaler geworden, sondern die Umstände sind es,&#8221; zitiert die aktuelle WOZ den konservativen Regierungschef Kataloniens Jordi Pujol i Soley (1980-2003).</p>
<p>Derartige tektonische Bruchlinien in der Mitte der europäischen Gesellschaften, sind die Voraussetzungen für heftige politische Eruptionen und soziale Tsunamis.</p>
<p><strong>Die Hegemonie der Niedertracht</strong></p>
<p>Die seismischen Vorboten können gemessen werden. Bürger_innen, die vor zehn oder fünfzehn Jahren noch als Held_innen der Zivilcourage gefeiert worden wären, müssen sich heute vor Strafgerichten verantworten.</p>
<p>Da sich aber immer noch genügend Menschen in der Mitte der Gesellschaft wähnen, während die tektonischen Platten längst weiter verschoben wurden, muss ein Generalverdacht erhoben werden. <a title="https://www.taz.de/Weitere-Entwicklung-Dresdner-Handyskandal/!74992/" href="https://www.taz.de/Weitere-Entwicklung-Dresdner-Handyskandal/!74992/">Massenüberwachung</a> von Handys der GegnerInnen (!) des Dresdner Neonazi-Aufmarsches. Die <a title="http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2012/PK0136/" href="http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2012/PK0136/">Weitergabe</a> personenbezogener Daten von Verdächtigen(!) von Europa an die USA oder die massenhafte Verletzung des <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/SWIFT#Weitergabe_vertraulicher_Daten_an_US-amerikanische_und_europ.C3.A4ische_Beh.C3.B6rden" href="https://de.wikipedia.org/wiki/SWIFT#Weitergabe_vertraulicher_Daten_an_US-amerikanische_und_europ.C3.A4ische_Beh.C3.B6rden">Bankgeheimnisses </a>dienen als Beispiel für eine inzwischen übliche und tolerierte Praxis.<br />
Oder die jüngste Veröffentlichung, dass die US-amerikanische Regierung Daten Verdächtiger weiter speichern will, auch wenn sich heraus stellen sollte, dass die Verdächtigten <a title="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151666" href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151666">Unverdächtigte</a> sind, weil sie später doch noch verdächtigt werden könnten.</p>
<p>Der Verdacht liegt nahe, dass der Rechtsstaat, wie ihn die westlichen Demokratien bislang kannten, systematisch organisatorisch und personell <a title="http://www.linkswende.org/5648/Ungarn-weiter-unterwegs-Richtung-Diktatur" href="http://www.linkswende.org/5648/Ungarn-weiter-unterwegs-Richtung-Diktatur">umgebaut</a> wurde und weiter substantiell ausgehöhlt wird.</p>
<p><strong>If you have no secrets, you have no life</strong> (secushare.org)</p>
<p>Totalüberwachung ist IMHO auch eine Form der <a title="https://derstandard.at/1331779687840/Buch-von-Ex-UN-Berichterstatter-Nowak-Folter-als-alltaegliche-Methode-der-Wahrheitsfindung" href="https://derstandard.at/1331779687840/Buch-von-Ex-UN-Berichterstatter-Nowak-Folter-als-alltaegliche-Methode-der-Wahrheitsfindung">Folter</a>, egal, ob wer etwas zu verstecken hat. Die Heimlichkeits-Liste wird täglich länger, während umgekehrt proportional die erlaubten Aktivitäten -gefühlt- stündlich geschrumpft werden.</p>
<p>Durften wir früher Bücher auf Flohmärkten selbstverständlich kaufen und verkaufen, darf heutzutage eine digitale Kopie nicht mal verschenkt werden, insbesondere dann nicht, wenn mit dem Erwerb nur das Recht auf die persönliche Nutzung erworben wurde. Klar, wer von nichts Eigentümer ist, kann nicht schenken oder verborgen.</p>
<p>Und so wurde mit dem Eintritt ins digitale Zeitalter in ihrer totalen Globalität nicht der Anfang einer Alles-Gratis-Kultur gesetzt, sondern der Eintritt in eine universelle kapitalistische <a title="http://www.kaernoel.at/cgi-bin/kaernoel/comax.pl?page=page.std;job=CENTER:events.single_event;ID=954" href="http://www.kaernoel.at/cgi-bin/kaernoel/comax.pl?page=page.std;job=CENTER:events.single_event;ID=954">Enteignung</a> vollzogen.</p>
<p><strong>Du sollst kein Betriebssystem neben meinem verehren</strong></p>
<p>Oder die Enteignung der Hardware: Aus angeblichen Sicherheitserwägungen wird User_innen der kommenden Windows 8-Version die parallele Installation eines alternativen Betriebssystems unmöglich gemacht. Smartphone-User_innen werden bei iOS an eigene Stores gekettet, Android-User_innen wird die Kontrolle über ihre Handys in absoluter Totalität entzogen, Updates zurückgenommen, neu aufgespielt, wie Google gerade lustig ist. Welche Apps gerade welche private Daten wohin senden, können außerordentlich Neugierige analysieren, aber dennoch nicht beeinflussen. Aus Google-Sicht nicht unbedingt ein Nachteil: Wenn das Android-Gerät, berichtet die Zeitschrift c&#8217;t, das Geräusch von Regenprasseln aufschnappt, wird das nächstgelegene Regenschirmgeschäft automatisch eingeblendet. Praktisch. Don&#8217;t be evil eben!</p>
<p>Per Deep Packet Inspection, die freilich kein Telekom-Anbieter durchführt, kann geprüft werden, was mit dem Phone gerade gemacht wird, und eine Verbindung über ein VoIP-Protokoll wird deswegen logischerweise blockiert, weil es das eigene <a title="http://help.orf.at/stories/1679246/" href="http://help.orf.at/stories/1679246/">Geschäftsmodell</a> erheblich gefährdet. Auch deswegen bedarf es einer Aufhebung der Netzneutralität. Eine weitere kapitalistische Landnahme.</p>
<p>In Österreich tritt mit 1. April die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Kraft. Die Initiative AK-Vorrat hat dagegen eine elektronische Bürgerinitiative im österreichischen Parlament eingereicht, die bislang von 81.266 Personen unterstützt wurde. Der zuständige Ausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen wird von Frau <a title="https://derstandard.at/2675973" href="https://derstandard.at/2675973">Ursula Haubner</a> geleitet, eine ihrer Stellvertreter_innen ist Dr. <a title="https://derstandard.at/1331207349905/Prozess-in-Graz-Heil-Dir-ist-nicht-normal" href="https://derstandard.at/1331207349905/Prozess-in-Graz-Heil-Dir-ist-nicht-normal">Susanne Winter</a> Unterzeichner_innen dieser Petition, die &#8220;der Abbildung der politischen Interessenlage&#8221; dient, können versichert sein, dass ihre persönlichen Daten gut aufgehoben sind.</p>
<p>Die grundsätzliche Frage muss gestattet sein, was in einer offenen, pluralen Staatsform schief läuft, wenn die Regierungen denen, von denen sie gewählt wurden, derart misstrauen und sie potenziell und generell jedes grausamen Verbrechens fähig halten?</p>
<p>Oder scheint nach hundert Jahren <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg">Rosa Luxemburg</a> wieder einmal recht zu behalten, als sie postulierte, dass es nur die Entscheidung zwischen Sozialismus oder Barbarei gäbe?</p>
<p>Vielleicht sollte sich die herrschende Elite entscheiden, ob sie stabile Friedhofsruhe wollen oder das Risiko Leben wagen wollen und vielleicht sollten wir uns ernsthaft überlegen, ob wir eine verordnete Friedhofsruhe wünschen.</p>
<p>„Durch Ruhe und Ordnung kann die Demokratie ebenso gefährdet werden wie durch Unruhe und Unordnung.“<br />
<a title="https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_Hamm-Br%C3%BCcher" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_Hamm-Br%C3%BCcher">Hildegard Hamm-Brücher</a></p>
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		<title>Was Griechenland von Österreich lernen muss</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 23:05:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie funktioniert der neoliberale Angriff? Zuerst ein Problem mit Hilfe eigener Medien konstruieren. Dieses behauptete Problem ständig wiederholen. Verständnis bei denen zu holen, die damit tatsächlich oder vermeintlich ein Problem haben. Vorgeblich bessere Lösungen anbieten. Wenn alles &#8220;gut&#8221; läuft, kann &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/was-griechenland-von-osterreich-lernen-muss/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_828" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/krise_im_gemeindebau.jpg"><img class="size-full wp-image-828" title="krise_im_gemeindebau" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/krise_im_gemeindebau.jpg" alt="krise im gemeindebau" width="350" height="233" /></a><p class="wp-caption-text">Krise im Gemeindebau</p></div>
<p>Wie funktioniert der neoliberale Angriff? Zuerst ein Problem mit Hilfe eigener Medien konstruieren. Dieses behauptete Problem ständig wiederholen. Verständnis bei denen zu holen, die damit tatsächlich oder vermeintlich ein Problem haben. Vorgeblich bessere Lösungen anbieten. Wenn alles &#8220;gut&#8221; läuft, kann damit begonnen werden, Sachzwänge zu schaffen, die das Unvermeidliche akzeptieren lassen.</p>
<p><em>&#8220;Nur eine Krise &#8211; eine tatsächliche oder empfundene &#8211; führt zu echtem Wandel. Wenn es zu so einer Krise kommt, hängt das weitere Vorgehen von den Ideen ab, die im Umlauf sind. Das ist meiner Ansicht nach unsere Hauptfunktion: Alternativen zur bestehenden Politik zu entwickeln, sie am Leben und verfügbar zu halten, bis das Unmögliche politisch unvermeidlich wird.&#8221; Milton Friedman, 1982.</em></p>
<p><span id="more-827"></span><br />
Die Verschuldung der Öffentlichen Hand ist ein derartiger, empfundener Sachzwang, der durch die staatliche &#8220;Rettung&#8221; privater Finanzinstitute oder durch das Verschieben privater Vermögen ins Ausland geschaffen wird. Sukzessive wird unser aller Eigentum verscherbelt, wie zur Zeit unter Ausschluss einer größeren Öffentlichkeit beim Bundesheer (davon wird noch berichtet werden).</p>
<p>Die Verstaatlichte Industrie, Stichwort VOEST (Abbau Zehntausender Arbeitsplätze), Stichwort AUA (Kündigungen Arbeitsplätze und Kollektivverträge), BUWOG oder Austria Telekom. Die Nutznießer dieser Privatisierungen bleiben im Halbdunkeln, nutzen ihre Netzwerke in die Politik und zu den Medien, gehen in Konkurs, gründen sich neu und schieben Geld zu den rechten politischen Parteien, die diese Privatisierungen für Krisengewinnler_innen, lobbyieren. Korruption Hilfsausdruck, weil&#8217;s um mehr geht!</p>
<p>Das war immer schon eine Strategie der Rechten, wie zu zeigen sein wird.</p>
<p><em>&#8220;Es gibt in Österreich Leute, deren Haß gegen die Arbeiterschaft so groß, deren Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Arbeiterschaft so brennend ist, daß sie eine solche Kontrolle geradezu herbeisehnen, weil sie glauben, daß der ausländische Kontrollor den österreichischen Arbeitern die Dinge diktieren und aufzwingen könnte, die selber ihnen aufzuzwingen zu schwach sind.&#8221;</em> (der Sozialist Otto Bauer im Nationalrat am 14. 9. 1922)</p>
<p>Die österreichische Regierung wird dem österreichischen Parlament sofort einen Gesetzesentwurf vorlegen, der jede Regierung, die während der nächsten zwei Jahre im Amt sein wird, bevollmächtigt, ohne neuerlich an das Parlament herantreten zu müssen, innerhalb der Grenzen dieses Programms alle Maßnahmen zu ergreifen, die nach ihrer Meinung notwendig sind, um bis zum Ende dieses Zeitabschnittes das budgetäre Gleichgewicht wiederherzustellen. (aus dem Protokoll Nr. 3 zur Genfer Sanierung 1922).</p>
<p>Bevor wir <a title="http://www.uebersmeer.at/2011/sie-nennen-es-das-abenteuer-wirtschaft-teil-1/" href="http://www.uebersmeer.at/2011/sie-nennen-es-das-abenteuer-wirtschaft-teil-1/">Karl Ausch</a>, aus dessem Buch <strong><em>Als die Banken fielen, Zur Soziologie der politischen Korruption</em></strong> die folgenden Zitate stammen, ungestört weiter erzählen lassen, dieser kurze Einschub. Alle Versuche der EU und der internationalen Organisationen die Staatenkrise in den Griff zu bekommen, münden in der gleichen Logik: Einschränkung von demokratischen Grundrechten (Aufrüstung der UnSicherheitskräfte, gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen, Lohnkürzungen und Kündigungen). In Griechenland wurde gerade, wie einige Monate davor in Wisconsin vorpraktiziert, das Menschenrecht auf Kollektivvertragsverhandlungen eliminiert.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/4_8qrlyZKx4?rel=0" frameborder="0" width="350" height="208"></iframe></p>
<p><em>&#8220;We remain committed to our ambitious privatization plans. Transferring assets in key sectors of the economy to more productive users through privatization and concession will encourage private investment and support longterm growth.&#8221;</em> (aus dem Letter of Intent der griechischen Regierung, sinngemäße Übersetzung und Quelle auf der Seite des <a title="http://schwabinggrad-ballett.posterous.com/12-februar-guten-morgen-armut" href="http://schwabinggrad-ballett.posterous.com/12-februar-guten-morgen-armut">Schwabingrad Balletts</a>).<br />
Nun aber ein Karl-Ausch-Durchlauf über das bankrotte, von der Hilfe des Auslands abhängige und rechts regierte Österreich nach dem 1. Weltkrieg:</p>
<p><em>&#8220;Der Sinn dieser Gesetzgebung war eindeutig. Das österreichische Parlament sollte in einer der schicksalschwersten Epochen der Republik ausgeschaltet, die gesamte Staatsgebarung und damit große Teile der Wirtschaft und der Verwaltung sollten der Willkür einer Regierung ausgeliefert werden, die selbst unter stärkstem ausländischem Diktat stand.</em></p>
<p><em>Die Stabilisierung der Verhältnisse bei uns ist der kapitalistische Standpunkt.&#8221;</em> Außenminister Grüneberger (ÖVP bzw. Christlichsoziale) zu den Verhandlungen zum Genfer Sanierungsprogramm, in dem einschneidende Sparmaßnahmen, darunter der Abbau von hunterttausend öffentlichen Angestellten vorgesehen war. <em>&#8220;Um Ruhe und Sicherheit dennoch aufrechtzuerhalten, regten die Verhandler des Völkerbunds eine Vermehrung von Gendarmerie und Polizei an.&#8221;</em></p>
<p>Oh, ohne Unterbrechung geht&#8217;s doch nicht: Pandur-Radpanzer in <a title="http://zpravy.idnes.cz/secret-pandur-agreement-bring-the-politicians-we-ll-pay-pio-/prilohy.aspx?c=A100221_142541_domaci_abr" href="http://zpravy.idnes.cz/secret-pandur-agreement-bring-the-politicians-we-ll-pay-pio-/prilohy.aspx?c=A100221_142541_domaci_abr">Tschechien</a>?</p>
<p>Pardon, Herr Ausch!</p>
<p><em>&#8220;Bevor wir uns den Ergebnissen dieser Tagung zuwenden, muß eine informative Denkschrift des Hauptverbandes der österreichischen Industrie an die Delegierten des Finanzkomitees erwähnt werden, nicht nur, weil sie ein Dokument zur Schande ihrer Verfasser war, sondern ein Beweisstück dafür, daß in der Ersten Republik kapitalistische Kreise immer wieder das Ausland anriefen, um mit seiner Hilfe wirtschafts- und sozialpolitische Forderungen zu erzwingen, die im Parlament durchzusetzen sie politisch zu schwach waren.</em><br />
<em> In der Denkschrift wird beklagt, daß die <a title="http://derstandard.at/1330390255100/Umverteilung-Kommen-Sie-mir-nicht-mit-dem-kleinen-Mann" href="http://derstandard.at/1330390255100/Umverteilung-Kommen-Sie-mir-nicht-mit-dem-kleinen-Mann">Industrie</a> die größte Steuerlast zu tragen habe, daß besonders die Länder und die Gemeinden die Industriebetriebe übermäßig besteuern und so ihre Produktionskosten wesentlich erhöhen.</em><br />
<em> Dazu ist zu bemerken, daß sich der Angriff gegen die Länder und Gemeinden vor allem gegen Wien und die sozialdemokratisch verwalteten Gemeinden richtete. Der &#8220;kalte Krieg&#8221; gegen diese Körperschaften beherrschte seit Genf in zunehmendem Maße die österreichische Innenpolitik und fand auch Eingang in die Monatsberichte des Generalkommissärs, der seine Informationen offensichtlich aus jenen Kreisen bezog, die auch die Denkschrift verfaßt hatten.</em><br />
<em> Aber nicht nur die Steuern und der Mieterschutz hatten es den Industriellen angetan, sondern auch die &#8220;sozialpolitischen Lasten&#8221;. Und so wurde denn in einem Atemzug die Abschaffung der viel zu langen Urlaube der Arbeiter und Angestellten, der Zahlung von Abfertigungen, des Achtstundentages, mit einem Wort des ganzen &#8220;demagogischen Zuges in der sozialpolitischen Gesetzgebung&#8221; gefordert. Auch der Arbeitslosenunterstützung wurde in der Denkschrift der Kampf angesagt. Aber das muß man wörtlich lesen, um die niedrige Gesinnung, die darin steckte, richtig zu werten:</em></p>
<p><em>Durch die fortwährende Aushilfsgesetzgebung wird der Bezug von Arbeitslosenunterstützung so verlängert, daß hier eigentlich ein Staatsrentnertum entsteht. Diese Staatsrentner können durch Zufallsarbeiten, die nicht kontrolliert und erhoben werden können, ihre Einnahmen leicht erhöhen, so daß sie trotz einer eventuellen kargen Arbeitslosenunterstützung keinen Anreiz haben, sich anderen Berufen zuzuwenden.</em><br />
<em> Womit sich die Verfasser der Denkschrift wohl selbst gerichtet hatten.&#8221;</em> [Denkschrift der Industrie von August 1924]</p>
<p>Eine niedrige Gesinnung. Schon lange nicht mehr gehört oder gelesen.</p>
<p>In Zeiten wie diesen, warum eigentlich?</p>
<p>Links:</p>
<p><a title="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Griechen-bunkern-Milliarden-in-der-Schweiz/story/23056031" href="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Griechen-bunkern-Milliarden-in-der-Schweiz/story/23056031">http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Griechen-bunkern-Milliarden-in-der-Schweiz/story/23056031</a></p>
<p><a title="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151570" href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151570">http://www.heise.de/tp/blogs/8/151570</a> Griechische Hochrüstung im Zeitalter der Krise</p>
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		<title>google knipst grenada das licht aus</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 22:33:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[er zündete bei tage ein licht an und sagte: &#8220;Ich suche einen Menschen&#8221;. dieser satz, der dem altgriechischen philosph diogenes zugeschrieben wird, trifft zweitausend jahre später auf mehr menschen denn je zu. das internet ist weniger eine fundgrube, als eine &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/google-knipst-grenada-das-licht-aus/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_815" class="wp-caption aligncenter" style="width: 494px"><img class="size-full wp-image-815" title="suche_wikipedia" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/suche_wikipedia.jpeg" alt="suche auf wikipedia" width="484" height="343" /><p class="wp-caption-text">suche auf wikipedia</p></div>
<p>er zündete bei tage ein licht an und sagte: &#8220;Ich suche einen Menschen&#8221;. dieser satz, der dem altgriechischen philosph diogenes zugeschrieben wird, trifft zweitausend jahre später auf mehr menschen denn je zu. das internet ist weniger eine fundgrube, als eine grube, in die die suchenden fallen.</p>
<p><span id="more-813"></span></p>
<p>vor einigen jahren führte der suchmaschinenmonopolist google seine personalisierte suche ein. die revolutionäre änderungen des suchparadigmas im internet wurde erstaunlich wenig wahrgenommen. google masst sich seit 2009 an, zu wissen, was für mich, für dich, für Sie, sie, ihn und es relevant und bedeutend ist. ob google bei der suche nach diogenes einen buchverlag, eine taverne oder einen griechischen philosphen auswirft, unterliegt einem (unbekannten) algorithmus, der auf grund anderer durchgeführter suchen, dem geografischen standort von dem die suche aus durchgeführt wird oder im kulturellen kontext der sprache der suchenden. google schafft auf diese weise wirklichkeiten.</p>
<p>aber keine angst. google missbraucht sein allumfassendes wissen nicht: dafür steht die konzernmission &#8220;don&#8217;t be evil&#8221;.</p>
<p>mitte februar warf scroogle.org sein handtuch. der betreiber, ein einzelkämpfer gegen &#8211; seltsam &#8211; wikipedia und &#8211; weniger seltsam &#8211; google, Daniel Brandt, schaltete seine nicht einmal zwei handvoll große server-farm, mit der er google-ergebnisse ungefiltert täglich mehr als 300.000 user_innen bereit stellte, auf off. der kapitulation brandts ging angeblich nicht nur eine breitseite an gezielten anfragen auf die scroogle-server voran, die die server einknicken liessen, sondern auch einige gezielte massnahmen von google gegen seinen fast-namensvetter scroogle. scroogle kam wahrscheinlich mit der antispam-richtlinie von google in konflikt, sagt google auf anfrage der tech-site <a title="http://www.betabeat.com/2012/02/21/scroogle-privacy-first-search-engine-shuts-down-for-good/" href="http://www.betabeat.com/2012/02/21/scroogle-privacy-first-search-engine-shuts-down-for-good/">betabeat</a>.</p>
<p>da hilft kein beten, wenn solche digitalen naturgesetze walten.</p>
<p>der metaphysik des internets folgend, verlor google auch seine suchergebnisse zu scroogle.org, wie <a title="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2012-02/google-scroogle/seite-2" href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2012-02/google-scroogle/seite-2">die zeit</a> berichtete. eine lästige laus im dicken fell des monopolisten weniger. und so gratulieren wir google zu dem erfolg, fast wie damals, als wir alle den USA, nach dem erfolgreichen blitzkrieg gegen <a title="https://de.wikipedia.org/wiki/US-Invasion_in_Grenada" href="https://de.wikipedia.org/wiki/US-Invasion_in_Grenada">grenada</a>, zujubelten.</p>
<p>doppelplusungut.</p>
<p><strong>links:</strong></p>
<p><a title="www.startpage.com" href="https://www.startpage.com">www.startpage.com</a> eine suchmaschine, die ebenfalls auf den suchergebnissen von google aufsetzt und keine persönlichen daten speichert. die treffer können über einen anonymisierten proxy besucht werden. nutzer_innen von security addons, wie z.b. convergence für mozilla firefox, müssen diese evtl. deaktivieren, weil das sicherheitszertifikat auf die betreiberfirma ixquick ausgestellt ist und nicht auf startpage.com.</p>
<p><a title="https://www.eff.org/deeplinks/2012/02/how-remove-your-google-search-history-googles-new-privacy-policy-takes-effect" href="https://www.eff.org/deeplinks/2012/02/how-remove-your-google-search-history-googles-new-privacy-policy-takes-effect">https://www.eff.org/deeplinks/2012/02/how-remove-your-google-search-history-googles-new-privacy-policy-takes-effect</a> anleitung, wie die google-such-historie gelöscht werden kann.</p>
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		<title>Die Kraft des Lachens</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 05:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Cork &#8211; The Rebel City steht auf jeder Publikation der lokalen Tourismuswerbung und stellt damit stolz einen Bezug zur der Tradition des Widerstands in der zweitgrößten irischen Stadt her. Corrie entschloss sich im Dezember, Teil der Occupy Cork-Bewegung zu sein. &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/die-kraft-des-lachens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_799" class="wp-caption alignleft" style="width: 370px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_3.jpg"><img class="size-full wp-image-799" title="Occupy Cork" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_3.jpg" alt="&quot;Es wäre keine gute Revolution, wenn die Sache keinen Spass macht.&quot;" width="360" height="524" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Es wäre keine gute Revolution, wenn die Sache keinen Spass macht.&quot;</p></div>
<p>Cork &#8211; The Rebel City steht auf jeder Publikation der lokalen Tourismuswerbung und stellt damit stolz einen Bezug zur der Tradition des Widerstands in der zweitgrößten irischen Stadt her.</p>
<p>Corrie entschloss sich im Dezember, Teil der <a title="http://www.wsm.ie/c/corks-three-occupations" href="http://www.wsm.ie/c/corks-three-occupations">Occupy</a> Cork-Bewegung zu sein. Nach der großen Wir-sind-die-99-Prozent-Demo in Cork. Es ist richtig hier zu sein, sie fühlte sich vom Occupy Movement seit Beginn magisch angezogen, sagt die Frau Anfang vierzig. Das Zusammenleben und Zusammenkämpfen ist nicht gerade unkompliziert, weil sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Ansichten hier sind. Manche brauchen auch einfach nur einen Platz zum Schlafen, andere sind hier, weil sie einsam sind und Leute zum Quatschen suchen. Aber alle sind hier, weil sie eine gemeinsame Überzeugung haben: Es muss eine grundlegende Änderung der Gesellschaft herbei geführt werden.<br />
<span id="more-798"></span></p>
<div id="attachment_800" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_1.jpg"><img class="size-full wp-image-800" title="occupy cork" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork_1.jpg" alt="Occupy - Der Rettungsreifen für Cork" width="350" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">Occupy - Der Rettungsreifen für Cork</p></div>
<p>Jan, der sich selbst als Clown bezeichnet, pflichtet Corrie bei und ergänzt: &#8220;Wir wollen nichts zerstören, wir wollen nichts erschaffen. Wir wollen nur die Veränderung.&#8221; Und Jan wäre ein miserabler Clown, wenn er nicht darauf hinweist, dass es keinen Sinn macht, nur über das große Unglück zu reden. Das wichtigste im Leben ist doch die Kraft des Lachens, sagt Jan und lacht laut aus sich heraus. Ein ehrliches Lachen.</p>
<p>Im Stehen wird es langsam kalt und wir wechseln in das große Zelt, trinken Tee, bekommen Essen angeboten. Es ist alles im Überfluss da, sagen die Occupy-Aktivist_innen. Die Bereitschaft der Corker_innen zu spenden ist riesengroß. Die Unterstützung kommt aus allen Teilen der Gesellschaft, sogar die Polizei hilft. Zum Beispiel, wenn es wieder einmal Probleme mit Sturzbetrunkenen gibt.</p>
<p>Noch gibt es in Cork City den Glauben an sich selbst, an die eigene Kraft und Möglichkeit. Wie auch der Kampf der auf die Straße gesetzten <a title="http://www.siptu.ie/media/pressreleases2012/mainnews/fullstory,15469,en.html" href="http://www.siptu.ie/media/pressreleases2012/mainnews/fullstory,15469,en.html">Vita Cortex-Arbeiter_innen</a> beweist.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/rbjVH6dJenY?rel=0" frameborder="0" width="360" height="213"></iframe></p>
<p>Trotzdem, und hier stimmen ausnahmsweise alle überein, ist die große Gefahr, dass sich die europäische Geschichte wiederholt. Der Glaube an den starken Mann, der alle Probleme lösen kann und tatsächlich nur Krieg über Europa bringt.</p>
<p>Dass sich hier etwas Bösartiges zusammenbraut, sehen nicht nur die Corker Occupy-Aktivist_innen. Kaum eine Buchhandelskette in Irland, die nicht auf Umsätze mit den geistig umnachteten Ausgüssen Hitlers spekuliert.</p>
<div id="attachment_801" class="wp-caption alignleft" style="width: 370px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork.jpg"><img class="size-full wp-image-801" title="occupy cork" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/occupy_cork.jpg" alt="occupy cork" width="360" height="241" /></a><p class="wp-caption-text">Occupy Cork  Transparent</p></div>
<p>Kann Occupy Cork eine linke Alternative anbieten, versteht sich Occupy Cork als antikapitalistisch? Fragende Gesichter. Wir begründen unsere Frage und erzählen von unseren Gesprächen mit den Leuten aus der Dame Street. &#8220;Definitiv&#8221;, schießt es aus Jan heraus. &#8220;Wir sind in einer Krise des kapitalistischen Systems, das Geld aus dem Nichts erschafft, um es sich in die eigene Tasche zu stopfen. Der Kapitalismus ist der Systemfehler, und das erkennen immer mehr.&#8221;</p>
<p>Und der Weg in eine solidarische Welt, wie sieht der aus? Nicht auf die Führer_innen hören, sich eine eigene Meinung bilden. Man darf nie damit aufhören, sich eine eigene Meinung zu leisten.</p>
<p>Am Abend im Pub finde ich durch puren Zufall in meiner Tasche ein musikalisches 2 Euro-Stück.</p>
<p>You say you want a revolution<br />
Well, you know<br />
We all want to change the world</p>
<p>tönt es aus der Compact Disc-Juke Box.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/CzCjGgrewYY?rel=0" frameborder="0" width="360" height="274"></iframe></p>
<p>Auf einmal auch von hinten, der linken und der rechten Seite &#8211; plötzlich bin ich in einem vielstimmigen Singing Pub.</p>
<p>Cork &#8211; The Real Rebel Capital.</p>
<p><strong>Links:</strong><br />
<a title="https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork">https://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Cork</a><br />
<a title="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex" href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex">https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Vita_Cortex</a></p>
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		<title>Der Bahnhof mit Herz</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 23:39:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Kältewelle überrollt Europa. Eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit von tausenden Menschen ohne Unterkunft. Doch die österreichische Staatsbahn beweist Herz. Die Bahnhofoffensive Neu Die Krise fordert Opfer. Das Sparprogramm ist auf Schiene, verkündet heute die Bundesregierung, und &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/der-bahnhof-mit-herz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_792" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/wien_hauptbahnhof.jpg"><img class="size-full wp-image-792" title="wien_hauptbahnhof" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/wien_hauptbahnhof.jpg" alt="wien hauptbahnhof" width="350" height="263" /></a><p class="wp-caption-text">wien darf nicht stuttgart werden</p></div>
<p>Eine Kältewelle überrollt Europa. Eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit von tausenden Menschen ohne Unterkunft. Doch die österreichische Staatsbahn beweist Herz.</p>
<p><strong>Die Bahnhofoffensive Neu</strong></p>
<p>Die Krise fordert Opfer. Das Sparprogramm ist auf Schiene, verkündet heute die Bundesregierung, und die Verhandlungen sind im Endspurt. Eine Drohung für alle, die soeben ihre Guthaben bei Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleister_innen aufgelöst und in reale Werte wie Eigentumswohnungen, Grundstücke, Häuser oder Offshore gebunkert haben? Das &#8211; zeigt die Erfahrung &#8211; leider nicht.</p>
<p><span id="more-791"></span></p>
<p>Der existenzielle Unterschied, der inzwischen auch für europäische Verhältnisse konstatiert werden muss, geht ans Eingemachte: Die Modernisierungsverlierer_innen, um eine 90-er-Jahre-Wort zu reaktivieren, verlieren nicht nur Lebenschancen und -perspektiven, sie verlieren auf Grund exogener Einflüsse, wie zur Zeit dem Wetter, gleich ihr nacktes Leben.</p>
<p>Zu unser aller Glück haben wir Facebook und können die österreichischen Staatsbahn ultimativ auffordern, Herz zu beweisen: Lasst tausend Obdachlose nicht (er-)frieren. Diesem Ruf können sich die ÖBB nicht verschließen. Solange es kalt ist (wie kalt?) werden beheizte Räumlichkeiten in Bahnhöfen als Not-Unterkunft zur Verfügung gestellt. Und es wäre nicht Österreich, wenn nicht in diversen Internetforen Stimmen laut werden, die durch diese Notmaßnahme die Ertragsfähigkeit der ÖBB gefährdet sehen.</p>
<p>Was zählt ein Menschenleben? Wie viel wollen wir es uns kosten lassen? Und wie viel kostet es die privaten Betreiber_innen der &#8220;Westbahn&#8221;?</p>
<p><strong>Von Occupy zur Gnade</strong></p>
<p>1998 startete die ÖBB die Bahnhofoffensive. Die Marke Bahnhof wurde in den Köpfen dingfest gemacht. Ein freundlicher Ort, an dem sich alle gern aufhalten, lautete die Vorgabe. Ein Shopping-Center mit Gleisanschluß, bringt es <em>Robert Sommer</em> in seinem Buch <strong><em>Wie bleibt der Rand am Rand</em></strong> auf den Punkt.</p>
<p><em>Robert Sommer</em> umkreist die Bahnhofoffensive nur kurz, um zum buchstäblichen, aber letalen rhetorischen Schlag auszuholen. <em>Robert Sommer</em> hält sich in dem Buch nämlich nie lange mit Nebensächlichem auf. Eine Überschrift genügt ihm, um behende  zum springenden Punkt zu kommen. Orte, die vor dieser Offensive temporär von Adressenlosen, vorwiegend des Nachts, okkupiert wurden, wurden im Zuge dieser Offensive auch unter Einsatz physischer Gewalt gesäubert. Private Unsicherheitsdienste übernahmen diesen Drecksjob für die staatliche Bahn, recherchiert Sommer.</p>
<p><strong>Almosen für die Armen</strong></p>
<p>2012 ist der Stand der Dinge dieser: Wir sind gütig.</p>
<p>Der Öffentlichen Hand sind die Hände gebunden. Wenn&#8217;s wirklich schlimm wird, teilen wir auch gerne. Aber niemand soll sich erlauben, bei mir einzubrechen.</p>
<p>Den jungen Herrn, der in diesen kalten Nächten vor meiner Tür sitzt, möchte ich gerne mal zu einer Tasse Kaffee einladen.</p>
<p>Aber jeden Morgen, an dem ich die Tür öffne, um meine Zeitung aufzuheben, springt er auf und läuft davon.</p>
<p><strong>Lese-Tipp:</strong><br />
Robert Sommer, Wie bleibt der Rand am Rand, Reportagen vom Alltag der Repression und Exklusion, Mandelbaum-Verlag. Erhältlich bei Ihren Augustin-Kolporteur_innen.</p>
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		<item>
		<title>Occupy Dublin</title>
		<link>http://www.uebersmeer.at/2012/occupy-dublin/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 21:40:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>reiser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Um das kleine Irland ist es still geworden. Größere Euro-Länder sind in den Vordergrund der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Grund genug in Irland Nachschau zu halten. Wie wehrt sich die irische Bevölkerung gegen den neoliberalen Raubzug? Der Fußmarsch führt zur &#8230; <a href="http://www.uebersmeer.at/2012/occupy-dublin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_782" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><a href="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/occupy_dame_street.jpg"><img class="size-full wp-image-782" title="occupy_dame_street" src="http://www.uebersmeer.at/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/occupy_dame_street.jpg" alt="occupy dame street" width="350" height="234" /></a><p class="wp-caption-text">occupy dame street</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um das kleine Irland ist es still geworden. Größere Euro-Länder sind in den Vordergrund der medialen Aufmerksamkeit gerückt.</p>
<p>Grund genug in Irland Nachschau zu halten. Wie wehrt sich die irische Bevölkerung gegen den neoliberalen Raubzug?<span id="more-783"></span></p>
<p>Der Fußmarsch führt zur weltberühmten Guiness-Brauerei. &#8220;Und wos moch ma jetzt,&#8221; fragt der Herr in die Runde, die den breiten Gehsteig für sich okkupiert. Allesamt mit schwarzen Papiersackerln mit dem Schriftzug der Brauerei ausgestattet. Und es werden immer mehr Papiertaschen, die mir entgegen strömen. Der geborene Ottakringer fühlt sich gleich zu Hause. In der Luft schwebt nun eine Duftwolke, eine Mischung aus Hefe und Malz. Mich zieht es nicht zu dem Getränkemulti, der die Pubs mit standardmäßig abgestandenem Lizenz-Lager überschwemmt, sondern zum Museum Moderner Kunst in Dublin.</p>
<p>Irland hat eine lange Geschichte und so darf es nicht verwundern, wenn das Museum Moderner Kunst in einer wehrhaften Burganlage untergebracht ist. Den Menschenmassen hinterher zu trotten ist keine gute Idee. Hinter der Burg hat ein Rummel seine Zelte und leicht transportierbare Mini-Riesenräder aufgeschlagen. Im Ranking der Besucher_innen liegt dieses Zerrbild eines Vergnügungsviertels eindeutig vor dem Museum. Die Ängste im Kopf totschlagen oder sie mit Unterhaltung zumüllen? Ich beginne mich in die irische Psyche einzufühlen.</p>
<p>Das Museum hat geschlossen. Nicht heute. Auch nicht heute und morgen. Sondern bis Jahresende 2012. Die Webredakteur_innen wissen davon nichts. Die Krise hat bad news eingespart.</p>
<p>Als Trostpflaster gibt&#8217;s in einem Türmchen eine Ausstellung von Rivane Neuenschwander. Im Gästebuch sind Verrisse nachzulesen, die der Wiener Theaterkritik in keinster Weise nachstehen. Das Projekt I wish your wish gewährt aber tiefe Einblicke in ein Leben in der Krise. Die Installation bezieht sich auf eine Tradition in Salvador do Bahia, wo Wünsche auf Seidenbänder geschrieben werden. Wer möchte, dass ein Wunsch von einem Band in Erfüllung geht, nimmt sich das Band und bindet es um seine Hand. Wenn das Band abgetragen ist und von selbst vom Handgelenk abfällt, wird der Wunsch in Erfüllung gehen, so der Glaube. Im Austausch dafür darf sich die oder der Unterstützer_in des Wunsches selbst etwas wünschen, und hofft ihrerseits und seinerseits darauf, dass jemand anders sich des eigenen Wunsches annimmt.</p>
<p>Die Wünsche sprechen Bänder. Ich wünsche mir keine Rezession. Ich wünsche mir finanzielle Sicherheit. Ich wünsche mir keine Angst zu haben. Oder: Ich wünsche mir, dass ich Drogen nicht so liebe.</p>
<p>Fotografieren darf ich die Seidenbänder im Museum nicht, aber &#8220;danke, dass Sie fragen&#8221;. Irischen Umgangsformen kann die Krise nichts anhaben. Bislang.</p>
<p>In die Stadt zurück geht&#8217;s über die Hewston Zug-Station. Gesichtslose Immobilienentwicklungen und abgefuckte Häuser sind anarchisch durcheinander gewürfelt. Wer Dublin von vor einigen Jahren kennt als solide gewachsene Stadt, sieht nun, dass der Kapitalismus keine Planung duldet. Auch, oder sollte es exakter heißen im Besonderen(?), keine Stadtplanung. Die riesige Spekulationsblase, die die Grundstückspreise über die Londons getrieben hat, erfasste Dublin und zerstörte zuerst die sensibelsten und machtlosesten Bereiche einer Stadt: die öffentlichen Plätze, billigen (Substandard-)Wohnraum, Kulturzentren und Veranstaltungsräume oder Programmkinos.</p>
<p>In der Moore Street befand sich noch vor einigen Jahren ein kleiner, aber lebhafter Markt, der Wienkenner_innen entfernt an den Brunnenmarkt erinnerte. War die Befürchtung damals, dass das Shopping Center im Hintergrund den Straßenmarkt verdrängen würde, bietet heute die Mall einen noch tristeren Anblick als der Markt. Die rebellische <a title="http://rabble.ie/" href="http://rabble.ie/">Rabble</a> von Smithfield hat sich zum antinationalen Widerstand entschlossen, publizieren eine unregelmäßig erscheinende Zeitschrift und versuchen mit ihren Aktivitäten die lokale Community zu stärken und ihr Gehör zu verschaffen.</p>
<p>Im Finanzzentrum Dublins, der Dame Street, harren AktivistInnen trotz Sturm und Regen seit Monaten aus. Die Unterstützung der Bevölkerung gibt Kraft, sagen sie, und betonen mehrfach, dass ihre Ziele nicht antikapitalistisch sind. Vielmehr geht es darum, Demokratie wieder zu dem zu machen, was sie sein sollte: Politik vom Volk für das Volk.</p>
<p>Vorbeiziehende Party People ignorieren den Euro(!)-Palettenzaun, der zickzackartig die kleine Zelt- und Planenstadt umrandet.</p>
<p>Ein Kampf zur Wiedererlangung der Selbstbestimmung. Ein Ruf nach Emanzipation und einem Ende der EU-Troika, der jede demokratische Legitimation fehlt, sagen sie.</p>
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<p>PS: Der Markt in der Moore Street hat Preise wie in der Vor-Euro-Zeit. Wer keine Zwiebel zum Frühstück mag, denen sei die köstliche Paris Bakery empfohlen. Nette Leute dort und die Sounds kommen von alten französischen Chansons und deren heute bereits erwachsenen Enkelkindern.</p>
<p>Links:<br />
<a title="http://www.occupydamestreet.org/" href="http://www.occupydamestreet.org/">http://www.occupydamestreet.org/</a><br />
<a title="http://rabble.ie/" href="http://rabble.ie/">http://rabble.ie/</a></p>
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